LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Neues Programm für Handwerksbetriebe - Studie zum Stand der Digitalisierung im Handwerk

Mitten in der Coronavirus-Krise lief bei Mittelstandsminister Lex Delles die Heizung nicht mehr. Durch einen Anruf beim Installateur, der sich das Problem per Handy zeigen ließ, erhielt er die richtigen Ratschläge. „So hatte ich wenigstens warmes Wasser, bis dann nach der Krise der Installateur kommen konnte“, erzählt Delles.

Damit will er darauf aufmerksam machen, wie wichtig die Digitalisierung fürs Handwerk ist. „Die Coronakrise hat gezeigt, wie gefährlich es ist, wenn man keinen Kundenkontakt hat“, unterstreicht der Minister.

Die Anekdote gab er auf der Pressekonferenz „Die Digitalisierung des Handwerks: Bilanz und Perspektiven“ zum Besten, die gestern in der Handwerkskammer im Beisein von Tom Oberweis, dem Präsidenten der „Chambre des métiers“ stattfand. Oberweis zeigt sich erfreut über den Einsatz des Ministers und teilte dessen Meinung, dass die COVID-19-Krise gezeigt hat, wie wichtig Digitalisierung ist. Hier wünsche sich das Handwerk vor allem starke Unterstützung für die kleineren Unternehmen.

Ein Hilfsangebot für kleine Unternehmen

Die kam prompt: Jetzt gibt es das Programm „Fit 4 Digital Package Artisanat“. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem House of Entrepreneurship und Luxinnovation sowie der Handelskammer und dem Service eHandwierk der Handwerkskammer als Digitalisierungsprogramm für das Handwerk aufgelegt. In diesem Bereich gab es bereits Erfahrung, weil Luxinnovation seit gut zwei Jahren „Fit 4 digital“ anbietet. Für das Programm stehen 250.000 Euro zur Verfügung.

Es zielt auf kleine Unternehmen ab, die konkrete Projekte haben. Ihnen werden 5.000 Euro der Kosten für einen Berater erstattet, die in der Regel bei 6.000 bis 10.000 Euro liegen. Die Projekte können beispielsweise die elektronische Rechnungslegung oder die Sichtbarkeit auf den sozialen Netzwerken betreffen.

Studie zur Digitalisierung

Wie steht es nun um die Digitalisierung des Handwerks in Luxemburg? Dazu präsentierte Anne Majerus als Chefin des Bereichs eHandwierk eine vergleichende Studie über den Grad der Digitalisierung von Handwerksbetrieben, die auch auf die Aktivitäten der Handwerkskammer zur Unterstützung der Handwerksbetriebe bei ihren digitalen Ansätzen einging. Da die Befragung Ende 2017 und Ende 2019 durchgeführt worden war, war eine Entwicklung ablesbar. „Da gibt es noch Platz für neue Technologien“, wie Majerus das Resultat zusammenfasste; gerade bei kleineren Betrieben.

Vier Themen wurden in der Studie angesprochen: Die Online-Präsenz von Unternehmen, ihre tägliche Nutzung digitaler Werkzeuge, IT-Sicherheit in Unternehmen und die Meinung der Branche zu den wichtigsten zukünftigen Herausforderungen. „Die Zahlen zeigen, dass die Anstrengungen der letzten zwei Jahre Früchte getragen haben“, versicherte Majerus. „Handwerksbetriebe haben Fortschritte bei der Einführung digitaler Werkzeuge im Alltag gemacht. Im Allgemeinen scheinen sie besser über die verschiedenen Aspekte der digitalen Transformation und die ihnen zur Verfügung stehenden Unterstützungsmöglichkeiten informiert zu sein.“

Doch es ist noch Platz nach oben: So hat sich die Online-Präsenzrate von 82 Prozent seit 2017 nicht erhöht, und die Hälfte der Unternehmen nutzt noch nicht die kostenlosen Marketingressourcen wie Google, mybusiness oder soziale Netzwerke, die ihnen das Internet bietet. Nur zehn Prozent der Handwerksbetriebe verkauften ihre Produkte oder Dienstleistungen online.

Während einige digitale Werkzeuge in allen Bereichen wie mobile Anwendungen, Online-Banking oder digitales Kundenmanagement eingeführt wurden, schöpfen Handwerker noch nicht das volle Potenzial anderer Werkzeuge aus. Majerus verwies hier auf digitale Bestandsverwaltung, Geolokalisierung, eGovernment, Fernzugriff oder Leistungsmanagement als Beispiele. „Auch die digitalen Produktionsverfahren wie CNC-Maschinen, 3D-Druck oder Roboter haben es schwer, sich zu etablieren“, resümierte sie mit Verweis auf branchenspezifische Unterschiede.

Das Wissen der Unternehmen im Bereich der Cybersicherheit und des Datenschutzes hat sich in den letzten Jahren stark zugenommen, aber es gibt immer noch große Lücken, insbesondere im Hinblick auf die Ausbildung des Personals. Als größte Herausforderungen nannten die Handwerksbetriebe immer niedrigere Verkaufspreise, die ihre Gewinnspanne erheblich schmälern, sowie die Konkurrenz durch E-Commerce und große Ketten.

Der Service eHandwierk , der 2018 gegründet wurde, will Betriebe unterstützen. Bislang hat er mehr als 270 Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation geholfen. Mehr als 2.000 Teilnehmer haben die 42 Konferenzen, Workshops, Webinare und Firmenbesuche zum Thema Digitalisierung genutzt. Auf der Website www.yde.lu gibt es zudem 140 Artikel und ein Selbstdiagnose-Tool, wie Majerus unterstrich.