BELVAL
CLAUDE KARGER

Kulturhauptstadt Esch2022: Die ganze Hochofenterrasse in Belval soll „bespielt“ werden

Es wird nicht den einen „repräsentativen Platz“ für die Events der europäischen Kulturhauptstadt Esch2022 geben, sondern es werden verschiedene Gebäude auf der Hochofenterrasse in Belval „bespielt“. Mit dieser Nachricht trat Kulturministerin Sam Tanson (déi gréng) gestern Mittag vor die Presse, nachdem sie am Morgen mit den Verantwortlichen der Esch2022 asbl dem parlamentarischen Kulturausschuss Aufschluss über das Konzept gegeben hatte. Am Vortag hatte sich der Regierungsrat mit den Alternativen zur riesigen Gebläsehalle auf Belval befasst, die zunächst als „Hauptquartier“ von Esch2022 ins Auge gefasst worden war. Allerdings sei man nach Auswertung der Lage zum Schluss gekommen, dass es „zu riskant“ sei, darauf zu setzen, dass die Halle bis 2022 an alle erforderlichen Standards angepasst werden könne, wie Tanson erklärte. Also habe man sich mit dem Fonds Belval zusammengesetzt, der für die staatlichen Bauvorhaben auf der ehemaligen Industriebrache verantwortlich ist, um zu klären, welche Teile des bestehenden Industrieerbes an die Anforderungen von Esch2022 angepasst werden könnten.

Die Regierung stellt der asbl nun zwölf Lokale auf der Hochofenterrasse zur Verfügung. Angefangen bei der „Möllerei“, von der bereits ein Teil in die neue Uni-Bibliothek integriert wurde. An der Stelle wo einst das Erz-Koks-Gemisch hergestellt wurde, um die Hochöfen zu beschicken, sollen ein „Digital Space“ entstehen, in dem „Technologien und Inhalte ineinander greifen“ sollen, wie Christian Mosar, der künstlerische Leiter von Esch2022 erklärte. Auch das Besucherzentrum „Massenoire“, in dem heute schon Ausstellungen und Events stattfinden, soll auf Vordermann gebracht werden ebenso wie die überdeckte Halle gleich nebenan, die „Hall des poches à fonte“, die auch bereits für diverse Veranstaltungen benutzt wird und der so genannte „Plancher des coulées“, wo einst der flüssige Stahl aus dem Hochofen schoss. Für die Events von Esch2022 wird auch der zentrale Platz gleich unter den Hochöfen zur Verfügung stehen, wie auch die gesamte Fußgängerzone, das „Kulturcafé“ im Fundament des Hochofens A und der Betonsockel des Hochofens C. Letzterer, der einst den modernsten Hochofen Europas trug - er wurde abgebaut und leistete noch jahrelang Dienst in China - ist allerdings eine Ruine.

Einen Steinwurf von der Gebläsehalle entfernt - „sie ist nicht vergessen“, mahnte der Escher Bürgermeister Georges Mischo - entsteht ein Bürogebäude für die 25 bis 30 Mitarbeiter, welche die asbl Esch2022 einmal haben soll. Daneben kommt der „Pavillon Skip“. Die gelbe Halle, derzeit am „Rond Point Räemerech“, war einst das erste neue Gebäude im Zusammenhang mit der Rekonversion der Industriebrache. In der Liste der Esch2022-Lokale gibt es also eine Reihe, die relativ schnell umgewandelt werden können und andere, die mehr Arbeit benötigen. Auf jeden Fall würde immer darauf geachtet, dass die Neu- und Umbauten auch über Esch2022 hinaus genutzt werden, respektive schnell wieder abgebaut werden können, um sie nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft zu recyceln, wie Fonds Belval-Direktor Luc Dhamen erklärte.

Wieviel investiert werden muss, dazu wollten die Verantwortlichen gestern keine Angaben machen. Im Herbst will Ministerin Tanson ein Finanzierungsgesetz vorlegen, erst wenn es grünes Licht im Parlament bekommt, können die Ausschreibungen beginnen. Das kann also frühestens Mitte 2020 sein. „Ich schätze, Esch 2022 wäre schon froh, wenn die Lokale bis Mitte 2021 fertig wären“, meinte Luc Dhamen, der allerdings davon ausgeht, „dass wir sicher bis zum letzten Moment arbeiten“. Die Macher von Esch2022, die derzeit am Programm feilen, zeigten sich jedenfalls erleichtert über die Entscheidungen der Regierung, die den Anforderungen einer europäischen Kulturhauptstadt entsprächen. Kunst und Patrimonium kämen hier auf unvergleichliche Art und Weise zusammen.