LUXEMBURG
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Wie die „Vinothèque Celliers des Grands Crus“ aus Mertert an einen argentinischen Saurier kommt

Verkostung im ganz großen Format: „Wir haben aus unserem knapp 1.000 Referenzen umfassenden Wein-, Champagner- und Spirituosensortiment einige Highlights ausgesucht“, erzählt Claudia Flöther von der „Vinothèque Celliers des Grands Crus-CGC“. Weit über 100 Nummern umfasst die „Degustationspalette“ aus der ganzen Welt. Doch wie kommt man eigentlich an diese Tropfen? Darüber haben wir uns mit Claudia Flöther unterhalten.

Frau Flöther, wenn Sie solche großen Verkostungen veranstalten, wie suchen Sie denn die Weine aus?

Claudia Flöther Dieses kleine Sortiment bei der Degustation umfasst tolle Spitzenweine von führenden Winzern bekannter Weinregionen sowie einige noch unbekannten Winzern, die wir aber in ihrem Aufwind begleiten möchten.

Wie finden die Weine den Weg zu Ihnen nach Mertert?

Flöther Die richtigen Kontakte zu haben ist hier wirklich alles. Wenn wir unterwegs sind, sprechen wir gerne mit den Sommeliers vor Ort. Die haben natürlich die Weine der Region schon verkostetet und somit einen entsprechenden Überblick. Von ihnen erfährt man, wo es die guten Winzer gibt.

Allerdings bekommen wir immer öfters von Winzern einen guten Wink, die uns berichten, da oder dort sei ein junger Kollege, bei dem es sich lohnen würde, einmal vorbeizuschauen. Und sehr oft sind solche Tipps goldrichtig.

Sie haben auch Weine in Ihrem Sortiment, die aus etwas entlegeneren Teilen der Welt kommen, wie aus Australien oder Argentinien. Sind Sie auch dort unterwegs?

Flöther Da kann es passieren, dass man von Freunden und Bekannten einen Kontakt bekommt und ein Weingut empfohlen wird, wie zum Beispiel das der Schroeders aus dem argentinischen Neuquén, die sich in der Gegend am Rio Negro etabliert haben. So haben wir das Glück, dass Luis Schroeder bei uns seine Weine persönlich vorstellen kann.

Herr Schroeder, wo befindet sich Ihr Weingut?

Luis Schroeder Unser Weingut Bodega Familia Schroeder befindet sich im patagonischen „Neuquén“-Weingebiet, beim Ort San Patricio del Chañar, ein paar Kilometer nordwestlich des Städtchens Neuquén. Luftlinie ist es 650 Meilen südwestlich von Buenos Aires entfernt.

Wie sind Sie zum Weinanbau gekommen?

Schroeder Anfang des 20. Jahrhunderts kam meine Familie quasi als Weinbau-Pionier nach Argentinien, dies mit großem Entdecker- und Unternehmergeist und vielen innovativen Ideen. Unser Großvater war 1927 von Ostpreußen nach Argentinien ausgewandert.

Wann wurde ihr Weingut gegründet?

Schroeder Gegründet wurde die Bodega Familia Schroeder Ende der 90er Jahre, dank eines Projekts zur Erschließung dieses Tales für die Gewinnung von Weintrauben für eine neue und fortschrittliche Weinproduktion. So entstanden die ersten Weinberge.

Die „Familia Schroeder Winery“ wurde 2002 nach modernsten Erkenntnissen erbaut. Wir nutzen zum Beispiel nutzen die Höhenunterschiede am Rande des Plateaus, über das sich die Weingärten erstrecken, bei der Herstellung der Weine. Der Traubenmost wird nie mit Pumpen, sondern schonend alleine durch die Schwerkraft von Ort zu Ort und Tank zu Tank befördert. Wir sind mit einer modernen Anlage ganz ökologisch im Einklang mit der Natur.

Nun ist die Region Patagoniens nicht als wirtschaftliches Weinland bekannt.

Schroeder Das Umfeld ist sehr hart für den Weinanbau, das Klima hat burgundischen Charakter, es war und ist ein ehrgeiziges Projekt. Das Gebiet ist quasi eine Steinwüste, wo in einer Höhe von 230 Metern über dem Meeresspiegel unsere Weinreben wachsen.

Eine Steinwüste? Wie konnten Sie das Wasserproblem lösen?

Schroeder Die Region wurde mit Mitteln für Staudämmen und Irrigationskanälen von der argentinischen Regierung unterstützt, denn ohne Wasser ist in der patagonischen Wüste nichts zu holen. Ohne das Schmelzwasser eines Gletschers, der sich in die Anden zurückgezogen hat, könnte hier nichts wachsen. Das Mikroklima wird außerdem durch zwei Flüsse beeinflusste, deren Quelle in den Anden liegt. Der Ertrag wird auf ein Minimum reduziert, damit die Qualität der gelesenen Weintrauben so hoch wie möglich ist. Die Resultate sind toll, wie man schmecken kann.

Flöther Schlanke, helle, elegante und intensive Weine mit äußerst burgundischem Charakter.

Unter anderem mit Ihrem Bruder Roberto leiten Sie das Weingut.Wo liegt Ihre Kapazität?

Schroeder Inzwischen sind 140 ha Rebfläche angelegt, wobei Malbec mit 40 Prozent, gefolgt von Merlot, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Cabernet Franc, den Trend vorgibt. Es werden auch Weiße angebaut: Chardonnay, Sauvignon Blanc und die bekannte argentinische Weißwein-Sorte Torrontés. Ausgebaut wird der Wein in modern gesteuerten Lagertanks und Barrique-Fässern. Unsere Weinkeller-Kapazität liegt bei maximal 2.500.000 Litern, unsere Wein-Produktion liegt bei durchschnittlich 1,5 Millionen Weinflaschen pro Weinjahr.

Jetzt gibt es aber noch eine steinzeitliche Besonderheit in Bezug auf ihr Weingut.

Schroeder Als das Fundament ausgehoben wurde, kam der „Panamericansaurus Schroederi“ wieder ans Tageslicht, Saurierknochen einer bis dato unbekannten Art wurden gefunden, zehn bis zwölf Meter groß war der Saurier. Er wurde prompt von den zuständigen Forschern nach unserer Familie benannt. So tragen natürlich einige unserer Weine auch seinen Namen. Saurus oder Saurus Select. Denn welches Weingut kann schon von sich behaupten, einen eigenen Saurier zu haben?


Bodega Familia Schroeder, Calle 7 Norte, San Patricio del Chañar (8305), Neuquén - Patagonien, Argentinien, Tel: +54 (0) 299 489 9600 - www.familiaschroeder.com

Über einige der Weine kann man sich umfassend auf der Internetseite www.CGC.lu informieren - Weitere Infos gibt es bei Vinothèque Celliers des Grands Crus, Route du Vin 5, Mertert; Tél: 00352-74 84 81, Fax: 00352-74 85 04, Email: info@cgc.lu