LUXEMBURG
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„Fédération des Enrôlés de Force, Victimes du Nazisme“ erinnert an die 91 Opfer des Massakers von Sonnenburg

In der Nacht von 30. auf den 31. Januar 1945 wurden in Sonnenburg (heute Slonsk in Polen) 819 Opfer, darunter 91 junge Luxemburger im Alter von 19 bis 25 Jahren, von einem SS-Sonderkommando hingerichtet. Zusammen mit der Gemeindeverwaltung Grevenmacher hatte die „Fédération des Enrôlés de Force du Grand-Duché de Luxembourg, Victimes du Nazisme“ (FEDEF) vorgestern in den frühen Abendstunden zu der jährlichen Erinnerungsfeier in die Grevenmacher Pfarrkirche eingeladen.

Damit „die brutale und sinnlose Hinrichtung von 91 jungen Luxemburgern durch das SS-Sonderkommando in der Nacht von 30. auf den 31. Januar 1945 in Sonnenburg“ von den Luxemburgern nicht vergessen wird, wird jedes Jahr eine Gedenkfeier in einer anderen Ortschaft des Landes organisiert.

Erinnerung an alle Nazi-Opfer

Wie FEDEF-Präsident Erny Lamborelle in seiner Ansprache unterstrich, wollte man in Grevenmacher „allen Naziaffer gedenken“. Sie wurden misshandelt und ermordet, „sief et aus politeschen an patriotesche Grënn, sief wéinst hirer Relioun, hirer Rass, hirem physeschen Handicap, hirer Sexualitéit, ...“. Weiter sagte Lamborelle „Zwangsrekrutéierung vun der Lëtzebuerger Jugend war en geziilte Vernichtung vun onsem Vollek! Eng Violatioun vum Vëlkerrecht an ee gemengt Verbrieche géint Mënschheet“.

Als „wohl beschwerlichster und fatalster“ wertete Lamborelle den Kreuzweg der „Jonge vu Sonnenburg“. Sie sind „all Stadie vum Martyrium von der Zwangrekrutéierung duerchgelaf“. Das Gefängnis von Sonnenburg, wie Lamborelle sagte, hatte es aufgrund der unmöglichen hygienischen und sanitären Umstände, die hier vorherrschten, aber vor allem „wéinst den onmënschleche Verbriechen un de Prisonnnéier“ bereits Anfang der 1940er Jahre zu einer „berüchtegter Berühmtheet“ gebracht. Die meisten Desserteure „dorënner eis Lëtzebuerger Jongen“ waren als besonders gefährliche Gefangene „Dag an Nuecht mat Handschelle gefesselt a louchen a fiichten a kalen Eenzelzellen“, sagte Lamborelle, der darauf hinwies, dass sie „fir alle Klengegkeet mësshandelt“ wurden.

Es sollte noch schlimmer kommen

Jedoch sollte es Ende Januar 1945 noch schlimmer kommen. Die Nachricht, „dat russesch Panzer ganz no wiren“, sollte im Gefängnis Sonnenburg Panik beim Personal hervorrufen, sagte der FEDEF-Präsident weiter. Am 30. Januar 1945 waren die Russen nur noch 30 Kilometer von Sonnenburg entfernt. In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 brachten 20 SS 819 Gefangenen um. Unter ihnen auch die „91 brav Lëtzebuerger Jongen“, wie Lamborelle festhielt. Der jüngste, Remy Kauffmann aus Hassel, war 19 Jahre alt, der älteste, François Sieneburg aus Medernach, war gerade mal 25 Jahre alt. „Ënnert hinnen och ee Maacher Jong: de Roger Thekes, aus der Mënscheckerstrooss, 22 Joer al“, sagte Lamborelle, der den 91 Luxemburger Opfern von Sonnenburg zusicherte: „Sieft et sécher: Dir sidd nach ëmmer an eisen Häerzer, an eise Gefiller“.

Nach der Ansprache von FEDEF-Präsident Erny Lamborelle wurde eine Gedenktafel enthüllt, die Fuße des „Kräizerberreg“ in Grevenmacher angebracht werden soll. Nach der Einsegnung der Gedenkplakette wurden die Namen der 91 jungen Luxemburger von SchülerInnen des „Maacher Lycée“ aufgerufen. Zu ihrem Gedenken wurden 91 Kerzen angezündet. Nach Abschluss der Gedenkfeier richtete der Grevenmacher Bürgermeister Léon Gloden das Wort an die Anwesenden.

Organisiert wurde die Feierstunde in Grevenmacher von der FEDEF in Zusammenarbeit mit dem „Comité pour la mémoire de la deuxième guerre mondiale“, der Stadt Grevenmacher und der „Ligue Ons Jongen, Gréiwemaacher“.