LUXEMBURG
JEFF KARIER

Wir haben mit einigen Machern über das Medium Podcast und deren Produktion gesprochen

Die Podcast-Szene hat in den letzten Jahren eine interessante Entwicklung erlebt. Wer sich im Netz umschaut, stellt fest, dass deren Zahl immer weiter zu steigen scheint. Doch warum beginnt man überhaupt mit Podcasting, was ist der Reiz und wo geht die Reise dieses Mediums hin? Wir haben mit vier Podcast-Machern gesprochen.

Einfach machen

Eine Größe in der deutschen Podcast-Szene ist die „Medien-KuH“, ein Podcast von Kevin Körber und Dominik Hammes über die Medienlandschaft. Wie Hammes erklärt, sei ihm die Idee zum Podcast 2009 gekommen. „Ich war damals fleißiger Hörer diverser Podcasts, vor allen Dingen von meinem Lieblingsregisseur Kevin Smith, der damals sein Podcast-Netzwerk langsam aufgebaut hat.“ Er und Körber, die früher beim selben Medienunternehmen arbeiteten, haben sich zu der Zeit wöchentlich halb beruflich, halb privat in einem Fast-Food-Laden getroffen. „Ich dachte mir, dass man das ja auch einfach aufnehmen könnte“, erinnert sich Hammes.

Körber hatte zu dem Zeitpunkt bereits mit „Die Podcasting-Couch“ selber einen eigenen Podcast gemacht. „Den hat aber damals niemand gehört“, meint er selber. Seine ersten Berührungspunkte mit Podcasts habe er bereits 2004 gehabt - und zwar mit „Schlaflos in München“. Wie beide aber betonen, hatten sie einfach Lust, über ihre Leidenschaft Medien zu reden, wobei auch etwas Frust über diese dabei war, dem sie sich Luft machen wollten. Noch etwas älter ist der „Kinocast“, der von einer Gruppe von Filmbegeisterten ins Leben gerufen wurde, die zuvor bereits Jahre lang eine Webseite und ein Forum zu Filmen betrieben hatten. „Als die ersten Podcasts in den USA erschienen und es auch damals in Deutschland erste kleine Projekte gab, wollten wir das Format 2006 zunächst einmal testen“, erklärt Eric Späte (Bild oben links), der den Podcast produziert. Aber auch in Luxemburg werden einige Podcasts produziert. Hierzu zählt „Angscht a Schrecken zu Lëtzebuerg“ des Woxx-Journalisten Joël Adami, der früh mit Bloggen begann und Radiosendungen bei Graffiti, den Jugendsendungen von Radio Ara, gestaltete. Er produziert seit einigen Monaten außerdem für die Woxx den Podcast „Am Bistro mat der woxx“.

Qualität für die Ohren

Alle drei Podcasts haben sich laut ihren Machern im Grunde weniger verändert. „Inhaltlich geht es weiterhin hauptsächlich um die neuesten Kinofilme oder auch versteckte Filmklassiker, die wir vorstellen und über die wir diskutieren. Mittlerweile hat der Inhalt allerdings eine wesentlich bessere Struktur bekommen“, erklärt Späte. Dazu zählten etwa Audiojingles für die einzelnen Rubriken, die von einem professionellen Synchronsprecher eingesprochen wurden. Für Hammes und Körber ist die größere Entwicklung die, dass beide routinierter und lockerer geworden sind und auch bei dünner Themenlage entspannt 90 Minuten Podcast füllen können. Körber fasst die Entwicklung wie folgt zusammen: „Früher inhaltlich fundierter, heute immer noch Basisinformationen, aber mit mehr Personality.“ Bei der eigentlichen Produktion gab es bei allen Podcasts große Veränderungen. „Angefangen haben wir damals mit einfachen Computermikrofonen und haben über Skype aufgenommen. Mittlerweile nutzen wir ein komplettes Heimstudio, das Radioqualität hat“, führt Späte aus. Auch Hammes und Körber haben über die Jahre viele Mikrofone, Programme und weitere Geräte genutzt und ausprobiert. Beide nehmen dabei seit vielen Jahren nicht mehr gemeinsam an einem Ort, sondern örtlich getrennt auf. Adami konnte von Anfang an auf das Studio von Radio Ara nutzen oder Equipment ausleihen, baute sich aber nach und nach ein eigenes minimales Studio zusammen. Als Software setzt er seit Jahren auf das Gratis-Programm Audacity.

Vor dem Podcast ist nach dem Podcast

„Wir schauen jede Menge Filme und gehen dazu zum Beispiel in die Sneak Preview“, erklärt Späte. Wie auch bei der „Medien-KuH“ wird auch für jede Folge „Kinocast“ etwas im Internet recherchiert, etwa zu Gerüchten zu Produktionen. Gemein ist auch, dass sowohl Späte wie auch Hammes und Körber sich ohnehin in ihrer Freizeit mit ihren jeweiligen Themengebieten beschäftigen und so Themen für ihren Podcast zusammentragen. „Wir suchen in der Regel einfach Themen raus, die uns selber interessieren. Denn das muss man auch sagen, wir haben nie einen Anspruch an Vollständigkeit gestellt“, betont Körber. Der Podcast sei eben kein journalistisches Magazin, sondern vielmehr ein Kollegengespräch. Adami seinerseits verfolgt vor allem die Aktualität in Luxemburg und bereitet Fragen an seine Redaktionskollegen vor.

Der größte Reiz, private Podcasts zu hören, ist für Späte die Authentizität. „Im Normalfall kann man mit Podcasts kein Geld verdienen, das heißt, man macht es als Hobby für ein Thema, das einem am Herzen liegt. Und diese Leidenschaft für ein bestimmtes Thema hört man bei diesen privaten Podcasts heraus und man kann dadurch interessante Einblicke in andere Sichtweisen und Themen erhalten.“ Hammes sieht eine Stärke von Podcasts darin, dass man diese auch bei langweiligen Tätigkeiten hören kann, wie etwa Hausarbeit, Autofahren oder Zugfahrt. Es sei eine Alternative zu Musik. „Ich mag besonders lange Formate“, meint er. Ihn stressen schon fast Podcasts, die nicht länger als 30 Minuten gehen. „Da bin ich froh, wenn es Podcasts sind, die viele Folgen haben, die man dann nacheinander weghören kann.“

Als Macher ist für ihn der Draht, den man zu den Zuhörern aufbaut, ein großes Plus des Mediums. „Man begleitet die Hörer in ihrem Alltag und diese fühlen sich angesprochen Feedback zu geben.“ Eine fruchtbare Beziehung. Ähnlich sieht dies Späte, der über seinen Podcasts nette Leute kennengelernt hat, die zum Teil erst Hörer waren und kommentierten, irgendwann Kontakt aufgenommen oder sogar selbst einen Podcast gestartet haben. Späte habe dabei auch schon öfter Pate für neue Podcasts und mit Rat und Tat diesen zur Seite gestanden. „Dadurch habe ich schon einigen Formaten durch die kritische erste Phase helfen können.“

Hörer für den eigenen Podcast zu gewinnen und das Interesse aufrechtzuerhalten reizt Adami besonders. „Die Hörer entscheiden sich gezielt, einen Podcast zu hören - deswegen muss der Inhalt auch ansprechend sein. Das ist schon eine besondere Herausforderung, nur mit Ton und Stimme etwas zu produzieren, das sich Leute freiwillig anhören.“ Als Hörer faszinieren ihn, dass es so viele unterschiedliche Formate gibt: „Von dicht produzierten Doku-Serien über Gespräche zu Sexualität - hier möchte ich die neue luxemburgische Produktion „Méi wéi Sex“ besonders hervorheben und loben - oder fiktionalen Radiosendungen bis hin zu dreistündigen Interviews über Brotbacken ist alles dabei.“ Wer die Hörer eines Podcasts sind, hängt dabei stark von dem jeweiligen Thema ab. „Ich glaube, dass unser typischer Zuhörer uns sehr ähnlich und um die 30 Jahre alt ist. Es sind aber vor allem Männer, die medieninteressiert sind, die aber inzwischen vielleicht auch und hoffentlich den Podcast hören, weil sie uns gerne zuhören“, erklärt Körber. Auch den „Kinocast“ hören laut Späte vor allem Männer zwischen 25 und 35, die dessen Leidenschaft für Filme teilen und dabei „neugierig, tolerant, objektiv und kommunikationsfreudig“ sind.

Etabliertes Medium

Podcasts führen nicht mehr ihr krasses Nischendasein. „Mit Smartphones und all den anderen allgegenwärtigen Geräten, die ständig online sind, hat sich das verändert, weil viel mehr Menschen Zugang zu Podcasts haben“, erklärt Adami. Besonders Medienschaffende, aber auch einige Musiker und Schauspieler haben einen Podcast. „Mittlerweile ist es schon fast seltsam, wenn jemand keinen Podcast hat oder zumindest regelmäßiger Gast ist“, hält Hammes fest. Auch das Angebot hat sich gewandelt. „Der typische Podcast bestand in der Anfangszeit aus einer Männerrunde, die quasi ihren Stammtisch aufnahmen. Zum Glück ist heute alles viel diverser, in Besetzung wie in Formaten. Gerade in den USA haben sich einige Produktionsgesellschaften professionalisiert“, ergänzt Adami und hält Podcasts für eine große Chance, neue journalistische und fiktionale Formate zu entwickeln. Späte betont dabei den Umstand, dass der Großteil der Podcasts kostenlos ist und sich jeder eine große Auswahl an interessanten Inhalten anhören oder herunterladen kann.

Interessant zu beobachten ist aber auch, dass mittlerweile Folgen von Podcasts gesponsert werden, man also mit Podcasts auch Geld machen kann, was vor Jahren noch nicht der Fall war. Besonders durch Spotify hat sich laut Hammes einiges getan. „Das sieht man vor allem bei amerikanischen Podcasts, wo selbst mäßig erfolgreiche Formate irgendein Sponsoring haben.“ Hammes und Körber sind dabei allerdings der Meinung, dass die Podcast-Welle ihren Höhepunkt erreicht hat, die Zahl an neuen Formaten nicht mehr so stark steigen wird, sich das Medium aber weiter etablieren und verfestigen wird. „Es wird vor allem interessant, zu sehen sein, welche Podcasts noch in fünf Jahren da sein werden“, meint Hammes und Körber ergänzt: „Podcast ist sozusagen eine eigene Disziplin, man muss da immer am Ball bleiben und Bock drauf haben.“ Eine gleichbleibende Qualität zu liefern, sei eben schwer. Etwas, das erst in den letzten drei oder vier Jahren in der Podcast-Szene aufgekommen ist, sei, dass Podcasts auch auf Tour gehen oder bei Events wie Messen aufgezeichnet werden. So gab es von „Radio Nukular“ bereits mehrere Touren durch Deutschland, aber auch der Ableger „Im Autokino“ war auf Tour. Und die Podcasts „Gästeliste Geisterbahn“ und „Stay Forever“ werden immer wieder vor Livepublikum aufgezeichnet. Diesen Weg ist die „Medien-KuH“ noch nicht gegangen. Als Grund nennt Körber etwa eine Übersättigung, da es so viele Podcasts gibt, die dies machen, sowie eine Teilüberschneidung des Publikums. Aber auch fehle die Zeit, eine solche Tour mit zehn Städten zu machen. Allerdings schließen die beiden es nicht aus - dann vermutlich aber als Event an einem Ort und ohne Tour.

Einfach mal zuhören

Podcasts sind seit circa 2004 auf Sendung - und behandeln praktisch jedes Thema

Einfach zuhören, während jemand anderes spricht: Podcasts sind ein leicht zu verstehendes Medium, denn hier reden die „Caster“, praktisch über das, wonach ihnen gerade der Sinn steht, und der Verbraucher schaltet prinzipiell ein, weil er diesen Menschen gerne zuhört. Es geht um praktisch jedes Thema, das den Sendern in den Sinn kommt - und eben, was die Kunden hören wollen. Deshalb liefern „Caster“ meist genau das, was ihnen noch mehr Zuhörer bringt und die bisherigen bei der Stange hält.
Die einzelnen Podcasts nehmen dabei die Form von abonnierbaren Mediendateien ein, die meist auf einer zentralen Plattform heruntergeladen und für das spätere Anhören gespeichert werden - in dem Punkt unterscheiden sie sich auch von modernen Streaming-Inhalten, die nicht lokal gespeichert und stattdessen nur temporär geladen werden und deshalb eine permanente Internetverbindung voraussetzen. Podcasts hingegen können im Voraus gespeichert und für eine lange Reise, etwa im Flugzeug, aufbewahrt werden. So passen sie sich ganz bewusst einer aktiven, jungen Kundschaft an, die immer unterwegs ist und deshalb nicht permanent Zugriff auf das Internet hat. Denn: Kaum vorstellbar, aber zur Entstehungszeit um das Jahr 2000 herum war zuverlässiges WiFi und 3G/4G-Netz in der Öffentlichkeit noch ein Fantasiewesen.
Seinen Namen hat das Format aus dem ursprünglich beliebtesten Mittel, die Inhalte zu speichern und abzuhören: Apples iPod-Familie samt der Audioplattform iTunes war lange Zeit die zentrale Anlaufstelle. Inzwischen konsumieren die meisten Zuhörer ihre Podcasts über ihre Smartphones, die mp3-Abspielgeräte wie die iPod-Familie mittlerweile nahezu gänzlich ersetzt haben. Wir geben einen Einblick in den Schaffungsprozess eines Podcasts und geben populäre Beispiele. 


Spannend
Serien-Phänomen „Serial“

„Serial“ ist eine der erfolgreichsten Podcast-Produktionen aller Zeiten und erreichte bereits nach wenigen Wochen mehr als fünf Millionen Downloads. Die mit Preisen überzogene Serie läuft seit 2014 und ist praktisch ein Investigativ-Krimi im Episoden-Format, der sich mit Kriminalfällen beschäftigt. Nachschub gibt es wöchentlich; die Sendung steckt derzeit in der dritten Staffel, inzwischen hat sich das Format leicht gewandelt - statt einem zusammenhängenden Fall gibt es jetzt jede Woche einen neuen Gerichtsfall am Kriminalgericht in Cleveland.

serialpodcast.org


Berühmt
Hinter den Film-Kulissen mit „Empire“

Ein absoluter Tipp für Film-Fans und -Liebhaber: Das Empire Magazine liefert wöchentlich einen Podcast mit Interviews mit berühmten und beliebten Schauspielern oder anderen Profis der Filmszene ab.
Mitte Oktober sprachen die Podcast-Showhosts so etwa mit dem Regisseur der „Herr der Ringe“-Trilogie Peter Jackson; eine Woche später war Jamie Lee Curtis zu Besuch - pünktlich zu Halloween.

soundcloud.com/empiremagazine


Persönlich
Fest und Flauschig

Mit dem Satiriker und Moderator Jan Böhmermann sowie dem Musiker Olli Schulz ist „Fest und Flauschig“ vermutlich der deutsche Podcast mit den bekanntesten Namen. Das Besondere ist, er ist exklusiv über Spotify erhältlich und ist der Nachfolger der Radiosendung „Sanft & Sorgfältig“. Inhaltlich ist der Podcast wenig zielorientiert, hat also kein klares Thema. Diskutiert wird aber neben der Aktualität auch das Privatleben der beiden, wobei jedoch Fiktion und Realität oft verschwimmen. Es gab bereits mehrere Live-Events des Podcasts. 

tinyurl.com/spotifyflauschig



Nostalgisch
Radio Nukular

2014 gestartet befasst sich „Radio Nukular“ mit Themen aus Kindheit und Jugend von Max „Rockstah“ Nachtsheim, Christian „Gürüntütü“ Gürnth und Dominik Hammes. Hierzu zählen etwa die „Ghostbusters“, Konsolen wie der Super Nintendo, Schauspieler wie Robin Williams, aber auch Folgen, in denen es um Anekdoten aus der Zeit geht. Hierbei sind etwa der Mädchen-Podcast oder Zivildienst-Podcast besonders hervorzuheben. In den letzten Jahren war „Radio Nukular“ sogar mehrmals auf Deutschlandtour.

www.radionukular.de