LUXEMBURG
COLETTE MART

Vor kurzem richteten 21 Institutionen und Nichtregierungsorganisationen einen offenen Brief an Premierminister Xavier Bettel und Parlamentspräsident Fernand Etgen, um Regierung und Parlament dazu aufzufordern, das „Centre d’Egalité de Traitement“ (CET) mit reellen Kompetenzen und genügenden Mitteln auszustatten, damit es eine aktive Rolle in der Bekämpfung der Diskriminierung spielen kann.

In der Tat sind die beim CET gemeldeten Fälle nur die Spitze des Eisbergs. Die Luxemburger Antidiskriminierungsstelle ist nämlich nicht wirklich bekannt, nicht jedes Opfer traut sich, zu einer öffentlichen Instanz zu gehen, denn viele haben Angst vor zusätzlichen Schikanen, wenn sie sich wehren. Diskriminierung ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen in unserer Gesellschaft, und es sind besonders jene Menschen, die ein Problem mit sich selber haben, die andere wegen ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer Hautfarbe oder einer Behinderung verachten.

Diskriminierung ist demnach fest in der Gesellschaft verankert, und hängt eng mit der Psyche des Menschen zusammen. Vorurteile, pauschales Denken, die Einordnung von Menschen in Sammelbegriffe, Unwissen, Borniertheit, Angst vor dem vermeintlich Fremden führen dazu, dass Menschenverachtung fast allgegenwärtig ist, sich durch alle gesellschaftlichen Schichten, durch alle Institutionen und auch durch Nichtregierungsorganisationen zieht.

Demnach findet man Phänomene des Rassismus und der Frauenfeindlichkeit in Milieus, wo man sie nicht erwartet. Rassismus versteckt sich gut, und oft hinter einer humanitären Maske. Diskriminierung findet sich oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet. In den politischen Parteien werden Frauen immer noch beiseite geschoben, auch von anderen Frauen, auch wenn es nach außen anders aussieht. Frauen werden manchmal diskriminiert, weil sie jung oder weil sie älter sind, irgendwie scheinen sie nie ins Schema zu passen.

Sogar in öffentlichen Verwaltungen, die sich Diversität auf die Fahne geschrieben haben, werden dunkelhäutige Luxemburger von ihren Kollegen nicht immer wirklich akzeptiert, und haben dadurch Probleme, in ihrer Karriere weiterzukommen.

Diskriminierung kann auch schlicht und einfach intelligente Menschen treffen, die nicht in die Leitkultur eines beruflichen Milieus passen, die nicht mit den Wölfen heulen.

Die Diskriminierung schwarzer Schüler wurde auf einem Rundtischgespräch der ASTI dokumentiert; auch erweist es sich für schwarze Lehrer als schwierig, im Unterrichtswesen Fuß zu fassen, auch wenn sie die Sprachbedingungen erfüllen. Rassismus von Kollegen oder Eltern können durchaus aufkommen, insbesondere dort, wo noch mehrheitlich Luxemburger Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Zu alldem kommt die Diskriminierung von Menschen aus sozial schwächeren Milieus hinzu. Arbeiter, Putzfrauen, Menschen mit prekären Arbeitsverträgen haben es schwierig, Respekt zu bekommen und sich im Leben zu festigen. Demnach ist Diskriminierung ein weites Feld, in dem wir besonders in der Erziehung gefordert sind, denn wir müssen Kindern und Jugendlichen andere Werte mit auf den Lebensweg geben.