ESCH/ALZETTE
SIMONE MOLITOR

Höhepunkt der „Pride Week“: LGBTI-Gemeinschaft feiert buntes Straßenfest in Esch

Regenbogenfahnen so weit das Auge reichte. Dies war das bunte Bild, das sich den Besuchern am Samstag und Sonntag in Esch/Alzette bot. Die Südmetropole stand die ganze Woche über im Zeichen der „Luxembourg Pride“, die am Montag mit einer Gedenkfeier auf der „Place de la Résistance“ offiziell eröffnet worden war und am Wochenende ihren Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss mit einem großen Straßenfest fand.

Der Startschuss fiel am Samstagnachmittag mit einer farbenfrohen Parade, die vom Brillplatz durch die Fußgängerzone bis zum Stadthaus zog. In der ersten Reihe schwangen zahlreiche Politiker lächelnd Regenbogenfähnchen. Es folgte ein erstaunlich langer Menschenzug in Begleitung von Marchingbands und natürlich den Majoretten. „Homophobie tue“, „Respectez la diversité“, „As a European citizen, you are free to love who you want“, „Nos fiertés sont à défendre, pas à vendre“ und „Diversity matters“ konnte man auf den Plakaten lesen, die die Teilnehmer in die Höhe streckten. Auffällig viele Europafahnen wurden außerdem geschwungen, und auch die „Diplomats for equality“ beteiligten sich an der Parade, die eindeutig wieder zu ihrem ursprünglichen Charakter zurückgefunden hat. Es geht längst nicht nur um den Spaßfaktor sondern darum, für die Rechte der LGBTI-Community auf die Straße zu gehen.

Starkes Zeichen

Der offizielle Teil auf der großen Bühne begann mit einer Gedenkminute zur Musik aus dem Film „Farinelli“. Familienministerin Corinne Cahen zeigte sich in ihrer anschließenden Rede „extrem berührt“, diesmal so viele Leute wie nie zuvor bei der Pride in Esch zu sehen. „Dies ist ein Tag, an dem wir auch an diejenigen zurückdenken sollten, die nicht mehr da sind, die für die Rechte von uns allen gekämpft haben, damit wir frei leben können“, sagte die Ministerin. Besonders freute sie sich auch, derart viele Botschafter bei der Parade gesehen zu haben. Dies sei ein starkes Zeichen, mit dem verdeutlicht werde, dass „wir nicht nur an uns, sondern an die Rechte von allen Menschen dieser Welt denken“. „Wir sollten diejenigen nicht vergessen, denen es nicht so gut geht, die nicht so leben können, wie sie wollen, die bestraft werden, weil sie lieben, wen sie lieben“, so Cahen.

Stolze Community

Berührend waren auch die Worte, die Premierminister Xavier Bettel als Überraschungsgast fand: „Dass ich jetzt seit zwölf Jahren mit Gautier zusammen sein kann, habe ich dem Umstand zu verdanken, dass ich in einem Land lebe, in dem ich das darf. Inzwischen ist es ganz normal geworden, hier zusammen zu feiern. Das war nicht immer so, und es gibt nach wie vor Länder, wo das nicht möglich ist, wo Menschen ins Gefängnis kommen, weil sie den lieben, den sie lieben“. Er erinnere sich noch gut an die Zeit, als die Pride, damals noch als Gaymat bekannt, im kleinen Kreis gefeiert wurde. Nun konnte das Event bereits zum 20. Mal stattfinden. „Bei der Parade sind diesmal so viele Menschen voller Stolz mitmarschiert. Und genau das ist es, was zählt: sich selbst akzeptieren und nicht versteckt leben“, meinte er. Auch er habe dies seinerzeit lernen müssen. „Homosexualität ist keine Wahl, die man trifft. Homophobie dagegen schon“, betonte der Staatsminister.

Nach diesem doch recht emotionalen offiziellen Teil, wurde die Bühne freigegeben für die Travestiekünstler, die musikalischen Gruppen und die DJs, die das Publikum mit einer bunten Show zu unterhalten wussten. An zahlreichen Ständen konnte man sich noch dazu Informationen aller Art holen. Das Programm wurde am gestrigen Sonntag - eine Neuheit - gleich am Morgen mit „Coffee & Rainbow cake“ und unter anderem Auftritten der „Fada’s Family“, den „Reebousänger“ und „Luxembourg’s next Popstar“ fortgesetzt.