NIC. DICKEN

Ungewohnt heftig klang der Aufschrei der Entrüstung, den der erst Ende April 2014 ins Leben gerufene Verband der luxemburgischen Kirchenfabriken vom Stapel gelassen hatte, nachdem Innenminister Dan Kersch am Freitag nähere Details zur geplanten Abschaffung der lokalen Kirchenfabriken und zur angekündigten Überführung von deren Vermögen in einen nationalen, vom Bistum verwalteten und beaufsichtigten Fonds bekannt gegeben hatte.

Da ging von „Frechheit“ und sogar „Sauerei“ seitens des Innenministers die Rede, da wurden Sorgen um Respekt der Demokratie und Wahrung der kommunalen Autonomie geäußert, die in der Vergangenheit, genau wie der denn doch etwas derbe Sprachgebrauch, nicht unbedingt zu den vorrangigen Anliegen und Umgangsformen der katholischen Kirche gehörten.

Mit Begriffen wie Demokratie und kommunale Autonomie sollte aber vielleicht gerade eine Vereinigung wie das Syfel, ganz abgesehen einmal von ungewohnt derben Formulierungen, doch eher behutsam umgehen. Immerhin können sich die Vertreter der 285 luxemburgischen Kirchenfabriken nicht auf einen durch öffentliche Wahlen legitimierten demokratischen Vertretungsanspruch berufen. Sie sind daher schlecht gestellt, Stimme und Einfluss in einer demokratischen Auseinandersetzung einzufordern, die die Politik üblicherweise dem Erzbistum als legitimem und respektiertem Gesprächspartner zugesteht. Und wem offenbar so stark an der kommunalen Autonomie gelegen ist, muss sich doch die Frage gefallen lassen, warum das über Jahrhunderte währende Diktat einer obligatorischen Finanzierung der Kirchen durch die Gemeindekasse nie jemanden aus diesen Kreisen gestört hat.

In kirchlichen und kirchennahen Kreisen sollte man sich endlich bewusst werden, dass der massive Schwund der regelmäßigen Kirchenbesucher nicht so sehr auf die Agitation von „Pafefrësser“ zurückzuführen ist, sondern vielmehr auf die sture Weigerung der Institution Kirche, sich mit den Alltagsproblemen der Menschen unserer Zeit auseinanderzusetzen, deren aktuelle Anliegen zu verstehen und ihnen jene geistigen Freiräume zuzugestehen, die einer modernen Theologie und Religionspraxis entsprechen würden, wie es nur eine Minderheit von aufgeklärten Geistlichen tut, oft genug gegen interne Widerstände von Ewiggestrigen. Das wesentliche Anliegen der - leider - meisten Kirchenfabriken, die das Syfel zu ihrem Sprachrohr erkoren haben, ist denn auch weniger die Pflege und Ausbreitung des christlichen Glaubens als vielmehr die Wahrung der kirchlichen Besitzstände.

Dabei mahnte schon vor 2.000 Jahren der Evangelist Matthäus: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!“ Und noch ein Bibelzitat, das von Jesus Christus selbst stammen soll, zu diesem Thema: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“. Womit der Begründer der katholischen Kirche vor 2.000 Jahren höchstselbst einen klaren Strich zwischen Kirche und Politik gezogen hat.

Die Kirche steht im Dorf. Dort soll sie das Syfel auch lassen.