LUXEMBURG
LJ MIT DAPD

Pferdefleisch-Skandal: Briten fordern rasche Einführung von schärferen Kontrollen

Im Pferdefleisch-Skandal fordert die EU-Kommission von den Mitgliedstaaten ein koordiniertes Vorgehen zur Kontrolle von Produkten, die laut Kennzeichnung Rindfleisch enthalten sollen. Außerdem sollen die Länder in Pferdefleisch verarbeitenden Betrieben verschärfte Kontrollen auf Spuren der verbotenen Substanz Phenylbutazon durchführen. Bis zum 15. April will die Kommission Ergebnisse sehen, sagte Gesundheits- und Verbraucherkommissar Tonio Borg gestern Abend in Brüssel nach einer Dringlichkeitssitzung mit europäischen Gesundheits- und Agrarministern. Briten und Franzosen hatten sich für das Krisen-Meeting eingesetzt.

Großbritannien will das durch den Pferdefleisch-Skandal erschütterte Verbrauchervertrauen mit Gentests zurückzugewinnen. „Ich möchte so schnell wie möglich DNA-Tests bei der Fleischverarbeitung und von fertigen Produkten“, sagte der britische Landwirtschaftsminister Owen Paterson gestern bei dem Dringlichkeitstreffen. Der Skandal betreffe alle Länder „und wir brauchen eine schnelle Lösung, um das Vertrauen zurückzugewinnen“.

Die DNA-Tests müssten rasch in allen Ländern eingeführt werden - schließlich habe ein Gentest in Irland den Schwindel ans Licht gebracht, sagte Paterson. Sein irischer Kollege Simon Coveney ergänzte, die technischen Möglichkeiten für die Tests seien inzwischen gegeben.

Auch Deutschland betroffen

Aufgerüttelt durch den Skandal verlangen die Briten nun auch eine Herkunftsbezeichnung für verarbeitete Fleischprodukte. Die Mitgliedsstaaten müssten sich dazu durchringen, sagte der Minister. Von der Kennzeichnungspflicht sind verarbeitete Produkte bislang ausgenommen. Das Pferdefleisch ist aber in solchen Waren nachgewiesen worden, etwa in Lasagne. Paterson bekräftigte den Verdacht, dass eine internationale Verschwörung hinter dem Skandal stecke. Tonio Borg bekräftigte, dass die Europäische Kommission die betroffenen EU-Staaten bei der Suche nach Ursachen und Verursachern des Skandals umfassend unterstützt. „Das System der Lebensmittelsicherheit in der EU gehört zu den sichersten der Welt. Dank dieses Systems und seiner Möglichkeit, Produkte vollständig zurückzuverfolgen, sind die nationalen Behörden in der Lage, die Ursachen dieses Problems aufzudecken“, sagte Borg, der wiederholt unterstrich, dass die bisherigen Erkenntnisse im Skandal nicht auf eine Gesundheitsgefährdung schließen lassen. Die Affäre hat sich inzwischen auch auf Deutschland ausgeweitet. Über einen Zwischenhändler in Luxemburg sind „in größerem Umfang“ Produkte in die Bundesrepublik geliefert worden, die im Verdacht stehen, als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch stehen zu enthalten.

Das teilte das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium am gestrigen Mittwoch mit. Auch aus dem deutschen Verbraucherministerium hieß es, dass möglicherweise Lasagne mit Pferdefleisch nach Nordrhein-Westfalen geliefert worden sei. Wie Spiegel-Online gestern Abend meldete, sollen die Unternehmen Real, Tengelmann, Edeka, Eismann, Markant und Rewe Dortmund, von Comigel beziehungsweise deren Luxemburger Tochter Tavola beliefert worden sein.