LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Prozess-Auftakt gegen eine mutmaßliche Einbrecherbande

Vor der Kriminalkammer am Bezirksgericht Luxemburg begann am gestrigen Dienstag der Prozess gegen sechs Männer wegen bandenmäßigen Einbruchdiebstahls.

Den mutmaßlichen Einbrechern werden rund 88 Einbrüche in ganz Luxemburg zur Last gelegt, zwischen Juli 2014 und Ende 2017. Betroffen waren Einfamilienhäuser, Wohnungen, Reisegesellschaften, Hotels, Restaurants, Bäckereien, Metzgereien und andere Geschäfte. Die Bande, die sich aus mindestens drei Portugiesen und drei Albanern zusammensetzt, hatte es nach Angaben der Staatsanwaltschaft vorwiegend auf Schmuck und Bargeld abgesehen. Der Gesamtschaden liege bei gut 169.872,40 Euro plus 2.000 Dollar.

Aktenkundig

Bei den ermittelten Männern, die zwischen 29 und 62 Jahren alt sind, handelt es sich um Personen, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und in der Schweiz, Kosovo und in Frankreich im Gefängnis saßen. Als Kopf der Bande gilt ein jetzt 55 Jahre alter Portugiese, der in Luxemburg/Neudorf wohnt. Der Mann ist am Dienstagmorgen nicht zur Hauptverhandlung erschienen. Dem Gericht wurde ein ärztliches Attest übermittelt - stressbedingt sei er verhandlungsunfähig.

Den Festnahmen waren monatelange Ermittlungen der Kripo Luxemburg vorangegangen. In Zusammenarbeit mit Europol und Interpol wurden die Ermittlungen koordiniert. In zwei sogenannten Strukturermittlungen wurden Telefonate abgehört, Personen observiert, Funkzellendaten ausgewertet und Aktenberge angelegt.

Die Taten selbst seien in der Regel von drei, vier oder fünf Tätern begangen worden. Eine Person habe im Auto gewartet, den Tatort gesichert und den anderen Tätern Anweisungen erteilt. Die Taten seien nicht willkürlich, sondern gezielt ausgeführt worden, sagte ein Ermittler.

Möglicherweise hatte gerade die Sorglosigkeit bei den Taten die Angeklagten überführt. In den meisten Fällen fand die Kriminalpolizei DNA-Spuren, in 83 Fällen von dem mutmaßlichen Kopf der Bande. Am 1. November 2017 wurde die Bande in Luxemburg/Stadt festgenommen, nachdem sie in eine Bäckerei, ein Lokal und ein Reisebüro in Ettelbrück eingestiegen waren, hier hatten sie einen 250 Kilogramm schweren Safe mitgehen lassen.

Tresor entwendet mit Bargeld und Schmuck

Im Mittelpunkt der Anklage steht jedoch der dreiste Einbruch in ein Hotel. Am 2. März 2014 hatten es die Einbrecher auf ein Hotel am Luxemburger Bahnhof abgesehen. Dort leerten sie zuerst die Hotelkassen und die Kassen des Restaurant: 17.780 Euro und 8.000 Euro waren die Beute. Dann wagten sie sich an einen Tresor. Weil ein Ehepaar Angst hatte, Geld und Schmuck könnten aus ihrem Zimmer im Hotel gestohlen werden, gaben sie 15.000 Euro und 2.000 US-Dollar sowie eine Schatulle mit Goldschmuck im bezifferten Wert von etwa 5.000 Euro in die Obhut des Hotels. Alles wurde sorgfältig im Safe an der Rezeption verstaut. Dann kam das böse Erwachen: Den Safe haben die Einbrecher einfach mitgehen lassen.

Fette Beute machten die Diebe auch bei einem Einbruch am 6. April 2014. In der Nacht stiegen sie in ein Haus ein, mit Handtaschen im Wert von mehreren Tausend Euro, Kreditkarten und Portemonnaies konnten die Einbrecher flüchten.

Vier Sitzungen sind für den Prozess vorgesehen - der Prozess wird heute fortgesetzt.