LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

City Concorde-Prozess: Angeklagter zu 22 Jahren Haft verurteilt

Im Prozess um den Raubmord vom 24. Juni 1997, bei dem ein Geldbote der Geldtransportfirma Brinks-Ziegler im Einkaufszentrum City Concorde in Bartringen ums Leben kam, hat die Kriminalkammer Luxemburg (13. Strafkammer) am Dienstag den 64-jährigen Ex-Legionär Joël C. zu 22 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. C. wurde weiter zu 62.500 Euro Schadenersatz verurteilt.

Sein Verteidiger Philippe Penning hatte den Mordvorwurf als nicht nachgewiesen angesehen und einen Freispruch gefordert. Während des ganzen Prozesses hatte der Angeklagte, der seit 2015 in Luxemburg in Untersuchungshaft sitzt, eine Tatbeteiligung am Raub abgestritten. Dass Joël C. am 24. Juni 1997 am Tatort war und einer der mutmaßlichen Täter ist, stand für Staatsanwaltschaft und Gericht nach einem positiven DNA-Treffer außer Frage. Blieb die Frage, ob der Mann mit der Perücke auch auf den Geldboten geschossen hatte.

Es ist der 24. Juni 1997, kurz nach 17.00. Ein Geldtransporter der Sicherheitsfirma Brinks hält auf dem Kundenparkplatz der Cité Concorde. Ein Geldbote steigt vom Beifahrersitz aus dem Transporter. Der 35 Jahre alte Wachmann Yvan Lecomte erscheint mit einem kleinen Koffer, die rechte Hand an der Pistole. Die Zwei-Mann-Besatzung holt die Einnahmen aus dem Supermarkt im Einkaufszentrum City Concorde in Bartringen ab. Auf ihrem Rückweg durch die Passage im Einkaufszentrum wird der Geldbote Lecomte plötzlich von zwei Männern angerempelt. Ein Schlag mit einem Pistolenknauf auf den Kopf lässt ihn zu Boden gehen, der Geldkoffer fällt. Die zwei Angreifer flüchten mit dem Koffer, der zu diesem Zeitpunkt 2.057.915 Millionen Franken, umgerechnet 51.014 Euro enthält.

Dem Geldboten wird darüber hinaus seine Dienstwaffe, ein Smith&Wesson Revolver, Kaliber 38, entwendet. Doch der Geldbote will den Räubern das Geld nicht kampflos überlassen. Er verfolgt die zwei Täter bis nach draußen, die auf dem Supermarktplatz in einen Renault 21 steigen, in dem ein Komplize fluchtbereit wartet. Dem Wachmann gelingt es noch, die hintere Tür des Wagens aufzureißen, als ein Schuss fällt und ihn trifft. Der Fahrer des Wagens drückt aufs Gas. Dann fällt ein zweiter Schuss, die Kugel geht durch die Heckscheibe und trifft den Geldboten erneut. Der Geldbote trägt an diesem Tag, entgegen der Vorschrift, keine kugelsichere Weste. Die Täter rasen weiter über den Parkplatz, erfassen einen Einkaufswagen und verfehlen nur haarscharf ein Kind. Einen Tag später werden in Belgien, abseits der Autobahn E 411 und unweit von Houyet, Waffen sowie Teile der zurückgelassenen Maskierung gefunden: Kleider, Perücken, Handschuhe.

Doch eine wirklich heiße Spur blieb über 14 Jahre aus. Als die EU 2008 beschloss, den automatisierten Abgleich von DNA-Profilen zwischen allen 27 EU-Staaten zu ermöglichen, kam Licht ins Dunkel. Drei Jahre später konnte die Luxemburger Kripo die DNA eines Täters durch die DNA-Schengen-Datenbank entschlüsseln. Auf einem Pullover, T-Shirt und einer Jeans hatte der Täter seinen genetischen Fingerabdruck hinterlassen, der bereits in der zentralen DNA-Datenbank registriert war. Ob der Treffer tatsächlich als relevanter Ermittlungsansatz angesehen werden konnte, entschied nach einer weiteren Ergebnisüberprüfung die für die Untersuchung des Luxemburger Staatslaboratoriums zuständige Genetikerin Dr. Elisabet Petkowsky. Der Genetikerin gelang es, hauptsächlich von der Jeans und dem Pullover eine DNA-Spur zu identifizieren. Die DNA reichte für ein sicheres Profil und führte die Ermittler nach Frankreich zu dem tatverdächtigen und vorbestraften Joël C., der zu diesem Zeitpunkt in Frankreich im Gefängnis sitzt. Bis das Gericht den Fall öffentlich aufarbeiten konnte, dauerte es allerdings noch sieben Jahre.

Während des Gerichtsprozesses zeigte C. keine Anzeichen von Nervosität. Im Prozess kam zum Vorschein, dass der Mann als Serientäter gilt und dass er bereits mehrere Überfälle begangen hat, bevor er nach Luxemburg kam. „Post- und Bankfilialen zu überfallen, ist mein Job, doch machen mir die Überfälle keine Freude. Aber ich muss ja leben“, sagte er vor Gericht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.