LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert drei Monate Haft für 42-jährigen Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft Luxemburg wirft einem 35-jährigen Franzosen Dokumentendiebstahl und unlauteren Wettbewerb vor. Eine 42-jährige Mitarbeiterin ist zusätzlich wegen einer Falschaussage angeklagt. Beide standen nun vor Gericht.

Ein Arbeitnehmer, der im Bereich persönlicher Kundenbetreuung aktiv war, hatte von heute auf morgen die Arbeitsbeziehung in seiner Firma beendet. Der Mann soll Zugriff auf alle wichtigen Kundendaten gehabt haben, die er laut Staatsanwaltschaft am letzten Arbeitstag aus dem Panzerschrank der Firma nahm und eingesteckte. Es soll sich um siebzehn Dokumente handeln. Die Daten nutzte er, indem er die Kunden des ehemaligen Arbeitgebers kontaktierte, um diese zu dem neuen Unternehmen zu locken.

Mit den Arbeitsbedingungen in seiner Ex-Firma wäre er schon lange nicht mehr einverstanden, „die haben mich für einen Idioten gehalten. Doch das gehört mit dazu, ich war wohl zu naiv“, sagte der Angeklagte jetzt vor Gericht. Er bestritt die Anklage und beteuerte: „Ich hatte keine Ahnung, dass ich ein Dieb bin.“

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam

Der Fall liegt fünf Jahre zurück. Am 26. Juni 2013 war er von der Polizei in Luxemburg vernommen worden. Eine Woche später interessierte sich die Polizei in Metz für den Fall. In seinem Mercedes fanden die Polizisten zwei USB-Sticks mit abgespeicherten Dokumenten. Eine Hausdurchsuchung ergab allerdings nichts Verdächtiges.

Der Arbeitnehmer wollte laut Staatsanwaltschaft entweder selbst ein Konkurrenzunternehmen gründen oder eine Tätigkeit bei einem Konkurrenten aufnehmen. Laut Arbeitsvertrag durfte der Angestellte bei Selbstkündigung aber ein Jahr nach Beendigung des Dienstverhältnisses seinem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen.

Verteidigung: Es waren die eigenen Dokumente

Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft dem Arbeitnehmer vor, bis zur Grenze des Erlaubten die Kontakte des ehemaligen Arbeitgebers genutzt zu haben. Beachtlich war zuletzt auch die Art und Weise der Kontaktaufnahme zu einem Direktor einer Konkurrenzfirma. Diesen soll er mit seiner Mitarbeiterin heimlich getroffen haben. Während des Treffens soll der Angeklagte falsche Angaben gegenüber dem Direktor gemacht haben. Das geschäftliche Schreiben soll die Mitarbeiterin mit einer Falschaussage beglaubigt haben. Um dem Mitarbeiter einen Gefallen zu tun, soll I. als Zeugin nicht in allen Punkten die Wahrheit gesagt haben. Laut Staatsanwaltschaft soll jedoch die Lüge durch weitere Beweisumstände aufgeflogen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen falscher uneidlicher Aussage. Die Angeklagte blieb jedoch bei ihrer Aussage und bestritt die Falschaussage.

Laut Verteidiger habe sein Mandant nur seine eigenen Dokumente mitgenommen. Von einem Diebstahl könne also keine Rede sein und die Verteidigung beantragte Freispruch. Auch I. hätte nichts anderes als die Wahrheit gesagt. Auch hier beantragte der Verteidiger Freispruch.

Der Anklagevertreter sah die Vorwürfe nach der Beweisaufnahme als erwiesen an und forderte für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von drei Monaten plus Geldstrafe. Für die angeklagte Frau forderte der Verteidiger eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten und eine Geldstrafe.

Das Urteil wird am 28. Juni 2018 gesprochen.