Entweder seien sie die unkreativsten Menschen des gesamten Universums oder sie hätten einen absurden Selbstanspruch. Julian Stetter des Kölner Electropop-Duos „Vimes“ kann sich ein leichtes Lachen nicht verkneifen, als er den Satz beendet hat. Stetter und sein Bandkumpel Azhar Syed müssen sich nicht in Ausreden flüchten, wenn man sie darauf anspricht, wieso sie noch immer keinen Longplayer auf den Markt gebracht haben. Kreativ sind sie allemal: Das Duo veröffentlicht regelmäßig unregelmäßig Singles und Remix-EPs, Julian Stetter ist darüber hinaus ein gern gesehener Remixer in der Kölner Szene. Remixarbeiten findet Stetter u.a. wegen des Arbeitsprozesses spannend: „Ich bekomme dadurch viele Ideen, die ich sonst nicht bekommen würde“.
Die beiden Musiker, die sich 2008 über den Weg gelaufen sind, als sie als Praktikanten für das Musikmagazin „Intro“ gejobbt haben, würden gerne ein Album veröffentlichen. Allerdings, so Stetter, hätten er und Syed nie ein Umfeld, bzw. ein Plattenlabel gehabt, das Druck auf sie ausgeübt habe nach dem Motto : „Ihr müsst jetzt endlich ein Album aufnehmen.“ Zurzeit befinden sich die kreativen Köpfe des Projektes im Studio und feilen an neuen Kompositionen. Welches neues „Vimes“-Material demnächst in den Regalen der Plattenhändler und Downloadshops stehen wird, darauf wollen sich die Musiker nicht festlegen. Mehrere Tracks sind fertig, Stetter und Syed sind jedoch unschlüssig, wie sie mit dem Material umgehen sollen, bzw. in welcher Form es veröffentlicht werden soll.
Eintauchen in die Technoszene
Während Azhar Syed sich eher für Songwriting-orientierte Musik interessiert und nicht so sehr in der elektronische Musik involviert ist, ist Julian Stetter in der elektronischen Szene aktiv, seitdem er in der Domstadt lebt . Vor seinem Umzug nach Köln sei er eher ein Gitarrenmusikmensch gewesen, erklärt Stetter. In seiner süddeutschen Heimat hatte er bereits erste Kontakte mit den Mitgliedern von Coma geknüpft, ein Musikprojekt, das beim Kölner Label Kompakt unter Vertrag steht. Die Coma-Mitglieder wurden zu guten Freunden und bildeten den ersten sozialen Anknüpfungspunkt für den Zugereisten in der Rheinmetropole.
Da in Stetters damaligen neuen Umfeld Techno eine wichtige Rolle spielte, fing er an, sich intensiver mit der elektronischen Musik zu befassen. Anfangs begnügte er sich damit, Gitarrensounds zu Technoproduktionen seiner Kumpels beizusteuern, irgendwann aber reichte ihm aber seine Gitarrenbeiträge nicht mehr und er fing selber an mit elektronischen Sounds zu arbeiten. Im „Vimes“-Anfangsstadium sind die beiden Musiker auf der Dancefloor-Welle geritten. Das „Dancefloording“ habe aber nicht richtig funktioniert. Sie hätten gemerkt, dass es sich irgendwie hingebogen angefühlt habe, fügt der Wahlkölner hinzu.
Das Duo hat sich mittlerweile in der Electropop-Sparte etabliert, Stetter distanziert sich aber keineswegs von der Dancefloor-Vergangenheit des Duos. Unter dem neuen Material befänden sich auch viele Clubtracks, unterstreicht Stetter, der keinen Hehl daraus macht, dass sie nach wie vor vom Technoumfeld beeinflusst werden.
Auf Vorbilder möchte sich Julian Stetter nicht festlegen; er und Azhar Syed würden zu einigen Acts aufschauen. Für seine eigene musikalische Identität sei die Band „The Notwist“ sehr relevant gewesen, erklärt Julian Stetter.



