PASCAL STEINWACHS

Wer sich über die Weihnachtstage durch das Fernsehprogramm gezappt hat, der dürfte mit Sicherheit irgendwann auch über den Klassiker „Kevin – Allein in New York“ gestolpert sein, in dem - unverkennbar schon damals die unmögliche Frisur und die rote Krawatte - auch Donald Trump einen kurzen Auftritt hatte. Nicht etwa weil er so gut schauspielert, sondern weil er der Besitzer des Gebäudes war, in dem einige Szenen des Films gedreht wurden, was sich der gerissene und eitle Geschäftsmann natürlich vergüten ließ. „Der Deal war, dass er eine Rolle bekam, wenn man in einem seiner Gebäude drehen wollte“, wie der Schauspieler Matt Damon im vergangenen Jahr in einem Interview verriet, was auch erklärt, dass Trump so häufig auf der Leinwand zu sehen war - anscheinend unter anderem auch in „Die Nanny“, „Der Prinz von Bel-Air“ oder „Sex and the City“.

An „Kevin - Allein zu Haus“ musste man dieser Tage aber auch denken, wenn man sich die einsamen Bilder aus dem Weißen Haus ansah, in denen Trump - statt wie sonst die Feiertage in seinem Club in Florida zu verbringen - an Heiligabend mutterseelenallein an seinem riesigen Präsidentenschreibtisch zu sehen ist, was er dann auch direkt in einem Tweet festhielt: „I am all alone (poor me) in the White House (...)“. Er warte darauf, dass die Demokraten zurückkämen und einem Deal zur Grenzsicherung zustimmten. Mit diesen, die bei den Kongresswahlen im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernahmen, führt der republikanische Präsident nämlich gerade einen erbitterten Streit über den Haushalt und eine Grenzmauer zu Mexiko, wegen dem nun schon seit einigen Tagen die Regierungsgeschäfte teilweise stillstehen, und hunderttausende Regierungsmitarbeiter zum Zwangsurlaub gezwungen werden oder aber ohne Gehalt arbeiten müssen. Begleitet wird der „Shutdown“ zu allem Übel von deutlichen Kursverlusten an der Börse, derweil Trump auch noch mit den negativen Reaktionen auf seine Ankündigung zum Truppenabzug aus Syrien - in deren Folge unter anderem Verteidigungsminister Mattis seinen Rückzug aus der Regierung verkündete - und möglicherweise auch aus Afghanistan zu kämpfen hat.

Angesichts all dieser innenpolitischen Turbulenzen tut es nicht wundern, dass Trump nun sogar am zweiten Weihnachtstag das tat, wovor er sich zuvor immer gescheut hatte, nämlich den US-Kampftruppen im Ausland - in diesem Fall im Irak, und zusammen mit der First Lady - einen Besuch abzustatten, dies in der Hoffnung, dass die entsprechenden Bilder mit, wegen dem unerwarteten Blitzbesuch des Potus, glücklich lächelnden US-Soldaten vom Ärger in der Heimat ablenken würden. Was natürlich nicht funktionierte, lösen sich die Probleme doch nicht in Luft auf, nur weil einer ein paar Stunden außer Landes verbringt. Gerade erst zu Hause gelandet - zuvor hatte er noch einen Zwischenstopp in Rammstein eingelegt, wo noch mehr glückliche Soldaten auf ihn warteten -, war Trump dann auch schon wieder auf Krawall gebürstet, indem er auf Twitter direkt wieder zum Angriff auf die verhassten Demokraten blies. Das dürfte ihm in den nächsten Wochen auch nicht helfen...