MONT ST. MICHEL
HELMUT WYRWICH

CEO Geoffroy Bazin geht nach nur zwei Jahren und einem Monat - Béatrice Belorgey übernimmt

Geoffroy Bazin hat die BGL verlassen. Überraschend. Nach zwei Jahren und einem Monat ist der 57Jährige CEO, der die Bank über einen langen Zeitraum prägen sollte, wieder weg. Der Übergang lief reibungslos. Der Verwaltungsrat präsentierte in dem Augenblick, in dem er den Rücktritt entgegennahm und annahm, auch gleich die Nachfolgerin. Béatrice Belorgey heißt jetzt die Vorstandsvorsitzende der BGL BNP Paribas. Luxemburg hat mit ihr nun eine zweite Bankchefin.
Bazin habe überraschend seinen Rücktritt angekündigt, heißt es. daran mag man zweifeln. In der Regel steht eben nicht der Nachfolger schon bereit, um unmittelbar den Schreibtisch-Stuhl zu besetzen, der noch warm ist vom Vorgänger. Geoffroy Bazin kennt Luxemburg. Er hat nach der Übernahme und Rettung der BGL durch die BNP Paribas nach der Fortis-Pleite den Bereich der Wertpapierverwaltung (BNP Paribas Security Services/BNP2SS) übernommen, ihn verwaltet und ihn erheblich ausgebaut. Er gehörte damit zu dem Stab der BNP Paribas, der die BGL übernahm und prägte, bevor er weitere sieben Jahre nach Paris und in die Schweiz ging.

Vorbereitet auf  eine lange Wegstrecke

Geoffroy Bazin war nach dem Studium an der Finanz-Universität Paris Dauphine zur BNP Paribas gegangen. Er war ein Eigengewächs des Finanzkonzerns. Seine Rückkehr nach Luxemburg schien folgerichtig. Er kannte den Finanzplatz und seine Eigenheiten. Obwohl: Leicht war es nicht, Carlo Thill zu folgen. Der hatte der BGL immerhin 13 Jahre lang, zunächst im Fortis-Reich, dann im Reich der Pariser Finanzelite den luxemburgischen Charakter bewahrt und sie durch den Sturm der Fortis-Pleite gesteuert. Immerhin hatte die BNP Paribas der Versuchung widerstanden, ein rein Pariser Finanzgewächs nach Luxemburg zu schicken, das von der heimischen Finanzwelt keine Ahnung hatte.
Geoffroy Bazin hatte sich offensichtlich darauf vorbereitet, eine lange Wegstrecke mit der BGL zu gehen. Er hatte alle Filialen besucht, sich mit allen Abteilungen der Bank unterhalten, war tief in das Wesen der Bank eingedrungen. Und dann: Der Abschied. Er habe sich entschieden, nun etwas Anderes zu machen, zu neuen Ufern aufzubrechen, heißt es in der Mitteilung der Bank. Das sind die üblichen Floskeln, hinter denen sich etwas verbirgt, was niemand erzählen will. Versuche, weitere Auskünfte von der Bank zu erhalten, waren vergeblich. Versuche, in Paris Auskünfte zu erhalten und ein wenig mehr über seine Nachfolgerin zu erfahren, blieben ebenso fruchtlos.
Béatrice Belorgey, Mutter von drei erwachsenen Kindern, hat ihre Karriere ebenfalls in der BNP Paribas gemacht. Die Finanzanalystin mit einem Diplom der Hochschule für politische Wissenschaften hat ihre Karriere, wie Bazin, nach dem Studium bei der Pariser Bank begonnen. Sie war Kredit-Analystin in der Schalterbank in Frankreich. Nur drei Jahre später wechselt sie in den Unternehmensbereich des Finanzinstitutes. Im Bereich des „Corporate and Investment“ arbeitet sie für den Anleihesektor, später für die Unternehmensfinanzierung. Vor 20 Jahren macht sie ihre erste Bekanntschaft mit Luxemburg.

Fünf Jahre in Luxemburg

Sie wechselt in die Vermögensverwaltung, kümmert sich um Finanzprodukte der Privatbank in Luxemburg. Nach dem Schlenker in Luxemburg, der gut fünf Jahre dauert, wird sie verantwortlich für die interne Finanzinformation der Gruppe, übernimmt dann den Bereich der Kontakte mit Investoren zusätzlich. Die Privatbank Frankreich verantwortet sie seit sieben Jahren.
Die Rückkehr nach Luxemburg als Vorstandsvorsitzende einer Bank mit 3.700 Mitarbeitern, die nach Lothringen und nach Rheinland-Pfalz ausstrahlt, erscheint in ihrer Finanzkarriere als der nächste logische Schritt. Sie ist seit Mittwoch dieser Woche gleichzeitig Mitglied des Verwaltungsrates der Bank und die Landeschefin für alle Aktivitäten der Finanzgruppe in Luxemburg. Große Schwierigkeiten wird sie in den internationalen Bankenzentrum Luxemburgs wohl kaum haben nach ihrer Arbeit in der Spitze des Pariser Finanzkonzerns, zumal sie bereits Erfahrungen mit Luxemburg hat. Ein Problem wird sie gleichwohl haben: Innerhalb von zwei Jahren gleich zweimal den Chef zu wechseln, nach einer sehr langen Phase der Stabilität, das steckt auch ein so großes Schiff wie BGL nicht so leicht weg. •