ANNETTE DSUCHINGER

Acht Märchen und die - ja was? Wahrheit? Realität? Da hat der Arbeitgeberverband UEL nun zu einer Kommunikation gefunden, die in acht Punkten klar und verständlich ihre Sicht der Dinge vermittelt. Ohne Polemik und mit einfachen und höflichen Worten. Denn ohne Weiteres hätte man anstelle von „Die nationale Debatte ist nach wie vor durch eine Reihe von Aussagen getrübt, die objektiv falsch sind, aber Zweifel säen und uns weismachen, man könne unbequeme Wahrheiten ignorieren“ auch von den acht Lügen der Gewerkschaften schreiben können. Noch immer geht man mit Samthandschuhen mit den Gewerkschaften um. Den Märchenonkel erschießen? Da schafft man sich keine Freunde.

Bisher hat die öffentliche Debatte derjenige bestimmt, der oft und laut genug immer dieselbe Leier anstimmt - könnte man meinen. Dem Arsenal, das die Gewerkschaftsseite an Plattformen für ihre Botschaften aufbieten kann steht aber ein gerade so großes Arsenal auf der Arbeitgeberseite gegenüber. Wenn der OGBL sich nicht zu Wort meldet, ist es garantiert der LCGB, die CGFP oder die Arbeitnehmerkammer, die im Wochenrhythmus Mitteilungen mit immer denselben märchenhaften Inhalten versenden. Dem halten Industriellenverband, Handwerksverband, diverse Berufskammern, et cetera mit ihren Plattformen entgegen.

Warum die UEL dennoch den durchaus berechtigten Eindruck hat, dass die „objektiv falschen Aussagen“ die nationale Debatte trüben, liegt dann wohl eher daran, dass sie die schönere Geschichte erzählen. Eine, die man lieber glauben will. Die Geschichte vom immerwährenden Schlaraffenland, in dem einem durch die automatisch wachsende Konjunktur immer mehr gebratene Tauben in den offenen Mund fliegen. Was ist dagegen die Geschichte der UEL? Wir sollen rechtzeitig die Augen öffnen, unbequeme Wahrheiten erkennen, die uns unausweichlich einholen werden, uns den Herausforderungen stellen, die notwendigen Entscheidungen treffen und die Probleme lösen. Au weia!

Genau wie wir lieber die Geschichte glauben wollen, dass LuxLeaks eine einzige Verschwörung gegen Luxemburg und Juncker ist. Wer hört schon gerne, dass er zu den Schmuddelkindern gehört? Wer befasst sich schon gerne mit der Frage, ob er sein Wohlstandsniveau herunterschrauben möchte, um sein Geld in Zukunft nicht mehr mit Nischen auf Kosten anderer zu verdienen? Die Frage nach unserem derzeitigen und dem zukünftigen Geschäftsmodell berührt uns so peinlich, dass sie in der nationalen Debatte bislang lieber nicht gestellt wurde. Die CSV leistete diese Woche einen Beitrag dazu und erzählte das neunte Märchen. Was vor zehn bis 15 Jahren noch ging, gehe heute nicht mehr, und auch wenn die CSV in der Vergangenheit die Nischenpolitik mit gefördert habe, müsste Luxemburg jetzt weg vom Briefkasten-Image, forderte Laurent Mosar. Die Betriebssteuer müsste direkt auf 15 Prozent gesenkt werden, um mehr Betriebe mit Substanz ins Land zu bekommen. So einfach geht das: Weniger Steuereinnahmen mit weniger Steuereinnahmen kompensieren - Ende gut, alles gut.