LUXEMBURG
INGO ZWANK

Erste Tram-Bilanz vorgelegt - 2020 geht es von der Luxexpo bis zum Bahnhof

Es war im September 2017, als die Luxemburger erstmals einen Blick hinter die Kulissen der neuen Tram werfen konnten. Die Besucher konnten die Straßenbahn genau unter die Lupe nehmen - und sogar an Bord auf einer kurzen Strecke mitfahren. Seit dem 10. Dezember 2017 fährt die Tram mit großem Erfolg entlang der John F. Kennedy Avenue. Die Arbeiten zur Verlängerung der Strecke zum Place de l’Etoile schreiten zügig voran, wie André Von der Marck, Generaldirektor der Betreibergesellschaft Luxtram, ausführte.

Großer politischer Bahnhof

Gestern nun wieder - passend zum Thema - großer politischer Bahnhof im „Neien Tramsschapp“. Minister Bausch, Staatssekretär Gira, Hauptstadtbürgermeisterin Polfer und Hauptstadtschöffe Goldschmidt hatten zur gemeinsamen Pressekonferenz mit Von der Marck ein - um eine erste sehr erfolgreiche „Tram-Bilanz“ und die weiteren Bauabschnitte vorzustellen.

„Was die anstehenden Baustellen anbelangt, so wollten wir erst dann kommunizieren, wenn wirklich alles klar ist“, führte Minister Bausch in die Konferenz ein. Und verwies sofort darauf, dass alle Beteiligten inklusive UNESCO für eine möglichst breite Kommunikation bereit wären. So folgte schnell ein Präsentationsvideo, wie die Avenue de la Liberté aussehen soll, wenn „alles, wie vorgesehen, auch gestimmt wird“, sagte Bausch - und lieferte gleich Erfolgszahlen hinterher. „8.400 Nutzer pro Tag haben wir uns erwartet, die die Tram nutzen. Wir sind bei 17.000 angekommen“, sagte Bausch stolz.

Seit ein paar Tagen sei Luxtram dabei, die Bäume in der Scheffer-Allee entsprechend wieder zu ersetzen. Hier sei auch der Schobermesse Rechnung getragen worden. In der Scheffer-Allee werden dann nämlich nur eingleisig gefahren, ein Gleis könne dann mit Ständen zugestellt werden. Auf dem „Stäreplaz“ soll teils an sechs Tagen mit Nachtschichten gearbeitet werden, damit man entsprechend im Zeitplan bleibt, wie Bausch ausführte.

Wenn die Tram näher kommt

Hauptstadtbürgermeisterin Polfer ihrerseits erläuterte die Phase, wo die Tram „näher an die Stadt kommt. Dann kommt die Tram ins Herz der Stadt.“ Man profitiere hier davon, neben den Schienenarbeiten auch die Infrastrukturen „Fassade zu Fassade“ zu erneuern. „Das ist der Bereich Sternen-Platz bis Pariser-Platz“, sagte Polfer zu der zwei Kilometer langen Strecke, „mit der schönste Bereich der Stadt“ - aber ohne Oberleitungen, „was eine Voraussetzung von uns war“, damit das Stadtbild nicht unnötig verschandelt werde. „Ich hoffe, dass wir ganz schnell ausschreiben können“, sagte Polfer.

Von der Marck sprach von vier Abschnitte: „Avenue Reuter, Hamilius, Pont Adolphe und Avenue de la Liberté.“ So werde unter anderem in der Avenue Reuter die Tram zentral positioniert, der Bürgersteig auf eine Breite von 2,40 bis drei Metern festgelegt. Im Bereich Hamilius sollen die Arbeiten im Dezember 2018 beginnen. Was den Bereich Pont Adolphe anbelangt, so „sind die Arbeiten hier bereits größtenteils von der Straßenbauverwaltung abgeschlossen worden“, sagte Von der Marck.

Wollte Von der Marck vor einigen Tagen gegenüber dem „Journal“ noch nichts zum Bereich Av. de la Liberté ausführen, ging er gestern ins Detail. „Man muss hier viele Komponenten wie auch Events beachten“, sagte der Luxtram-Direktor. So die Parade zum Nationalfeiertag. „Womit auch die historische Form der Avenue erhalten werden muss.“ Unter anderem geht es auch um 72 Bäume (49 Platanen und 23 Kirschbäume), die in der Avenue de la Liberté stehen und weichen müssen. 70 Prozent der Bäume seien älter als 50 Jahre, wie ausgeführt wurde, „mit einer absehbaren Lebensdauer.“ Festgestellt wurde, dass die Wurzeln der Bäume die vorhandenen Infrastrukturen angegriffen haben. Der Ersatz und die Verpflanzung der Bäume (mit einer Höhe von acht Metern) sei für März 2018 vorgesehen, wie Von der Marck ausführte. Alles in allem sind sieben Bauabschnitte vorgesehen. Unter anderem wird die Bushaltestelle „Charlys gare“ auf den Sternen-Platz verlegt. Im zweiten Semester 2020 soll dann die Strecke „Stäreplaz-Gare“ in Betrieb genommen werden.

Wie wichtig die Bäume in der Stadt sind, erklärte Staatssekretär Gira der Versammlung. Bei den Wetterszenarien muss man dankbar sein „für jeden Baum, der in der Stadt steht“, sagte Gira auch mit Blick auf das Verwaltungsvorgehen, muss doch quasi jeder Baum nach Naturschutzgesetz genehmigt werden. „Nach vielen Studien sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir alle Bäume wegnehmen und sie erneuern.“ Ein fundamentaler Gedanke, sagte Gira. Es kommen mehr Bäume zurück, als weggenommen werden. „Aber nicht die exotischen Kirschbäume, die werden durch andere ersetzt“ - Platanen oder Linden sind in der Diskussion. Bäume, die verpflanzt werden können, werden auch anderorts wieder angepflanzt werden. „Und die Bäume werden, wie wir auch, sauberere Luft bekommen.“ Denn 2.200 Busse werden mit der Tram täglich so aus der Stadt verbannt. Nur noch die städtischen Busse werden hier teilweise - wie in der Avenue de la Gare- verkehren. Hier soll dann durchaus ein Drei-Minuten-Takt für die Tram eingeführt werden.

Ein Video zur Tram-Fahrt gibt es auf http.//www.facebook.com/letzjournal

 

Das Ministerium hat ein weiteres Video „Neues Verkehrsmittel - die Tram in der Stadt“ in Auftrag gegeben, das bald vorgestellt werden soll.