CHRISTIAN BLOCK

Noch etwas mehr als zwei Wochen, dann heißt es für zehntausende Kinder und Jugendliche wieder: Ab in die Schule. Was in Luxemburg normal ist, ist es für Millionen Kinder und Jugendliche nicht. Laut einem neuen Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR besuchen mehr als die Hälfte der Flüchtlingskinder weltweit keinen Unterricht. Die Ursachen sind vielfältig: Immer mehr Menschen auf der Flucht, überfüllte Lager, in denen zudem häufig katastrophale Zustände herrschen. Wenn Konflikte wie in Syrien über Jahre andauern, reicht es nicht, in den Camps Nahrung, sauberes Wasser, Krankenpfleger und ein Dach über dem Kopf bereitzustellen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Flüchtlingskinder von heute einen Großteil, wenn nicht sogar ihre gesamte Kindheit im Exil verbringen werden. 2018 befanden sich vier von fünf Geflüchteten in einer länger anhaltenden Flüchtlingssituation. Womit schon klar ist, dass die Bildungsherausforderung in Zukunft nicht kleiner wird.

Ein großes Problem ist, wen überrascht es, die mangelnde Finanzierung. Seit Jahren ist die Flüchtlingshilfe unterfinanziert, würde fast die doppelte Beitragssumme gebraucht werden, um eine ausreichende Grundversorgung sicherzustellen. Doch die Problematik ist noch komplexer. In den Aufnahmeländern fehlt es meist ohnehin an Sekundarschulen, sodass sogar die heimische Bevölkerung Schwierigkeiten hat, ihren Nachwuchs dort unterzubringen. Die Folge: Erhalten noch etwa 63 Prozent der Kinder in Flüchtlingslagern eine Form von Grundschulbildung, bricht der Prozentsatz für Teenager auf 24 Prozent ein. Über die Sekundarschule hinaus wird es dann sehr dünn. Nur drei Prozent der Flüchtlinge mit Sekundarschulbildung schaffen es noch in ein Studium.

Die langfristigen Folgen dieser verlorenen Bildungsjahre liegen auf der Hand. „Wir müssen in die Bildung von Flüchtlingen investieren oder wir zahlen den Preis: Eine Generation von Kindern, die dazu verdammt ist, in ihrem späteren Leben abhängig zu sein, keine Arbeit zu finden und ihre Gemeinschaft nicht bereichern zu können“, wird UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi zitiert. Flüchtlingskinder riskieren zu doppelten Verlierern zu werden, wenn sie nicht nur ihre Kindheit, sondern auch ihre Zukunftsperspektive verlieren.

Wer übrigens glaubt, das Problem würde nur vergleichsweise weit entfernte Länder wie Pakistan oder Sudan betreffen, irrt. In den seit Jahren überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln sehen mehr als drei Viertel von rund 4.600 Kindern und Jugendlichen im Schulalter keinen Klassensaal.

Und in gewisser Hinsicht adressiert sich das UNHCR auch an Luxemburg, wenn gefordert wird, „Flüchtlingskinder in die nationalen Bildungssysteme zu integrieren“. Der „Lëtzebuerger Flüchtlingsrot“ (LFR) hatte vergangenes Jahr die schnellstmögliche Integration von Kindern von Asylbewerbern in Regelklassen gefordert und den Unterricht in Aufnahmezentren kritisiert. Seitdem habe es zwar laut Angaben des LFR Verbesserungen gegeben, doch mancherorts bleibt die Situation für die Plattform aus Nichtregierungsorganisationen nicht zufriedenstellend.