LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Die Covid-Pandemie hat bereits viele Opfer gefordert. Angehörige, die mit oder am Virus gestorben sind, mehr Menschen ohne Arbeit, Ungewissheit und Verunsicherung, die sich auf die psychische Gesundheit niederschlagen, Bildungsrückstände ... Dem Klima hat das Coronavirus hingegen eine kleine Atempause verschafft. Durch das Herunterfahren der wirtschaftlichen Aktivität zur Eindämmung des Virus lag der weltweite Kohlendioxid-Ausstoß im ersten Halbjahr 8,8 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum, das entspricht einer Differenz von 1,6 Milliarden Tonnen, wie das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) jetzt gemeldet hat.

Eine Atempause, die aber von kurzer Dauer sein wird. Die wirklich große Krise war nie weg. Der Klimawandel mit seinen Folgen war und wird lediglich überlagert von der Corona-Krise, in deren Halbzeit wir uns bestenfalls befinden. Bestenfalls deshalb, weil im kommenden Jahr, vielleicht früher, mit der Verfügbarkeit eines Impfstoffs in ausreichenden Mengen gerechnet wird. Oder zumindest die Hoffnung darauf. Andererseits sind die wirtschaftlichen Langzeitfolgen, die Auswirkungen auf das Reise- und Konsumverhalten möglicherweise noch über Jahre zu spüren. Ganz davon zu schweigen, dass das Risiko eines außer Kontrolle geratenen Pandemiegeschehens wohl nicht auszuschließen ist. So scheint sich etwa inzwischen zu bestätigen, dass man sich auch ein zweites Mal mit Covid-19 anstecken kann.  Ob nur unter bestimmten Bedingungen oder nicht, ist noch unklar: Die Frage nach der Beständigkeit und Dauer  einer entwickelten Immunität ist auch nach fast einem Jahr SARS-CoV-2 nicht geklärt. Auch wenn ihn die Politik nicht will, könnten die Umstände - die Belegung in den Krankenhäusern oder eine Überforderung der Kontaktnachverfolgung - einen zweiten Lockdown erfordern.

Wie sich die Folgen der Pandemie auf die Anstrengungen gegen den Klimawandel niederschlagen werden, ist derzeit noch unklar. Doch anzunehmen, dass sich mit Corona-bedingt klammen Kassen kaum hohe Investitionen stemmen lassen, um erneuerbare Energien auszubauen oder etwa die Anpassung an den Klimawandel vorzunehmen, ist so abwegig wohl nicht. In der EU ist dieses Risiko sicherlich geringer als in Entwicklungsländern, die Risiken liegen hier aber anderswo. Klimaschützer erinnern immer wieder daran, dass enorme Anstrengungen binnen kürzester Zeit unternommen werden müssten. Und an beidem könnte das Erreichen der selbstgesetzten Klimaziele letztlich scheitern.

In Luxemburg ist das nicht viel anders. Premierminister Bettel sprach am Dienstag zwar davon, „Chancen zu nutzen“ und „Luxemburg gerade jetzt zu stärken“. Doch ist anzunehmen, dass der liberale Regierungschef und die Klimaaktivisten, die am Dienstag vor dem „Cercle Cité“ auf den Klimanotstand hinwiesen, darunter verschiedene Dinge verstehen. Stichwort „System Change“.
Inwiefern die Förderprogramme für E-Autos und energetische Sanierung wie überhaupt die Umsetzung des nationalen Klima- und Energieplans funktionieren werden beziehungsweise ob sie einen ausreichend signifikanten Effekt auf die Klimabilanz des Landes haben werden, muss sich auch erst noch zeigen.

Indes wird die Feinanalyse der Erklärung zur Lage der Nation auch noch zeigen müssen, ob die sozialen Begleitinstrumente zur ab 2021 eingeführten CO2-Steuer ausreichend sind. Denn in sozialer Hinsicht hatte es die Regierung bislang nicht so mit starken Ansagen.