LUXEMBURG
DANIEL OLY

Zwei Mal Fiesta aus zwei Welten - „Active“ und „ST“ im Test

Fords „Fiesta“-Kleinwagen ist nicht grundlos eines der beliebtesten Modelle, wenn es ein günstiger, cleverer Wagen sein soll, in den trotzdem noch immer richtig viel reinpasst. Deshalb blieb Ford bei dem neuen Refresh der Serie bei seinen Stärken: Schlaue Raumaufteilung, gut vernetztes Infotainment, immer sparsamere (und kleinere) Motoren. Zwei Modelle hatte das „Journal“ jetzt im Test - und diese hätten unterschiedlicher nicht sein können. Mit dem „Active“ (im 1.5 Liter Vierzylinder-Diesel mit 120 PS) und dem „ST“ (mit 1.5 Liter Dreizylinder-Benziner mit 200 PS) waren die beiden Extreme des „Fiesta“-Lineups zum Test bereit. Dr. Jekyll und Mr. Hyde - aber wer ist wer?

„Crossover“-Rolle

Den Anfang machte der „Active“-Fiesta. Der erste Eindruck trügt nicht: „Fiesta“ geht inzwischen wirklich bequem, technisch hochgerüstet, nobel, vornehm - und beige, innen wie außen. Der Unterschied zu den herkömmlichen Basismodellen liegt in der erhöhten Sitzposition und der höheren Bodenfreiheit, die quasi einem Mini-SUV gleicht; der „Active“ sollte damit die „Crossover“-Rolle aus Kleinwagen und Mini-SUV übernehmen. Ob geplant oder nicht: Es sitzt sich hervorragend in dem „Active“, an Komfort mangelte es trotz der geringen Außenmaße nicht. Die kleinen Abmessungen helfen dabei aber weiterhin bei der Übersicht, etwa beim Einparken oder beim Manövrieren im Parkingdschungel der örtlichen Supermarkt-Tiefgarage. Allrad-Allüren hat der Kleine aber keine.

Der Diesel-Motor bleibt dabei stets ausreichend, aber nie überwältigend; gigantische Beschleunigungsmanöver sucht man vergebens, stattdessen geht es gesittet zu. Das bedeutet aber auch: Reichlich schalten, denn dem Turbomotor geht ansonsten schnell die Puste aus. Immerhin bleibt er im Auto quasi unhörbar und dieselt nicht nervig-klappernd rum.

Die Leistung ist solide und wie es sich gehört; persönlich würde ich den „Ecoboost“-Ottomotor mit etwas mehr Schmackes vorziehen, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und Fans dürfte der Diesel allemal haben. Er ist aber vielleicht nicht der perfekteste Partner für die überraschend große Bandbreite der Unterstützungs-Elektronik, die inzwischen im „Fiesta“ Platz findet, und auch im „Active“-Testmodell installiert war. Denn während Spurhalte-Assistenz und Toter-Winkel-Warner sich wenig um die Motorisierung scheren, merkt man dem adaptiven Tempomat durchaus an, dass er lieber etwas mehr Power hätte, um zum Überholmanöver anzusetzen. Denn dann reagiert er - wenig überraschend - nicht so spritzig, wie er sollte.

Satter Sound

Ganz anders der Zweite im Bunde, denn unter der Haube des „Fiesta ST“ soll das schlummern, was wirklich Fete macht: 1.5 Liter Dreizylinder, Turbolader, Sportauspuffanlage, 200 Pferdestärken. Der satte Sound, das deftige Blubbern, der aggressive Look dank großer Felgen, jugendlich-sportlicher Details am Exterieur und den extravaganten Farben. Ein cooles Auto, die Zielgruppe ist unverkennbar. Nach ein paar Tagen im „Active“ sollte der „ST“ doch wohl eine willkommene Abwechslung sein - Pustekuchen!

Der kleine Racer ist nämlich dank Sport-Aufhängung, Differential und PS satt reichlich flink, agil und sportlich zu fahren. Selbst wer sich mit Bravour in die Kurve schmeißt und dabei ein klein wenig schneller fährt, als offiziell erlaubt, kommt auch am anderen Ende wieder heil heraus. Das Fahrwerk, das Differential und der Motor: Das Zusammenspiel ist nahezu perfekt, das Auto trotz Tempo trügerisch leicht zu beherrschen. Dass das zu schnellem Fahren verleitet, muss wohl kaum gesagt sein.

Aber wehe, man fährt mit ihm auf Straßen, die nicht glatt wie ein Baby-Popo sind. Dann rattert und klappert es, dass sich die Balken biegen. Und das kommt reichlich häufig vor; eine Dorfeinfahrt reicht, um wieder auf den rauhen Boden der Tatsachen zurück zu kehren. Rückwärts eine Treppe herunter zu fallen könnte manchmal angenehmer sein - der Rücken machte es jedenfalls nur in maximal zweistündigen Sitzungen mit, danach war Pause angesagt. Der „ST“ ist sicherlich ein großartiges Auto, richtet sich aber eindeutig an ein jüngeres, fitteres Publikum.

So zeigt sich aber letztendlich: Selbst wenn das Auto auf dem Papier interessanter erscheint, muss es auf dem Asphalt nicht automatisch eine bessere Figur abgeben. Der Rücken dankte es jedenfalls ein paar Tage nach dem Test…