CLAUDE KARGER

Athen geht also auf offenen Konfrontationskurs mit den Geldgebern, die Griechenland seit mehr als fünf Jahren mit insgesamt 240 Milliarden Euro stützen.

Gestern meinte der frisch gebackene griechische Finanzminister Gianis Varoufakis bei einem Treffen mit Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem, sein Land weigere sich, mit der so genannten „Troika“ aus Vertretern der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds zusammen zu arbeiten.

Die Leute waren regelmäßig in Athen, um sich über die Fortschritte der Reformen in Griechenland zu informieren. Nach all dem was sich die griechischen Regierungen in den letzten Jahrzehnten geleistet hatten, ist eine verstärkte Kontrolle da nur richtig gewesen. Schließlich haben eine Kette gefälschter Statistiken und gebrochener Vereinbarungen und der Mangel an Konsequenzen vonseiten der EU-Partner Griechenland maßgeblich in die Traufe geführt, in der es nun sitzt.

Die massiven Beihilfen sollen ja dazu dienen, dem Land Zeit und Geld einzuräumen, alles tun zu können, um wieder auf die Füße zu kommen, ohne von den internationalen Finanzmärkten die Luft abgeschnürt zu bekommen.

Auf die Füße kommen, den Haushalt sanieren, die Staatsschulden senken, die Wirtschaft wieder ankurbeln - alles für sich Drahtseilakte - damit das Land irgendwann wieder selbst über seine Finanzen bestimmen kann, ist ein Prozess, den viele Griechen als sehr schmerzlich erleben. Dass sie genug davon haben, haben sie am vergangenen Sonntag mit der massiven Wahl des Linksbündnis um Alexis Tsipras gezeigt. Er hat versprochen, seinen Landsleuten Hoffnung zurück zu geben. Das wird aber nicht klappen ohne die weitere Unterstützung der EU und der internationalen Partner. Aber radikal, und ohne Rücksicht auf Konsequenzen, verkündet der Mann, der mit einer rechts-populistischen Partei koaliert, ein Ende des Sparprogramms, massive Einstellungen im Staatsdienst, Steuersenkungen, Rentenerhöhungen, das Ende von Privatisierungen. Von Verpflichtungen gegenüber den Geldgebern will er nichts mehr wissen, das war das Bier der Vorgänger. Wo er das Geld hernehmen will, um sein Programm umzusetzen, weiß immer noch niemand. Zwischen den Versprechen und der Realität klaffen Welten.

Indem er die Brücken zu den Partnern derart abrupt abbricht, nimmt sich Tsipras selbst einen Teil der Möglichkeiten, seine Politik umzusetzen und seine Versprechen zu erfüllen. Athen hätte besser daran getan, sich zu bemühen, konstruktive Verhandlungen mit den Geldgebern zu führen, statt sie wie jetzt vor den Kopf zu stoßen und zu versuchen, das verhasste „Brüssel“, das an der ganzen Misere der Griechen schuld sein soll, unter Druck zu setzen. Den Bürgern in Griechenland werden diese Drahtseilakte mit hohem Unfallrisiko nicht dienlich sein und sie werden schnell merken, dass auch der emsige Herr Tsipras, den viele in Europa als revolutionär feiern, kein Wundermittel besitzt, um ihre Situation zu verbessern, die sich durch eine Staatspleite oder ein „Grexit“ - ein Austritt aus dem Euro - noch verschlechtern würde.