LUXEMBURG
PATRIC LORGÉ

Die Zahl der Feld- und Wiesenvögel in Europa ist zwischen 1980 und 2016 um 57 Prozent zurückgegangen. Das geht aus kürzlich erschienenen Daten des Vogelmonitoringprogramms „Pan-European Common Bird Monitoring Scheme“ (PECBMS) hervor, für das auch Bestandszählungen aus Luxemburg berücksichtigt wurden. Patric Lorgé, Ornithologe bei der „Centrale ornithologique“ von natur&ëmwelt und selbst Mitglied des „European Bird Census Council“, einem Netzwerk von Vogelkundlern aus ganz Europa, sieht vor allem in der Intensivierung der Landwirtschaft eine Hauptursache.

„Den europaweiten Rückgang um 57 Prozent kann man auch in Luxemburg nachvollziehen. Man braucht sich nur die Rote Liste der Brutvögel Luxemburgs anzuschauen, auf der immer mehr Offenlandarten vertreten sind. Der Bestand des Kiebitz ist über die vergangenen drei Jahrzehnte von 400 auf heute nur noch etwa zehn Brutpaare zurückgegangen, das Braunkehlchen ist in Luxemburg als Brutvogel ausgestorben. Auch einst häufige Arten wie die Feldlerchen erleiden herbe Bestandseinbußen. In Waldlebensräumen lassen sich keine derart ausgeprägten Bestandsrückgänge feststellen.

Zu den Hauptursachen für den Rückgang der Feld- und Wiesenvögel gehört ohne Zweifel die Intensivierung der Landwirtschaft. Zusammenlegung von Feldern, massiver Maisanbau, wo früher verschiedene Kulturen angebaut wurden, Rückgang von Kuhweiden: All das hat zu den signifikanten Bestandsrückgängen geführt. Wo Vögel noch vor 20 Jahren im Winter auf abgeernteten Getreidefeldern Körner finden konnten, wird heute Raps oder Winterweizen angebaut. Der Einsatz von Pestiziden bedeutet, dass die Nahrungssuche für Vögel schwieriger wird. Der Druck und der Ausbau von Städten und Dörfern ist ein weiterer Faktor ebenso wie der drastische Rückgang von Streuobstwiesen (Bongerten).

Auch wenn die Folgen der Bestandsrückgänge nicht direkt wirtschaftlich messbar sind, so haben sie doch teilweise starke Auswirkungen. Vögel gelten als vergleichsweise einfach zu erfassende Bioindikatoren für Lebensräume. Mit den Feld- und Wiesenvögeln verschwinden allerdings auch Insektenfresser und ein Stück Lebensqualität, wenn im Frühling der Vogelgesang auf den Feldern und Wiesen ausbleibt oder aber landschaftsbelebende Elemente wie Hecken oder Blumenwiesen verschwinden.

Es ist klar, dass auf europäischer Ebene schon vor längerer Zeit dringende Maßnahmen hätten beschlossen werden müssen, wobei vor allem die Landwirtschaftspolitik gefordert ist. Aber auch die luxemburgische Politik muss handeln. Das Bewusstsein, dass die freiwilligen Agrarumweltprogramme des Landwirtschaftsministeriums - die mit weniger Auflagen als Biodiversitätsprogramme des Umweltministeriums verbunden sind, aber höhere Prämien bedeuten - nicht ausreichen, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, wächst allmählich.

Auch wenn das Umweltministerium in den vergangenen Jahren an politischem Gewicht gewonnen hat und über mehr Mittel verfügt, so bleibt der Naturschutz auch unter dieser Regierung ausbaufähig. Das kann allerdings nur dann funktionieren, wenn Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen.“