CONTERN
CORDELIA CHATON

Dussmann Luxemburg beschäftigt rund 4.300 Menschen in vielen Bereichen rund ums Gebäudemanagement und wurde von der Coronakrise voll erwischt

Seit 1990 ist Jean-Paul Neu Mitglied der Geschäftsführung von Dussmann Luxemburg, seit 2007 ist er CEO des Unternehmens. Dussmann ist in unterschiedlichen Bereichen tätig, zu denen die Gebäudereinigung, Sicherheitsdienste, Catering und die Industrielle Wäscherei gehören. Das Unternehmen mit Sitz in Contern beliefert zu normalen Zeiten mit Dussmann Catering Betriebsrestaurants sowie Krippen, Schulen, Lyzeen und die Universität. Der Culinaris Party & Dinner Service gehört ebenfalls zu Dussmann. Mit Ausbruch der Coronavirus-Krise musste sich das Unternehmen, das 4.300 Menschen in Luxemburg beschäftigt, komplett umstellen. Wir haben Neu gefragt, wie es jetzt läuft.

Herr Neu, Ihr Unternehmen ist in so unterschiedlichen Bereichen wie Catering, Sicherheitsdienst, Partyservice, Wäscherei oder Gebäudereinigung tätig. Welcher wurde am stärksten getroffen?

Jean-Paul Neu Wir sind sehr stark im Reinigungssektor mit all seinen Facetten vertreten, ein weiteres wichtiges Standbein ist das Catering so wie der Sicherheitsdienst und die Wäscherei. Eines ist klar: durch Covid-19 wurde alles anders. Wir haben sehr viel zu kämpfen; vor allem mit der Wäscherei. Das liegt daran, dass dort sehr viele Kunden aus dem Hotel-Bereich kommen. Die mussten alle schließen, ebenso wie Freizeitparks. Das setzt uns sehr unter Druck. Derzeit laufen etwa noch rund 30 Prozent des ursprünglichen Geschäfts. Stark angeschlagen ist auch die Restauration, weil wir mit dem Catering das ganze Schulwesen von Krippen bis zur Universität versorgt haben. Da läuft bis dato auch noch nichts.

Wenn es so kommen wird, wie jetzt offiziell angedacht, dann sind wir immer noch weit weg von dem, was wir brauchen. Im Bereich Reinigung und Desinfektion sind wir dank des Baubetriebs einigermaßen und teilweise auf Kurs, aber immer noch weit weg von dem, was vor Covid-19 gelaufen ist. Durch die vielen Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen – beispielsweise beim Transport von Mitarbeitern zur Baustelle – verdoppelt sich der Arbeitsaufwand, ebenso muss darauf geachtet werden, wie man die Arbeitsaufteilung umgestaltet, um vor Ort alle Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Die Folge ist: Die Kosten steigen drastisch. Doch noch ist unklar, wer das entstehende Delta des Stunden-Mehraufwands tragen wird. Auch die Desinfektion von allem Utensilien und Maschinen kostet Geld. Am Ende ist es der Stundenfaktor, welcher uns zu schaffen macht, denn die vorab berechnete Leistung kann mit allen nun notwendigen Maßnahmen nicht erbracht werden.

Welche Maßnahmen haben Sie in Ihrem Unternehmen im Rahmen des Covid-19 ergriffen?

Neu Wir haben uns von Anfang an direkt für die Krise aufgestellt. Wir haben seit Jahren einen Business Continuity Manual (BCM), in dem das Krisenmanagement festgelegt ist, sowohl auf der Produktionsseite als auch auf der kaufmännischen Ebene. Das hat Gott sei Dank auch gut funktioniert. Ich selbst war vom Virus befallen und einige Wochen out! Wir haben Leute auf verschiedene unserer Standorte verlegt und somit die Personen zu ihrem eigenen Schutz separiert. Selbstverständlich herrscht Masken- und Handdesinfektionspflicht überall. Alle Mitarbeiter sind auf verschiedene Räumlichkeiten und Standorte verteilt oder arbeiten im Homeoffice oder sind in Kurzarbeit. Das ist alles aber nicht ganz so einfach, denn so musste zum Beispiel die gesamte Informatik in allen Bereichen angepasst werden, mobile PCs zum Teil neu angeschafft und gesicherte Leitungen eingerichtet werden. Uns war wichtig: Die Mitarbeiter sollten nicht auf der Strecke bleiben. Denn wenn der soziale Zusammenhalt im Unternehmen nicht wie normal funktioniert, dann geht das eine Zeit lang gut, es ist jedoch wichtig, die Mitarbeiter mit gezielter Kommunikation und Feingefühl stets beisammen zu halten.

Waren Entlassungen notwendig?

Neu Wir haben unsere Mitarbeiter zum Teil in Kurzarbeit geschickt, Resturlaube aufgebraucht, aber auch versucht, da wo es möglich war, Leute auf andere Sektoren unseres Unternehmens umzusetzen. Bei Kurzarbeit ist es verständlicherweise untersagt, Leute zu entlassen und das entspricht nicht unseren Gewohnheiten und der Betriebskultur. Ich denke, bislang haben wir viel zur Schadensbegrenzung im Betrieb beigetragen. Wir stehen im Austausch mit den Regierungsvertretern und pflegen gute Verbindung zu den Instanzen, die den Ministerien wichtigen Input geben und erklären denen, was bei uns läuft. Manche glauben, ein großes Unternehmen könne die Krise besser stemmen.

Aber das ist falsch. Was sich unterscheidet zum weniger großen Betrieb ist allein die Dimension der Probleme, nicht aber die Grundlage.

Wie haben die Kunden reagiert?

Neu Wir haben die Kunden so weit wie möglich informiert, was nicht offensichtlich war, denn einige haben ihre Betriebe ganz schließen müssen, andere teilweise. Es war und ist schwierig, alle zu erreichen. Unsere Betriebsführer sind gut aufgestellt, sind omnipräsent und geben mit all ihren Teams ihr Allerbestes.

Wie soll sich der Neustart gestalten?

Neu Beim Reinigungswesen ist eine Aufhebung der Beschränkungen schon teilweise Realität. Beim Sicherheitsdienst haben wir teilweise und zeitbedingt mehr Aufträge, weil beispielsweise in Kliniken, Seniorenbereichen und auch in anderen Bereichen mehr zu überwachen ist. Das ist der einzige Sektor, wo der Betrieb noch relativ normal dreht. Klar ist: Es gab einen drastischen Einbruch in allen Bereichen, bei uns wie bei allen anderen auch. Es ist dramatisch. Dieses Jahr ist für alle Unternehmen eine wirtschaftliche Katastrophe. Einen Neuanfang wird es geben, ganz sicher nicht gleichzeitig für alle, aber wir sind zuversichtlich und üben uns in Geduld.