LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Klappe, die zweite: von Superjhemp, Muttersöhnchen und einer alten Eisenbahn

Luxemburgische Filmproduktionen respektieren im Prinzip die Grenzen des Großherzogtums, soweit die Drehbücher sich den Kontouren des Landes anpassen. Interessante Schauplätze gibt es ja zur Genüge, was die Tatsache beweist, dass sehr viele ausländische Filmemacher das Land für ihre Filme entdeckt haben. Darauf werden wir nächste Woche in einem dritten Teil unter dem Motto „Drehort Luxemburg“ zurückkommen. Für diesen zweiten Teil der interessantesten Filmsets sind ein paar neuere luxemburgische Filme ausgewählt worden.

Lëtzebuerger Journal

Die Hauptstadt

Der luxemburgische Spielfilm, der die meisten Zuschauer ins Kino zog – etwa 60.000 –, war „De Superjhemp retörns“ (2018) von Félix Koch. Einer der Schauplätze war das Schloss Siweburen im Rollingergrund. Zudem spielten sich Szenen in den RTL-Studios, der Kathedrale und dem „Musée Dräi Eechelen“ ab.

Ein wahrer Bilderreigen der Hauptstadt bietet Paul Kieffers „Nuits d’Arabie“ (2007). Nicht nur, dass man einige Einblicke in Standorte der luxemburgischen Eisenbahn erhält, wie die Drehscheibe in Bonneweg, die 2012 abgerissen wurde, auch die Schrebergärten in der „Péitruss“, die Avenue de la Liberté oder das Fußballfeld des RM Benfica Hamm sind zu sehen.

Im Tal der Petruss wurde der gleichnamige Spielfilm „Péitruss“ (2019) von Max Jacoby gedreht. Weitere Drehplätze waren der „Nikloskierfecht“ (Cimetière Notre-Dame) auf dem Limpertsberg, der neue Lift, der das Pfaffenthal mit dem Park Pescatore verbindet, und der Hauptbahnhof.

Ein Schauplatz von Laura Schroeders „Schatzritter und das Geheimnis von Melusina“ (2013) war die Kathedrale. Weitere Außenaufnahmen entstanden in Esch/Sauer im Schloss und auf dem Camping. Schroeders „Barrage“ (2017) wurde ebenfalls in Esch/Sauer und um den Stausee gefilmt.

Im Kinokomplex „Utopolis“ (heute „Kinepolis“) und auf der „Kinnekswiss“ entstanden Szenen aus „Baby(a)lone“ (2015). Ursprünglich sollte der Spielfilm von Donato Rotunno „Ouni d‘Hänn“ heißen. Der Hauptteil des Streifens wurde auf Esch/Belval gedreht, im Lycée Bel-Val, der 2011 auf dem Gelände der Gemeinde Beles eröffnet wurde. Ein anderer Drehort war der Walygator Parc im französischen Maizières-lès-Metz.

Ein weiterer Spielfilm, der viele bekannte Plätze und Straßen der Hauptstadt zum Drehort machte, ist „Doudege Wénkel“ (2011) von Christophe Wagner. Hier geht es vom Bahnhofsviertel, unter anderem der Hauptbahnhof selbst, das Parkhaus Neipperg oder die Rue du Fort Neipperg, bis in die Oberstadt in die „Groussgaass“, das „Lantergässelchen“ (Rue Genistre, im ehemaligen Tiergeschäft Josy Welter) oder die „Philippsgaass“ (Rue Philippe II). Weitere Spielorte waren die Schobermesse, das Kirchberger Krankenhaus und die Philharmonie.

Lëtzebuerger Journal

Überall im Land

Jacques Molitor drehte seinen ersten Spielfilm „Mammejong“ 2015 in Simmern und Rambrouch.
Die ländlichen Gegenden und Höfe aus Herborn und Dickweiler waren Schauplätze in Govinda Van Maeles erstem Spielfilm „Gutland“ (2016), genauso wie Dörfer um Mersch und Echternach.

In letzterer Ortschaft wurde für die Amour-Fou-Koproduktion „Invisible Sue“ (2018) von Markus Dietrich im Trifolion, dem Lycée Classique und in den alten Gassen gedreht. In Esch/Belval entstanden Szenen vor und in der Universität sowie in der Rockhal.

Schwieriger wurde es für Christophe Wagner, geeignete Schauplätze für sein Nachkriegsdrama „Eng nei Zäit“ (2015) zu finden. Der Hof der Familie Ternes ist die „Schleefmillen“ in Winseler. Der Bahnhof im Fonds-de-Gras wurde zu dem von Ettelbrück umfunktioniert. Als Gefängnis diente die Abtei Neimënster, die ja bis 1984 ein solches war. In Vianden wurde auch gedreht, unter anderem in einer alten Schreinerei, in der „Kräizkapell“, und auf dem Friedhof von Esch/Sauer. Das Escher Rathaus wurde zum Sitz der Polizei und der Binnenhof im Echternacher Lyzeum zu dem eines Sanatoriums in Mondorf.

Begehrte Kulisse im Fond-de-Gras

Der Bahnhof im Fond-de-Gras mit seinem Fuhrpark des „Train 1900“ wurde oft genutzt, wenn es darum ging, eine alte Bahnstrecke oder antike Eisenbahnwagons in einen Film einzubauen. Szenen für „Eng nei Zäit“ wurden dort gedreht, wie auch für „Héimwéi“ (2014) von Sacha Bachim. Im dortigen Restaurant „Bei der Giedel“ spielten ebenfalls Szenen aus Bachims Kriegsdrama, ebenso im Schiefermuseum in Martelingen.

Einige Teile der luxemburgischen TV-Koproduktion „Krieg der Träume“ (Clash of Futures; 2018) von Jan Peter und Frédéric Goupil wurden ebenfalls in der beliebten Touristen-Attraktion gefilmt. Eine Exekutionsszene einer weiteren Iris-Productions-Koproduktion, „Sunset Song“ (2015) von Terence Davies, entstand auch auf dem Gelände des „Train 1900“. Weitere von luxemburgischen Produzenten mitfinanzierte Filme, die im Fond-de-Gras gedreht wurden, waren unter anderem „Rain Anyway“ (2018) von Gust Van den Berghe, „Egon Schiele“ (2015), „La femme de Gilles“ (2004) und „De Tweeling“ („Twin Sisters“, 2002) von Ben Sombogaart.