LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Klappe, die dritte: Ausländische Filmproduzenten haben das Großherzogtum für sich entdeckt

Im Jahr 1988 wurde das Tax-Shelter-Gesetz gestimmt, um ausländische Filmproduzenten ins Großherzogtum zu locken, indem ihnen finanzielle Hilfen in Aussicht gestellt wurden, sollten sie in Luxemburg drehen. Somit war die Basis für internationale Filmproduktionen in Zusammenarbeit mit heimischen Produzenten oder dem 1990 gegründeten Film Fund gegeben. Seit Anfang der 1990er Jahre gastierten viele bekannte Regisseure, Schauspieler und Schauspielerinnen in Luxemburg. Die zwei wichtigsten Firmen im Zusammenspiel mit ausländischen Filmemachern waren Delux Productions, die 1991 gegründet wurde, und The Carousel Picture Company, die 1995 ins Leben gerufen wurde.

Leider haben beide Unternehmen in der Zwischenzeit Konkurs anmelden müssen: Carousel Picture 2005 und Delux 2014. Eine der Hauptursachen war, dass die Filme sehr viel Geld kosteten und kaum etwas einspielten.

Venedig in Esch/Alzette

Für den 16 Millionen Dollar teuren Film „Secret Passage“ von Ademir Kenovic ließ Delux Productions 2001 auf dem Terre-Rouge-Gelände in Esch/Alzette auf 62.500 Quadratmetern Venedig aus dem Jahr 1492 nachbauen. Der Bau dieser Kulisse verschlang rund 5 Millionen Dollar. Leider spielte der Film, eine Koproduktion mit einer britischen Firma Zephyr, nur etwa 108.000 Dollar ein. Delux drehte 2004 mit mehreren anderen Firmen in denselben Kulissen „The Merchant of Venice“ von Michael Radford („Il Postino“). Die 30 Millionen Dollar teure Produktion lockte trotz Stars wie Al Pacino, Joseph Fiennes und Jeremy Irons kaum Zuschauer in die Kinos und spielte weltweit 21,5 Millionen Dollar ein. Zwei weitere Delux-Koproduktionen wurden hier gedreht: „Girl with a Pearl Earring“ (2003) von Peter Webber und „The Thief Lord“ (2006) von Richard Claus. Lediglich der erste Film spielte mit 33 Millionen Dollar mehr ein als die 12 Millionen Produktionskosten.

Zwei Spielfilme, „Ma femme s‘appelle Maurice“ (2002) von Jean-Marie Poiré und „De-Lovely“ (2004) von Irwin Winkler, wurden noch hier gedreht. Die Kulissen waren dem Publikum eine Zeit lang zugänglich, bevor sie im Sommer 2005 abgerissen wurden.

Delux besaß anfangs ein Filmstudio in Merl. 1999 wurde ein neues Studio in Contern gebaut. Für „Shadow of a Vampire“ (2000) von E. Elias Merhige war Schauspieler Nicolas Cage Hauptproduzent der acht Millionen Dollar teuren Produktion, die weltweit lediglich etwas mehr als elf Millionen einspielte. Im Delux eigenen Filmstudio in Merl entstanden viele der Innenaufnahmen - 1999 wurde ein neues Studio in Contern gebaut -, während die Außenaufnahmen in den Schlössern von Vianden und Brandenbourg, dem „Gehaansbierg“ in Düdelingen im Müllerthal, in Blauschleiden, im Fond-de-Gras und in Esch/Alzette auf einem Arbed-Gelände gefilmt wurden.

Weitere Delux-Produktionen, die in Luxemburg gedreht wurden, waren unter anderem: „An American Werewolf in Paris“ (1997) von Anthony Waller, „8 ½ Women“ (1999) von Peter Greenaway, „Flawless“ (2007) von Michael Radford und „House of Boys“ (2009) von Jean-Claude Schlim. Delux war außerdem im Bereich von Fernsehserien und -filmen tätig, unter anderem drehte man in Luxemburg die Mini-Serie „Jewels“ (1992) oder den TC-Film „Red Eagle“ (1994) mit Timothy Dalton.

Von unter dem Meer bis ins Cyberspace

Romain Schroeder und Tom Reeve gründeten The Carousel Picture Company, mit Sitz in Beggen. Sie besaßen auch ein Filmstudio in Bartringen. Hier entstanden Innenaufnahmen für ihren ersten Kinofilm „Crush Depth“ von Gregg Champion. Außenaufnahmen zu der 17 Millionen Dollar teuren Produktion entstanden in Differdingen im Schwimmbad. Die Geschichte einer U-Boot-Besatzung, die in Seenot gerät, wurde in „Sub Down“ umbenannt. Auch der Regisseur zog seinen Namen zurück, und es wurde ein Alan-Smithee-Movie (das ist ein erfundener Name, der immer zum Einsatz kommt, wenn ein Regisseur nicht mit dem Endprodukt zufrieden ist). Der Film kam nur in ein paar Ländern in die Kinos.

Der zweite Kinofilm, der Science-Fiction-Film „Wing Commander“ (1999) von Chris Roberts, kostete 30 Millionen Dollar und spielte lediglich 11,5 Millionen ein. Neben Aufnahmen in den eigenen Studios wurde in der stillgelegten Werkzeug- und Maschinenfabrik in Wecker gedreht.

„D’Artagnan“ (2001) war trotz großer Namen wie Peter Hyams als Regisseur und Catherine Deneuve in der Rolle der Königin kein Erfolg. Die 40-Millionen-Dollar-Produktion wurde in den USA in „The Musketeer“ umbenannt und spielte nur 32,5 Millionen ein. Außenaufnahmen entstanden im Schloss in Vianden und auf der Place Clairefontaine in Luxemburg-Stadt.

Noch katastrophaler lief „George and the Dragon“ (2004) in den Kinos. Firmenchef Tom Reeve führte Regie und drehte mit Stars wie Patrick Swayze, Piper Perabo und Michael Clarke Duncan. Fazit: 32 Millionen Dollar Einsatz und weniger als 50.000 Dollar in den Kinokassen.

2001 wurde der Thriller „The Enemy“, der einzige Spielfilm von Tom Kinninmont, zusammen mit englischen und deutschen Koproduzenten integral in Luxemburg gedreht. Die Hollywood-Stars Roger Moore, Luke Perry und Horst Buchholz konnten nicht verhindern, dass der Film nur in wenigen Kinos lief.

Interessant ist noch, dass Christopher Lee in der Carousel-Picture-Produktion „Tale of the Mummy“ (1998) von Russell Mulcahy mitspielte. Zuvor hatte er 1991 in Luxemburg den Film „Sherlock Holmes and the Leading Lady” gedreht. Schauplätze waren das Schloss Ansemburg, Vianden, Echternach und Esch/Alzette. Ein Jahr später folgte „Sherlock Holmes: Incident at Victoria Falls“. Beide Filme wurden im Fernsehen gezeigt, da kein Kinoverleiher interessiert war. Koproduzenten waren übrigens die Luxemburger Sparkasse, die Banque Paribas Luxembourg und die luxemburgische Holding Harmony Gold Finance.