LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Quer durchs Land wurden die ersten luxemburgischen Filme gedreht

Nicht erst seit der Gründung des Luxemburger Film Fund 1990 drehte man im Großherzogtum Filme. Ab den 1930er Jahren realisierte René Leclère (1890-1955) Kurzfilme, wie „Il est un petit pays“. Danach war es Philippe Schneider (1908-1980), der Dokumentarfilme über Luxemburg drehte, wie „Promenade au Luxembourg“. Er führte ebenfalls 1970 Regie beim Erotikfilm „L’amour, oui! Mais...“, der zum Teil in Luxemburg-Sadt spielt. In den späten 1960ern begannen Georges Fautsch, Maisy Hausemer und Paul Scheuer 16mm-Kurzfilme zu realisieren, ehe sie 1981 mit „Wat huet e gesot?“ den ersten Film in luxemburgischer Sprache in die Kinos brachten. Andy Bausch betrat Ende der 1970er die Filmszene mit Kurzfilmen. Mit „When the Music’s Over“ drehte er 1981 seinen ersten Spielfilm auf 8mm-Film. 1985 übte sich RTL als Filmproduzent. Die beiden Kameramänner Menn Bodson und Gast Rollinger realisierten zusammen mit Marc Olinger das Kriegsdrama „Déi zwéi vum Bierg“. Wo diese Filme gedreht wurden, wissen heute höchstens noch diejenigen, die mitgewirkt haben.

„Congé fir e Mord“ mit Josiane Peiffer und Ben Scheuer entstand 1983 unter anderem in 
Larochette, Meysemburg und Hosingen - Lëtzebuerger Journal
„Congé fir e Mord“ mit Josiane Peiffer und Ben Scheuer entstand 1983 unter anderem in Larochette, Meysemburg und Hosingen

 

 

Filmsets im ganzen Land

Da das AFO-Trio in Diekirch als Lehrer tätig war, war diese Stadt natürlich ihr Spielplatz. „Wat huet e gesot?“ spielte fast ausschließlich im Diekircher Lyzeum. Ihr größter Erfolg „Congé fir e Mord“ entstand 1983 in Larochette, Meysemburg, Hosingen, aber auch in Paris und Lourdes. „Mumm Sweet Mumm“ 1989 wurde fast ganz in Luxemburg-Stadt gedreht.

In Everlingen bei Useldingen fand der Großteil der Dreharbeiten zu „Déi zwéi vum Bierg“ statt.

Die Schlösser im Norden des Landes waren ebenfalls geeignete Kulissen für einen der ersten Langfilme von Andy Bausch, „Gwyncilla: Legend of the Dark Ages“ (1986), der im Mittelalter spielt. In Vianden und Bourscheid entstanden viele Szenen, wie auch im französischen Rodemack.

André Jung 1989 in „De falschen Hond“  - Lëtzebuerger Journal
André Jung 1989 in „De falschen Hond“

„De falschen Hond“ ist ein historisches Drama, das RTL 1989 produzierte. Erneut waren es Bodson, Rollinger und Olinger, die Regie führten. Gedreht wurde in Larochette, Wellenstein, Wormeldingen und Ahn. Weitere Aufnahmen entstanden in der Zitadelle von Montmédy (F).

Roger Manderscheids Roman „Schacko Klak: Biller aus der Kandheet (1935-1945)“ verfilmten Paul Kieffer und Frank Hoffmann 1990 unter dem Titel „Schacko Klak“. Der Hof der Familie von Crëscht (Claude Wagner) ist heute das Musée Rural in Peppingen. Die Außenaufnahmen entstanden unter anderem in Waldbredimus, Biwer und Peppingen. In der Kirche in Elvingen entstanden die Innenaufnahmen. Der Baum, von dem aus Crëscht die Leute beobachtete, stand allerdings im Grünewald.

Die Filme von Pol Cruchten

Pol Cruchten (1963-2019) gehörte ebenfalls zur ersten Garde der luxemburgischen Regisseure und Produzenten. Er fing mit Kurzfilmen an, bevor er „Hochzäitsnuecht“ (1991) drehte. Einer der Schauplätze war die 1980 stillgelegte Milchfabrik Celula in Bettemburg.

Cruchtens letzte Regiearbeit „Justice Dot Net“ (2018) wurde hauptsächlich in den Filmstudios in 
Kehlen gedreht - Lëtzebuerger Journal
Cruchtens letzte Regiearbeit „Justice Dot Net“ (2018) wurde hauptsächlich in den Filmstudios in Kehlen gedreht

„Black Dju“ (1996) wurde fast ganz in der Hauptstadt gefilmt.

Jhemp Hoscheit hielt seine Kindheitserinnerungen im Roman „Perl oder Pica“ fest, den Cruchten 2006 verfilmte. Das Haus auf der Nummer 11 in der Jean-Origer-Straße in Esch/Alzette diente als Kulisse für das Geschäft der Familie Welscheid (André Jung, Nicole Max, Ben Hoscheit und Anouk Wagener). Gedreht wurde in den Gassen um die St.-Josef-Kirche sowie in der Victor-Hugo-Straße in einem Lebensmittelladen. In der Dellhéicht-Schule wurden die Schulszenen gefilmt.

„Die Räuber“ (2015) realisierte Cruchten in Zusammenarbeit mit Frank Hoffmann. Gedreht wurde unter anderem in der Villa Vauban in Luxemburg. Im deutschen Langsur (nahe Wasserbillig) entstanden ebenfalls Aufnahmen in einem Haus.

Cruchtens letzte Regiearbeit „Justice Dot Net“ (2018) wurde hauptsächlich in den Filmstudios in Kehlen gedreht, Irland und Kanada. Eine Verfolgungsjagd fand im stillgelegten Arbed-Werk von Schifflingen statt.

Nichts kann die Diebe in „Troublemaker“ aufhalten  - Lëtzebuerger Journal
Nichts kann die Diebe in „Troublemaker“ aufhalten

Made by Andy Bausch

Andy Bausch ist ein gebürtiger Düdelinger (Jahrgang 1959), und so entstand „A Wopbobaloobop a Lopbamboom“ (1989) ganz in seiner Heimatstadt. Gefilmt wurde am Grenzübergang zum französischen Zoufftgen, in der Brillschule, wo Thierry van Werveke, alias Petz, seinen Klassiker „Twist à Luxembourg“ singt, in einem Elektrikergeschäft in der Rue de la Libération, im Bahnhof Dudelange-Usine und im Schwimmbad.

Zuvor kam aber „Troublemaker“ (1988) in die Kinos. Neben der Figur des Johnny Chicago (van Werveke) dürfte die spektakuläre Verfolgungsjagd durch die Geschäftspassage des Centre Aldringen das originelle Glanzlicht sein. Das alte Gefängnis im Grund – heute die Abtei Neumünster - stand damals leer und diente im Film seinem ursprünglichen Zweck. Des Weiteren wurde in Esch/Alzette gedreht, unter anderem auf der „Grenz“, in Schifflingen, im Bahnhof Differdingen und Obercorn, beim mittlerweile abgerissenen Kino „Mirador“.

Im Centre Aldringen fand auch der Banküberfall in der Fortsetzung „Back in Trouble“ (1997) statt. Als Gefängnis diente nun das neue von Schrassig. Weitere Szenen spielten im Hotel Cravat und im Kloster St. François in Luxemburg. Einige Szenen wurden ebenfalls in der Celula in Bettemburg gedreht.

Im dritten Teil der Abenteuer von Johnny und seinem Freund Moreno (Ender Frings), „Trouble No More“ (2010), wird ein Juweliergeschäft in Bonneweg überfallen. In der Kirche St. Henri im Neudorf, auf der Place Wallis und bei der städtischen Müllabfuhr („bei de Kiwwelen“) entstanden weitere Szenen, wie auch auf einem Gelände der Arbed in Düdelingen.

Ein Schauplatz von „Le Club des chômeurs“ (2001) ist Differdingen, mit dem Stadion Henri Jungers (hier spielte die A. S. Differdange) und einem alten Hochofen in der Arbed. Gefilmt wurde außerdem im Kino „Kursaal“ in Rümelingen, in Kayl, Tetingen und Düdelingen am alten Grenzübergang nach Zoufftgen.
Der zweite Teil mit den Abenteuern der Arbeitslosen „La Revanche“ (2004) wurde in einem Cabaret auf der Place Wallis in Luxemburg gedreht. Der Großteil wurde in Esch/Alzette gefilmt, unter anderem im Fußball-Stadion der Jeunesse.

Und viele Szenen aus „When the Music’s Over“ stammen wiederum aus Düdelingen. Andere aus Esch/Alzette (Lycée Hubert Clement) und dem Ösling.

Wir bedanken uns bei Andy Bausch, Paul Kieffer, Samsa Film, Paul Thiltges, Gilles Soeder und Patrick Hastert, die uns diese Informationen übermittelten