LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Das Jahr an den Gerichten: die wichtigsten Urteile im Juli

Wiederum viel Arbeit hatten die Gerichte in diesem Jahr. Im dritten Teil unseres Jahresrückblicks gehen wir auf die wichtigsten Urteile im Monat Juli ein. Kurz vor den Gerichtsferien fielen noch ein paar weitreichende Entscheidungen. Der letzte Teil erscheint am kommenden Montag.

11. Juli: Sechs Monate Haft für einen 62-jährigen Arzt

Einem 62-jährigen Nierenarzt aus der Klinik in Niederkorn wurde vorgeworfen unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses drei Frauen sexuell belästigt zu haben. Der Arzt wurde vom Bezirksgericht Luxemburg zu einer Haftstrafe von 36 Monaten, davon 30 auf Bewährung, und zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt.

Zusätzlich zur Haftstrafe wurde der Arzt dazu verurteilt, an die drei Opfer jeweils 3.000 Euro Wiedergutmachung zu zahlen. Der Arzt hatte nach Überzeugung der Richter während seinen medizinischen Untersuchungen sexuelle Handlungen an drei Frauen vorgenommen, um sich selbst zu stimulieren. Der erste Fall geht auf den 14. oder 15. August 2015, die beiden anderen Fälle auf die Monate April und März 2017 zurück.

11. Juli: 1.000 Euro Geldstrafe wegen „Postunterdrückung“

Ein 26-jähriger Ex-Postbote wurde wegen „Postunterdrückung“ zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt. Der Nebenkläger-Partei (sein Arbeitgeber Post) musste der Ex-Postbote den symbolischen Euro zahlen.

Am 24. Juli 2018 hatte der Mann die Post gesammelt und einfach nicht mehr ausgetragen. Er gab zu Protokoll, er sei überfordert gewesen. 146 Briefe soll er in den Abfalleimer geschmissen haben. Auch im Raum Bascharage waren Briefe gefunden worden, die der Angeklagte weggeworfen haben soll.

11. Juli: Prozess um Einbruch in das Haus des Europaabgeordneten Charles Goerens

Wegen räuberischen Einbruchs und Diebstahls wurde ein 22-jähriger Mann von den Richtern der Kriminalkammer Diekirch zu einer Haftstrafe von zehn Jahren ohne Bewährung verurteilt. Am 9. September 2018 hatten zwei maskierte Männer gegen 3.00 den Europaabgeordneten Charles Goerens und dessen Gattin in ihrem Haus in Schieren überfallen und mit Waffen bedroht. Gefasst hatte Goerens die Safes geöffnet – die allerdings leer waren. Danach nahm der mutmaßliche Räuber J. die Autoschlüssel an sich, stahl zwei Kreditkarten sowie das Auto der Familie und fuhr nach Colmar-Berg.

Dort hob er am Geldautomaten der Sparkasse mit den zwei Kreditkarten 1.000 Euro ab. Dann fuhr er zurück und übergab seinem Komplizen im Haus das Geld. Der Komplize soll ihm dann gesagt haben, er solle zehn Minuten warten, er würde sein Auto holen. Während J. im Hause Goerens auf seinen Komplizen wartete, ließ dieser ihn gutgläubig dort zurück und verschwand mit dem Geld.

12. Juli: Hohe Strafen für Einbrecher-Bande

Von sieben Mitgliedern einer Einbrecherbande, die zwischen 29 und 62 Jahren alt sind, wurden fünf wegen schweren räuberischen Diebstahls zu acht, zweimal sechs, fünf und drei Jahren Freiheitsstrafen verurteilt. Ein Mitglied der Bande musste für zwölf Monate hinter Gitter. Das siebte Mitglied wurde in einem separaten Strafverfahren zu 18 Monaten verurteilt.

In mehreren Nebenklagen müssen die Täter den Opfern einen Schadenersatz von insgesamt 96.503 Euro zahlen. Die Anklage wirft der Bande 88 Taten vor, die sie zwischen Juli 2014 und Ende 2017 in Luxemburg begangen hatten. Auf ihrer Diebestour durch ganz Luxemburg hatte die Einbrecherbande eine Summe von 170.000 Euro erbeutet. Der Fall wurde im Dezember 2019 am Berufungsgericht neu verhandelt. Fünf von den mutmaßlichen Einbrechern hatten gegen ihre Urteile Berufung eingelegt. Das Urteil wird am 4. Februar 2020 gesprochen.