LUXEMBURG
SVEN WOHL

Die Netflix-Serie „Warrior Nun“ ist eine ordentliche Einschlafhilfe

Manche Serien wissen sich hervorragend in einem Trailer zu verkaufen. Zu diesen gehört „Warrior Nun“: Die Werbung bemüht sich, die Serie als eine lustige, actionreiche Reihe zu inszenieren, bei der keine Langeweile aufkommt. Besser noch: Man erhält den Eindruck, dass die Macher eindeutig auf einem „Buffy the Vampire Slayer“-Trip sind. Nach zehn Folgen mit je 40 bis 50 Minuten steht jedoch fest, dass die Macher „Buffy“ nur im Zeitlupentempo schauen. Und mit spanischen Untertiteln.

Trash ohne Selbstbewusstsein

Eins vorne weg: Niemand hat ein Problem damit, wenn Serienmacher nicht „Buffy“ imitieren. Jedoch hat jeder ein Problem damit, eine unglaublich langweilige und langatmige Serie zu schauen. Dabei beginnt alles so vielversprechend. Die Protagonistin Ava Silva ist zu Beginn der Handlung tot. Als Kampfnonnen vor ihren irdischen Gegnern in den Ort der Obduktion flüchteten, kam eines zum anderen. Jene Nonne, die gerade den Heiligenschein eines Engels in sich trägt, wird getötet und das mächtige Artefakt muss versteckt werden. Dabei kommt Avas kalte Leiche genau richtig. Doch ohne es zu wissen, beleben die eifrigen Kampfnonnen die junge freche Frau damit wieder. Dadurch ergibt sich ein kleines Problem, denn Ava soll somit zur Anführerin des Ordens besagter bewehrter und schwer bewaffneter Glaubensschwestern werden. Ein Schicksal, mit dem sie sich nicht abfinden kann, schließlich kann sie dank des Heiligenscheines endlich wieder laufen.

Der Entwicklungsbogen der Hauptfigur ist also bei weitem nicht der uninteressanteste und sogar deckungsgleich mit dem von Buffy, die ebenfalls mit ihrem Schicksal haderte. Die wenigsten Zuschauer werden Ava Silvas Entwicklung erleben, denn es geschieht in den überlangen Episoden einfach viel zu wenig. Für eine Serie, die „Warrior Nun“ heißt, dauert es beispielsweise ganze vier Episoden, bis zwei Nonnen sich gegenseitig mit Faustschlägen, Fußtritten und der einen oder anderen Shotgun-Ladung segnen. Die Choreographie und der Schnitt lassen sich dabei sehen, sind aber keine Offenbarung, welche die Durststrecke rechtfertigen würde. Außerdem hat man ständig den Eindruck, dass die Serie weiß, dass sie trashig ist, sie sich nur nicht traut dazu zu stehen. Das ist bekanntlich die schlimmste Form des Trashs. Das konnte „Buffy“ besser. Dabei erhält Subtilität gerade gleich das Todesurteil mit Figuren, die Namen wie „Shotgun Mary“ und „Kristian Schaefer“ tragen.

Lëtzebuerger Journal

Unbefriedigende Entwicklungen

Jetzt ließe sich argumentieren, dass sich die Serie Zeit lässt, um sorgfältiges Worldbuilding zu betreiben, doch auch davon ist acht Episoden lang wenig zu finden. Interessant wird es in den letzten zwei Episoden, in denen die Macher sich offensichtlich entschieden haben, etwas passieren zu lassen. Doch wer auf eine späte Auferstehung der Spannung hofft, wird enttäuscht: Die Staffel endet in einem Cliffhanger, sämtliche interessanten Plotlines dienen ausschließlich dem Aufbau der nachfolgenden Staffel. Kaum keimt Hoffnung auf, wird man wieder enttäuscht. Nur Gläubige beten für eine bessere zweite Staffel. Fast glaubt man, einem Witz ohne Pointe erlegen zu sein. Schlimmer, man ahnt, selbst die Pointe zu sein.

„Warrior Nun“ reiht sich in einen Negativtrend der Streamingserien ein: Oft zu lang, meist zu langatmig oder gar langweilig, wird eine an sich gute Handlung mit einigen nennenswerten Drehern Kaugummi gleich in die Länge gezogen. „Warrior Nun“ ist nicht klug genug geschrieben, gut genug gespielt oder so unterhaltsam, dass man sich zehn Episoden davon gönnen muss. Eine Alternative gibt es: Einfach „Buffy“ schauen. Die Computereffekte sind fast gleich gut. 

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Die Vorlage

Der Comic „Warrior Nun Areala“ von Ben Dunn bildet die Grundlage für die Netflix-Reihe. Sie lief im Dezember 1994 beim Independent Verlag Antarctic Press an. Eine letzte Veröffentlichung erfolgte 2005, nachfolgende Projekte einer Verfilmung wurden immer wieder auf Eis gelegt, bis Netflix die Serien-Adaptierung produzierte.