LUXEMBURG
PIERRE WELTER

5. Prozesstag: Video zeigt detailliert den Handel im Bahnhofsviertel

Von einem „Drogenbunker“ in Wasserbillig aus sollen achtzehn Nigerianer im großen Stil Kokain im Bahnhofsviertel von Luxemburg verkauft haben. Das Rauschgift kam aus Belgien und war für den hiesigen Drogenmarkt bestimmt. Am 27. Oktober 2015 konnten Polizei und Zoll 14,3 Kilo Kokain in der Lokalität beschlagnahmen. Zwei Tage später nahmen die Polizisten den Besitzer des Hauses und weitere Helfer fest. Die Ermittlungen gegen die Gruppierung hatten fast ein Jahr gedauert. Bislang war der Eigentümer des Wasserbilliger Hauses „G33“ der Polizei als Besitzer der „Nice Bar“ in der Straßburger-Straße in Luxemburg bekannt. Immer wieder geriet der 47 Jahre alte Mann mit nigerianischen Wurzeln in den vergangenen Jahren mit dem Gesetz in Konflikt. Im Jahr 2015 verdichteten sich die Hinweise, dass Joseph E. aktiv nigerianische Drogendealer in sein Haus in Wasserbillig aufnahm. Dazu nutzte er offenbar seine Kontakte nach Nigeria. Eine Ermittlungsgruppe „Rauschgift“ aus Zoll und Polizei übernahm den Fall.

Tauchten Beamte auf, verschwanden die Drogenverkäufer

Im „Drogenbunker“ in Wasserbillig befehligte Joseph E. eine Handlangerin, die er für verschiedene Zwecke einsetzte: Die 35-jährige Bekky T.. Sie kassierte die Mieten der Nigerianer, die nachts regelmäßig im Haus in Wasserbillig wohnten und hierfür 20 Euro die Nacht bezahlten. Am Tage dealten sie mit Drogen in der Umgebung am Luxemburger Bahnhof. Gelagert wurde das Kokain in der Wohnung in Wasserbillig und in der Wohnung des Dealers in Athus. Das sichergestellte Kokain wies gestreckt einen Straßenverkaufswert von 1,7 Millionen Euro auf.

Im Gerichtssaal wurde gestern der Drogenhandel in der Joseph-Junck-Straße durch ein Video dokumentiert. In der Straße tummelten sich so viele Dealer gleichzeitig, dass sie sich gegenseitig fast auf den Füßen standen - alles Nigerianer.

Selbst der Polizist beschreibt die Szene vor Gericht als „extrem sensibel.“ Tauchten Beamte auf, verschwanden die Drogenverkäufer sofort. Die Methoden der Drogenverkäufer passten sich immer wieder den aktuellen Gegebenheiten an.

Die Nigerianer dealten in der Joseph-Junck-Straße, Ecke Straßburger-Straße, Ecke Joseph-Junck/Fort Weddel/Straßburger-Straße. Dabei dealten sie nicht wie viele andere Dealer versteckt oder von einer Wohnung heraus, sondern ganz offen. An jedem Straßenzug standen mehrere schwarze junge Männer in nicht nur ähnlichen, sondern teilweise identischen Outfits. Sie beobachten die Umgebung. Jeder, der dort hinging, wusste, was da vor sich ging. Einer passte auf, ein anderer nahm die Bestellung auf, ein anderer das Geld, der letzte Beteiligte nahm mit einer blitzschnellen Bewegung die Kokain-Kugeln aus seinem Mund und übergab sie dem Kunden. Das Video zeigt auch, wie groß die Nachfrage ist.

Ein Zeuge, zwar mit Arbeitsvertrag in Wasserbillig angestellt, aber weder angemeldet noch krankenversichert, konnte über den Drogenhandel nichts aussagen. Über Prostitution auch nicht. Er hätte nur seine Arbeit getan. Paul Henri hätte er ein Mal alle zwei Wochen getroffen, so der Zeuge. Wenn Paul Henri jemanden im Haus treffen wollte, sei dies immer draußen gewesen. Dass E. dort jeden Dienstagmorgen Messen abgehalten und gepredigt habe, konnte der Zeuge bestätigen. Was aber genau da von Statten ging, konnte er nicht sagen.

Anschließend berichtete ein Ermittler noch über die Verhaftungen der Drogenbande. Alle 18 Drogendealer, die man dem „Fußvolk“ zurechnet, hatten eingestanden, Drogen im Bahnhofsviertel verkauft zu haben. Allerdings bekamen sie die Drogen entweder von Marokkanern oder sonstigen Dritten. Alle präsentierten sich als kleine Dealer und behaupten fest, nie Drogen von Paul Henri bekommen zu haben.

Was den mutmaßlichen Hauptdealer angeht, hätte der zu Protokoll gegeben, das Rauschgift von einem „Mohammed aus einer Bar in Athus“ bekommen zu haben. Ein anderer behauptet, das Rauschgift aus der Nice-Bar bezogen zu haben.


Der Prozess wird heute fortgesetzt