GÜNTER BIWERSI

Wie viele Drogenkonsumenten und Abhängige in Luxemburg es gibt, ist nicht klar belegbar, da es sich hierbei um keine homogene Masse handelt. Die Zahl der Konsumenten von harten Drogen soll jedoch recht stabil sein. Günter Biwersi, stellvertretender Direktor der „Jugend- an Drogenhëllef“, über die Arbeit mit Drogenabhängigen, und wie ihnen geholfen wird.

„Seit mittlerweile 30 Jahren kümmern wir uns um Drogenkonsumenten und -abhängige. Über die Jahre hat sich unser Angebot immer weiter differenziert und regionalisiert, um die Hilfe dort anzubieten, wo sie gebraucht wird. Angefangen mit einer Beratungsstelle in Luxemburg-Stadt, haben wir seit 1990 in Esch und seit 2002 in Ettelbrück unsere Anlaufstellen. Hinzu kommt aktuell eine Präsenz in Düdelingen und zeitweise in Differdingen. Wir haben also unser Angebot nach und nach immer weiter angepasst und suchen immer die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und lokalen Einrichtungen vor Ort. Wir beschränken unsere Hilfe aber nicht nur auf die Konsumenten von Drogen, sondern kümmern uns auch um Angehörige, die oft auch einen großen Leidensdruck haben und nach kompetenten Ansprechpartnern suchen. 

Präventive Arbeit zu leisten, ist seit jeher unser Auftrag von Seiten des Gesundheitsministeriums. Besonders angesichts der Krankheit AIDS sowie HIV- und Hepatitisinfektionen. Denn intravenös konsumierende Klienten gehören zur Hauptrisikogruppe dieser übertragbaren Krankheiten. Der Spritzentausch und die Ausgabe von Material wie sterilem Wasser und Desinfektionsmitteln sind ein Teil unserer Mission. Durch den Spritzentausch erreichen wir, dass viel weniger Spritzen im Müll oder in Parks landen, wo die Gefahr für Dritte besteht, sich mit Krankheiten anzustecken. Diese Arbeit hat auch einen Lerneffekt auf unsere Kunden, die sich der Gefahren für andere bewusst werden und ihr Verhalten und vielleicht ihre Konsumgewohnheiten ändern. Leider ist die Zahl der Drogenkonsumenten, die sich mit HIV infiziert haben, angestiegen, weshalb wir hier unsere Bemühungen intensivieren werden.

Bis aber ein Drogenkonsument Hilfe sucht, kann es einige Zeit dauern. Man kann von durchschnittlich sieben Jahren nach einem ersten Konsum sprechen, bis dieser Punkt erreicht ist. Denn oft wollen die Betroffenen nicht die negativen Konsequenzen des Konsums sehen. Häufig ist es ihr soziales Umfeld, welches sie zur Hilfe überredet oder drängt. Wir versuchen unsere Klienten mit unseren Angeboten dort abzuholen wo sie stehen, und legen gemeinsam Zwischenziele fest. Die Dauer und Häufigkeit der Behandlung wird in gemeinsamen Sitzungen festgelegt und in einem dynamischen Prozess den Veränderungen angepasst. Durch aktives Handeln der Betroffenen ist ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben für sie in Zukunft am ehesten erreichbar.

Das muss nicht bedeuten, dass es auch ein drogenfreies Leben ist, das wäre heuchlerisch. Immerhin leben wir in einer Konsumgesellschaft, in der jeder seine mehr oder weniger offenen und versteckten Substanzen einnimmt. Ich denke hauptsächlich an Medikamente, Alkohol und Nikotin, die allesamt große Risiken haben und ebenso in Abhängigkeiten führen können. Bei unseren Kunden ist der entscheidende Unterschied, dass sie von einer illegalen Substanz abhängig geworden sind. Deswegen sollte Drogenabhängigkeit auch nicht länger in die Schmuddelecke gestellt und den betroffenen Personen angemessen geholfen werden.“