LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

1.500 Lehrer aus 28 Lyzeen sind aus der Prüfungskommission ausgetreten

Wer davon ausgegangen war, es würde sich nur um eine leere Drohung handeln, wurde gestern eines Besseren belehrt: 1.500 Sekundarschullehrer aus 28 Lyzeen haben ihre Kündigung aus der Examenskommission eingereicht. Dies teilte das Koordinationsbüro der Lehrerkomitees gestern in einem Schreiben mit. Am Nachmittag wurde das „Rücktrittspaket“ im Unterrichtsministerium abgeliefert. Zeitgleich hatten sich gestern Morgen auch die drei Lehrersyndikate Apess, Féduse und SEW in einem gemeinsamen Kommuniqué zu Wort gemeldet, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Stein des Anstoßes hatte bekanntlich die angekündigte Einführung des so genannten „coefficient réducteur“ für den Arbeitsaufwand in den Abschlussklassen gebildet. Während der Examenszeit sollten nur noch die tatsächlich geleisteten Unterrichtsstunden bezahlt werden, hatte Premier Xavier Bettel im Oktober wissen lassen. Ende November war es zu einer Unterredung zwischen den Gewerkschaftsvertretern und dem Unterrichtsminister gekommen, während der sich eigentlich eine positive Wendung abgezeichnet hatte. Mit den vorgeschlagenen Anpassungen der Entschädigungen für Korrekturarbeiten zeigten sich die Lehrervertreter dann doch nicht einverstanden.

Zankapfel „coefficient réducteur“

Diese Maßnahme würde eine substanzielle Erhöhung des Arbeitspensums der Lehrer der Abschlussklassen (1ère und 13ème) bewirken und sich letztendlich negativ auf die Unterrichtsqualität auswirken, lautet der Vorwurf des Koordinationsbüros der Lehrerkomitees. Die Einführung des „coefficient réducteur“ würde schließlich zum Wegfall von 74 Stellen für künftige Lehrer führen, wurde überdies prophezeit. Die Regierung wird unmissverständlich dazu aufgerufen, auf zusätzliche Austeritätsmaßnahmen zu verzichten, die ausschließlich die Lehrerschaft treffen würden. Um wieder ein günstiges Arbeitsklima herzustellen und die nötigen Bedingungen für einen guten Ablauf der Abschlussexamen zu schaffen, sei es unumgänglich, die Idee des „coefficient réducteur“ aufzugeben, heißt es in dem Schreiben.

Apess, Féduse und SEW zeigen sich in ihrer Stellungnahme bereit, über eine Reorganisation der Abschlussexamen zu diskutieren, strikt abgelehnt wird dagegen jede Maßnahme, die als einziges Ziel habe, Einsparungen zulasten der Lehrer zu machen. Diese würden ohnehin diskriminierend behandelt, schließlich seien sie wie alle anderen Steuerzahler auch von Sparmaßnahmen betroffen und zusätzlich noch einmal als Beamte des öffentlichen Dienstes.

Treffen am Donnerstag soll Klärung bringen

Unterrichtsminister Claude Meisch sieht sich eigenen Aussagen zufolge nun in einer schwierigen Situation, insbesondere da eigentlich bereits eine Einigung mit den Gewerkschaften erzielt worden war. Dennoch glaubt der Minister nicht, dass es am Ende tatsächlich zu einem Boykott der Examen kommen wird. Am Donnerstag wird während eines Treffens mit den Gewerkschaften sowie dem Lehrerkomitee ein neuer Versuch gestartet, die komplexe Situation zu klären.