DIEKIRCH
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„Marque nationale de la viande de porc“: Produzenten fordern faire Preispolitik

Es ist eine Minute vor 12.00 - es geht um die Existenz eines Sektors, es geht um die Existenz einer nationalen Marke und damit eines nationalen Produktes: Zurzeit gibt es rund 20 Schweine-Erzeugerbetriebe in Luxemburg mit einer jährlichen Produktion von 80.000 Schweinen. Doch die Luxemburger Produzenten der „Association pour la promotion de la Marque nationale de la viande de porc“ (Cochy) legen seit Jahren bei der Produktion nur drauf - damit muss nun Schluss sein.

Nicht hinnehmbarer Zustand

Rund zehn Kilo vom Gesamtfleischkonsum der Luxemburger entfallen auf das Schwein. Dabei hat sich aber der Sauenbestand seit 1990 mehr als halbiert. Lag der Preis für ein Kilo Kotelett im Jahr 1990 aber noch bei vergleichbar 5,93 Euro, so musste man im Jahr 2017 knapp 10,46 Euro bezahlen. Doch wenn man sich davon einen Euro an Gewinn anschaut, so gingen 1990 noch 33 Cent an den Bauern, im Jahr 2017 waren es aber nur noch 14 Cent. Ein Zustand, den man nicht mehr akzeptieren könne, so die Produzenten.

Aktuell stelle sich eine Situation dar, die eine 100-prozentige Abhängigkeit vom deutschen Schweinepreis darlege, wie Präsident und Schweineproduzent Romain Klein ausführte. Schaue man sich den Erlös im zehnjährigen Durchschnitt an, so käme man auf rund 1,50 bis 1,60 Euro je Kilo Schlachtgewicht. Allerdings würden die durchschnittlichen Produktionskosten bei rund 1,70 Euro je Kilo liegen. „Eine kostendeckende Produktion ist also nicht möglich“, sagte Klein, obwohl man ein Produkt höchster Qualität auf dem Markt bringe. Eine „Industrieschwein“ soll es hier nicht geben.

Die Folgen seien keine Perspektiven, keine Investitionen und die Produktion der „Marque nationale“ nehme weiter ab. Aber: Der Preis für ein Kilo Kotelett liege in Luxemburg bei rund zehn Euro je Kilo, in Deutschland aber unter sechs Euro je Kilo. „Wir liegen hier an Europas Spitze“, führte Klein aus.

Wie wichtig aber die Marke sei, wurde an unterschiedlichen Beispielen aufgemacht: Es ist ein nationales Produkt, nicht nur „hausgemacht“, will heißen, hier getrocknet und das Produkt an sich komme aus ganz Europa. „Dies ist keine Nachhaltigkeit“, so die Produzenten. So monieren die Produzenten, dass bei einem Verkaufspreis von 10,46 Euro und einem Erzeugerverkaufspreis von 1,53 Euro je Kilo sich erhebliche Spannen bei dem Einkaufspreis beziehungsweise Kosten bei Schlachtung, Verarbeitung und schlussendlich Metzger/Supermarkt vorhanden sein müssen. Diese infrage stehende Gewinnspanne müsse es möglich machen, dass die Produzenten hier ihren Teil für eine kostendeckende Produktion abbekommen könnten.

So fordern die Produzenten einen fairen Preis, bei dem alle gewinnen müssen. Dies bedeute eine Kostendeckung und eine entsprechende Gewinnbeteiligung. Auch wird eine größere Transparenz in der Preisgestaltung und Marktverteilung wie ein Dokumentationssystem vergleichbar in Frankreich gefordert, wo eine detaillierte Aufschlüsselung der „Preisverteilung“ gegeben ist. Auch ein Rundtischgespräch mit allen Beteiligten des Fleischmarktes soll schnellstmöglich einberufen werden. Sollten diese Forderungen weiterhin unbeachtet bleiben, werde es in absehbarer Zeit keine nationale Schweineproduktion mehr geben, prognostizieren die Produzenten. Daher seien sich die Partner wie die Schlachthäuser durchaus bewusst, dass man in einem Boot sitzen würde, doch man müsse jetzt aufpassen, dass man nicht gemeinsam in diesem Boot untergehen würde. Wobei man den Begriff „Partner“ durchaus hinterfragen müsste. Wohl eine der ersten Folge, wenn sich diesbezüglich nichts ändere, werde sein, dass sicherlich zuerst die nationale Marke „den Bach runtergehen“ werde und Luxemburger Schweine wohl ins Ausland exportiert werden. Denn ein Weiterarbeiten für Gottes Lohn könnten die wenigsten Produzenten lange fortführen. „Doch wir stehen für ein Produkt und eine gewisse Qualität… Wir können es aber nicht mehr unter diesen Konditionen machen.“

40 Jahre desorientierter Landwirtschaftspolitik

Und man geht auch mit dem zuständigen Ministerium ins Gericht. So spricht die Branche von 40 Jahren desorientierter Landwirtschaftspolitik, „die Politik muss aufhören, sich alles mit ‚Bio‘ schön zu reden und wie toll es der Landwirtschaft doch gehen würde“, so die Produzenten einhellig. „Noch nie war ein Ministerium so weit weg von einem Sektor gewesen“, sagte Claude Loutsch - verständlich sei daher, dass die Frustration groß bei den Produzenten sei. Denn nicht zuletzt der Konsument werde teils getäuscht, wenn es um die Produkte gehe. „Ich sage nicht, dass die Leute betrogen werden“, betonte Klein, aber doch sollte man ab und an ein Blick auf die Etikettierung geworfen werden. Aus drei „L“ (für Luxemburg) werden so schnell mal nur eins, und das Herkunftsland sei ein ganz anderes.