CLAUDE KARGER

Jahresende - Zeit der Bilanzen - Zeit der Ausblicke. Auch das „Journal“ wird in den kommenden Tagen noch im Detail auf die Ereignisse zurück kommen, die Luxemburg, Europa und die Welt 2016 bewegt haben. Was vor allem hängen bleibt, war wenig Erfreuliches. Terroristische Attentate erschütterten etwa Brüssel, Orlando, Nizza und zuletzt Berlin. Auch in der Türkei und anderswo gehen ständig Bomben hoch, müssen Unschuldige sterben. Seit dem Massaker von Paris im November 2015 ist man ständig darauf gefasst, dass irgendwo wieder Radikale brutal zuschlagen.

Sie wollen erreichen, dass sich niemand mehr auf die Straße traut. Sie wollen Keile in die Gesellschaft treiben und dass die Bürger das Vertrauen in Institutionen und Behörden verlieren, denen es übrigens gelang, eine Vielzahl von Anschlägen zu verhindern und Terroristen dingfest zu machen - trotz der offenen Grenzen in der EU.

Letztere, seit Jahren im Polykrisen-Modus, hat ein ausgesprochen schwieriges Jahr hinter sich, das sie deutlich geschwächt abschließt, obwohl sie gerade in diesen Zeiten resolut gestärkt werden müsste. Aber verschiedene Machthaber in den Mitgliedstaaten wollen das nicht, sind ihnen doch schwache EU-Institutionen lieber, die besonders in Vorwahlzeiten einen vortrefflichen Sündenbock abgeben für alles, was irgendwo schief läuft.

Dass es im hektischen Wahljahr 2017 anders kommt, ist leider ein hehrer Wunsch. Dabei müssten gerade die Politiker an der Macht wissen, dass in einer globalisierten Welt viele Herausforderungen nur gemeinsam und im gegenseitigen Vertrauen im Interesse der Bürger - 2016 kamen uns fast täglich Zweifel, dass dieses noch die erste Priorität mancher Spitzenpolitiker ist - gelöst werden können. Statt sich resolut gegen sie zu stemmen und eine Politik der Perspektiven zu machen - und zu liefern! -, schwingen manche lieber Angst und Unsicherheit als politischen Vorschlaghammer gegen Kritiker und die Demokratie. Genau wie jene, die versuchen, mit simplen Parolen und von vorneherein unerfüllbaren, rückwärtsgewandten und gesellschafts- und demokratiezersetzenden Versprechen an die Macht zu gelangen. Sie liefern massenhaft Dünger für die Saat des Hasses, über den sich Terroristen nur freuen können. Dulden wir nicht, dass sie aufgeht! Dazu gehört auch, den immer dreisteren Hetzern im Netz und sonst wo Paroli zu bieten.

Nicht zuletzt die infekte Präsidentschaftswahlkampagne des Donald Trump dürfte sie in ihrer Meinung bestätigt haben, dass zivilisiertes, faktenbasiertes Argumentieren überflüssig ist. Was soll man sich auch den Kopf zerbrechen, wenn es reicht, möglichst laut Unwahrheiten rauszuschreien? Ob der Hetzer am Ende doch noch zum Staatsmann wird? Es wäre uns allen zu wünschen. Wir wünschen uns vor allem auch, dass in Syrien endlich die Saat des Friedens gesät wird und auch anderswo rund ums Mittelmeer, das dieses Jahr laut internationalen Organisation für Migration mindestens 5.000 Flüchtlinge verschlang. Trotz dieser düsteren Bilanz für 2016: Lassen wir uns unseren Optimismus nicht nehmen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, liebe Leser, liebe Anzeigenkunden und jedem der dazu beiträgt, dass diese Zeitung täglich erscheinen und verteilt werden kann, einen geruhsamen Jahresausklang und einen guten Start ins Jahr 2017.