LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Verfilmung des Stephen Sondheim-Musicals „Into the Woods“

Musicalkomponist Stephen Sondheim verarbeitete verschiedene Märchen in seinem Musical „Into the Woods“, dessen Uraufführung 1986 in San Diego war.

Die drei Hauptstränge inspirieren sich an dem französischen Märchen „Cinderella“ und dem britischen „Jack and the Beanstalk“, während die Geschichte vom Bäcker und seiner Frau vom Buchautor James Lapine erfunden wurde. „Rapunzel“ und „Rotkäppchen“ wurden auch im Musical verarbeitet.

Filmregisseur Rob Marshall hat als Tänzer angefangen, ehe ein Bandscheibenvorfall dieser Karriere ein Ende setzte.Er arbeitete fortan als Choreograf und verfilmte bereits die Musicals „Chicago“ (2002) und „Nine“ (2009) und nun „Into the Woods“.

Ein Wunsch, vier Pfande

Ein Bäcker (James Corden) und seine Frau (Emily Blunt) wünschen sich ein Kind. Vor langer Zeit wurde er von einer Hexe (Meryl Streep) verwunschen. Nun soll er dieser eine Kuh so weiß wie Milch, Haare so blond wie Mais, einen Schuh aus Gold und eine blutrote Kappe als Pfand bringen, damit sie die Verwünschung auflöst. Cinderella (Anna Kendrick) wird von ihrer Stiefmutter (Christine Baranski) und ihren Stiefschwestern Florinda (Tammy Blanchard) und Lucinda (Lucy Punch) gepiesackt.

Der junge Jack (Daniel Huttlestone) wohnt mit seiner Mutter (Tracey Ullman) auf einem Bauernhof. Da ihre Kuh Milky-White keine Milch mehr gibt, soll Jack sie verkaufen. Das Bäcker-Paar macht sich auf den Weg in den Wald, um die Pfande zu finden. Zuerst treffen sie Jack und seine weiße Kuh, dann Rotkäppchen (Lilla Crawford) und später Cinderella, die vom Ball des Prinzen (Chris Pine) flüchtet. Jack tauscht seine Kuh gegen Zaubererbsen, während Rotkäppchen dem Bäcker ihre Kappe schenkt, weil dieser sie und ihre Oma aus dem Bauch des bösen Wolfs (Johnny Depp) befreit hat.

Das Haar gehört der in einem türlosen Turm eingesperrten Rapunzel (MacKenzie Mauzy). Wäre nicht die Sache mit den Wundererbsen, deren Ranken bis ins Land der Riesen über den Wolken wachsen und den Menschen Ärger mit einer Riesin (Frances de la Tour) einbringen, könnten alle glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben.

Pseudo-Glück

Das Bäcker-Paar bekommt sein Baby. Cinderella und Rapunzel heiraten ihre Prinzen. Jack hat seine Kuh wieder, einen Riesen getötet und viel Gold geklaut. Die Hexe ist wieder jung und schön. Doch dieser Schein trügt, und das Pseudo-Glück erleidet mit dem Satz „Ich wünsche …“ herbe Dämpfer. Das Märchenhafte verschwindet und macht der Wirklichkeit Platz. Cinderella erkennt, dass ihre Heirat ein Fehler war, und die Frau des Bäckers knutscht mit dem Prinzen.

Regisseur Marshall behielt das düstere Ambiente der Bühnenshow bei. Einige Szenen wurden verändert oder gestrichen, wie jene mit Schneewittchen und Dornröschen. Trotz allem konnte der Regisseur die Geschichte nicht komplett von der Bühne in die unendliche Realität eines Films verlegen. Somit hängt einigen Szenen noch etwas Theatralisches an. Auch ein paar Songs wurden weg gelassen und am besten klingen im Film wie auf der Bühne der Titelsong, „It Takes Two“ und „No One is Alone“. Insgesamt kann man die Verfilmung dennoch als geglückt bezeichnen.