HELMSINGENCORDELIA CHATON

Virginie Depoorter gießt Kerzen mit Düften wie „Schueberfouer“ oder „Bambësch“

Für Virginie Depoorter riecht Luxemburg nach Holz, Moos, Pilzen und feuchten Blättern. „Der Geruchssinn ist für mich unheimlich wichtig“, sagt die Kerzen-Künstlerin. Depoorter nimmt Gerüche nicht nur wahr, sondern schafft sie auch selbst. In ihrem „Atelier Virginie“ in Helmsingen entstehen Duftkerzen, wie es sie nur in Luxemburg gibt: „Schueberfouer“ beispielsweise oder „Wéi um Land“ oder „An de Wéngerten“. „Es sind Düfte, die ich mit dem Land verbinde“, sagt sie. Ihr Lieblingsduft ist „Bambësch“. „Der hat so einen Hauch von Brot“, lächelt Virginie. „Ich mag das.“

Schnell ausverkauft und nachbestellt

Mittlerweile verkauft das „Luxemburg House“ in der Stadt ihre 180 Gramm schweren Duftkerzen im Glas. „Sie waren so schnell weg, dass ich mit neuen Themen beauftragt wurde“, freut sich die Kerzen-Kreative. Seither fällt ihr jeden Monat etwas Neues ein. Die Kerzen sind nicht nur bei Touristen beliebt, sondern auch bei Einheimischen. Bald soll es noch kleinere Varianten geben.

Die Duftkerzen entstehen in Virginie’s Atelier, mit Blick auf den Garten, eine grüne Oase mit viel Licht und Platz. An der Wand stehen noch einige Windlichter, die sie ebenfalls gefertigt hat. Denn zu den Kerzen ist Virginie Depoorter über einige Umwege gekommen.

In jungen Jahren absolvierte sie die „Ecole des arts platiques“ und beschäftigte sich mit Kunstgeschichte. „Aber dann habe ich 15 Jahre lang bei der EU gearbeitet“, sagt sie. Die Bürotätigkeit lag ihr nicht, die Themen der Luftfahrt, um die es in ihrem Job ging, kamen ihrer Kreativität nicht entgegen. „Ich war immer sehr kreativ und habe viel gebastelt“, sagt die Kerzenkünstlerin. Zu ihren Werken gehörten auch Windlicher, bei denen sie die Serviettentechnik auf Glas anwendete. „Damals war das auf Zink üblich, aber ich fand Glas schöner“, erinnert sie sich.

Windlichter und Schmuck

2002 schließlich ist es soweit. Virginie Depoorter hat ihre Tätigkeit bei der EU beendet und stellt erstmals auf der Messe „Ambience Jardin“ in Erpeldingen aus. „Das war ein voller Erfolg“, sagt sie rückblickend. Die Künstlerin veranstaltete Windlicht-Ateliers für Kindergeburtstage. „Die Eltern fanden das so gut, dass ich angefangen habe, auch für Erwachsene Workshops anzubieten“, erzählt sie lächelnd. Bald fertigte sie nicht nur Windlichter, sondern auch Schmuck aus Wolle, Halbedelsteinen oder anderen Materialien, den sie für Preise zwischen 30 und 300 Euro verkaufte, wieder mit Erfolg - zu viel vielleicht. Eine Sehnenentzündung zwingt sie zur Pause.

„Zum Geburtstag schenkten Freunde mit einen Kurs in der französischen Parfümstadt Grasse“, berichtet Virginie. Dort traf sie einen Aromakologen, der die gebürtige Südfranzösin tief beeindruckte. Sie machte eine Aromatherapie-Ausbildung und beschäftigte sich mit den psychisch-emotionalen Aspekten des Geruchssinns, bevor sie die Herstellung von Duftkerzen erlernte. „Dafür kann man keine essentiellen Öle verwenden, weil Kerzen abbrennen“, erklärt sie. Ihre Kerzen entstehen aus Duftessenzen und verschiedenen Wachsen.

Die Künstlerin fragte sich, was genau sie mit dem Gelernten anfangen würde. „Mir wurde klar, dass Luxemburg keine Duftunterschrift hat. Da habe ich Ideen gesammelt und umgesetzt.“ Im Dezember 2015 führt sie Freunden ihre Kreationen im Atelier vor. „Alle waren begeistert.“, sagt Virginie. Sie erhielt umgehend den Auftrag vom „Luxembourg House“. Jetzt hat sie noch viele Ideen, vom Parfum bis zu persönlichen Duftkreationen für Privatkunden, die sie täglich in ihrem Atelier antreffen können. Dort warten Parfüms und Essenzen darauf, entdeckt oder kombiniert zu werden. Schließlich definiert Virginie ihren Beruf selbst so: „Ich bringe das Wohlgefühl durch einen persönlichen Duft zu den Menschen.“


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