LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Marihuana und Ecstasy für den „privaten Gebrauch“ oder für den Handel? Staatsanwaltschaft fordert fünf und sechs Jahre Haft

Dumm gelaufen. Am Donnerstag standen zwei Männer und eine Frau in Luxemburg vor Gericht. Sie sollen mit Haschisch und Ecstasy gedealt haben - und sich dabei ziemlich dumm angestellt haben.

Es ging um menschliche Schicksale und skurrile Auseinandersetzungen. Auch die Richterin hatte den Eindruck, dass sich die zwei Männer und die junge Frau alleine gelassen fühlen, überfordert sind und deshalb immer wieder rückfällig werden.

Selfies mit Tüte? - Ziemlich blöd

Die Angeklagten sind bei Gericht bekannt. Es handelt sich um den 29-jährigen Pasquale R. und um den 23-jährigen Kevin H. . Sie fotografierten sich beim Kiffen, was ihnen am Ende zum Verhängnis wurde. Das ist deutlich mehr Pech, als einem einzelnen Menschen zusteht, denn die Polizei fanden die Fotos auf einem Handy eines Minderjährigen.

Der war am 16. September 2017 aus dem „Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique“ weggelaufen. Er hatte sich im Keller der Angeklagten Samantha R. (22) versteckt, wo ihn die Polizei dann fand.

Als die Polizisten sein Handy kontrollierten, fanden sie zahlreiche Fotos mit den drei Angeklagten und zwei Minderjährigen - alle beim Kiffen. Auch zwei Videos wurden beschlagnahmt in denen einer protzte „Ech sinn op der Fugue.“

Ein anderes Foto zeigte die drei Angeklagten an einem Tisch, auf dem eine massive Menge Marihuana und blaue Pillen lag. Wieviel Gramm Marihuana das genau waren, konnte nicht festgestellt werden. Bei den Pillen handelt es sich um Ecstasy der Marke „Blue Versace.“ Laut Polizisten soll die 22-jährige Frau für den Ecstasy-Handel zuständig gewesen sein. Auf dem Handy der Frau fand die Polizei auch ein Gespräch mit einer Freundin wo es um „Kamellen,“ das Codewort für Ecstasy ging. Die Polizei fand bei einer Hausdurchsuchung 1.045 Euro in einem Spielzeugauto versteckt. Auf die Frage der Vorsitzenden, wo denn das Geld herkomme, beteuert die Frau, dass das Geld ihrer Mutter gehöre.

Milde Strafen…

Die drei Angeklagten sind geständig, allerdings sahen die beiden Verteidigerinnen in ihren Mandanten echte Problempersonen, die schon sehr früh in den Teufelskreis der Drogen geraten sind. In ihren Plädoyers beantragten beide Anwältinnen Strafen, die für R. nicht über einem Jahr und für H. nicht über 15 Monaten liegen dürften. Für die junge Frau wurden mildere Umstände beantragt. Im Verlauf der Verhandlung habe sich auch nicht nachweisen lassen, dass die beschlagnahmte Summe aus Straftaten stamme. Das Geld gehöre der Mutter der Frau, und die Frau könne die Herausgabe zurückverlangen.

… oder die volle Härte des Gesetzes?

Der Anklagevertreter meint, dass die drei Angeklagten mit Minderjährigen „Rauschpartys“ gefeiert hätten. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass im Haus auch Kokain genommen wurde.

Das von der Anklage geforderte Strafmaß klang hart: H. soll für fünf Jahre hinter Gitter. Für R. und Samantha R. wurden sechs Jahre gefordert.

Darauf reagierte die Verteidigung mit der Bemerkung, dass es unerhört sei, dass Menschen ins Gefängnis gesteckt und sich dann selbst überlassen werden.

Das Urteil erfolgt am 10. Mai 2018.