LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Schwarz-Weiß bleibt interessant, doch die traditionelle Technik verschwindet zusehends – ein Gespräch mit Marita Ruiter, Direktorin der Galerie Clairefontaine

„Das ist eine Frage, die ich so nicht beantworten kann“, meint Marita Ruiter, Direktorin und Inhaberin der Galerie Clairefontaine, als wir wissen wollen, ob sie Farb- oder Schwarz-Weiß-Fotografie bevorzuge. Je nach Sujet eigne sich das eine oder andere besser. „Ich finde aber, dass das Schwarz-Weiße mehr Raum für Fantasie lässt“, fügt sie gleich hinzu. „Das Licht spielt eine wesentliche Rolle“, weiß sie. „Und dann kommt es darauf an, den Blick des Betrachters direkt auf das zu lenken, worauf es ankommt. Auch ohne Farbe muss es, salopp formuliert, den Betrachter sofort anspringen, ohne dass er danach suchen muss“, fährt sie fort.

Dunkelkammer verschwindet

Auch die jüngeren Generationen interessieren sich noch - oder wieder zunehmend -  für Schwarz-Weiß-Fotografie, erfahren wir. Das habe sie zuletzt jedenfalls im Rahmen der „photomeetings luxembourg“ festgestellt, die jedes Jahr von der Galerie Clairefontaine organisiert werden. Diese Art des Fotografierens setze einen höheren Lernaufwand voraus. Neben dem visuellen Talent sei nämlich auch die praktische Begabung eine Voraussetzung, „sofern man die Fotos selbst entwickeln will, was ja deutlich mehr Aufwand ist“. Sie bedauert, dass die Möglichkeiten, die der Computer heute bietet, dieses Handwerk langsam verdrängen. „Davor hat man die Aufnahmen tatsächlich in dieser Entwicklungsphase noch manuell mit einem Pinsel oder sonstigen Utensilien bearbeitet, konnte sein künstlerisches Talent auch in dieser Etappe noch einbringen, was einiges an Zeitaufwand erforderte, während heute Programme wie Photoshop eine unendliche Vielfalt an Möglichkeiten zur Nachbearbeitung bereithalten. Wenige Klicks sind nötig und schon hat man ein Ergebnis, das kaum noch an das Original erinnert“, erklärt sie. Dadurch werde das Auge nicht mehr so geschult, wie das früher der Fall war, was aber gerade in der Schwarz-Weiß-Fotografie wichtig sei. „Ich bin immer noch total begeistert, wenn ich sehe, wie viele Handgriffe in der Dunkelkammer nötig sind, um ein solches Foto entstehen zu lassen, und bewundere die Fotografen für ihre Geduld. Sie investieren viel Zeit, um noch traditionell zu arbeiten“, hebt sie hervor.

Zeit, Talent und Kosten

„Fotografen, die diese Technik beherrschen, gab es immer, aber es werden immer weniger“, bedauert die Galeristin. Dadurch würden auch die Möglichkeiten, dieses Kunsthandwerk zu erlernen, sinken. „Bei uns im Land kann man die Fotografen, die so arbeiten, wohl an wenigen Händen abzählen. Ich möchte es zwar nicht so sagen, aber es ist doch eine Kunst, die vielleicht nicht ausstirbt, aber doch immer mehr verschwindet, weil es nicht mehr genug Interessierte gibt, die bereit sind, so viel Zeit zu investieren, um das alles zu lernen. Um gut darin zu werden, braucht es Erfahrung. Und natürlich Talent. Und dann muss man sich auch noch das ganze Material anschaffen“, gibt Ruiter zu bedenken.

„Michel Medinger ist ein gutes Beispiel. Ihm wurde ja letztes Jahr eine große Retrospektive im CNA gewidmet. Sehr interessant war, dass extra für die Ausstellung seine Dunkelkammer rekonstruiert wurde, sodass man diesen Ort der Kreativität betreten und sich darin umschauen konnte. Er ist einer jener Luxemburger, die die Technik des Schwarz-Weißen wirklich noch beherrschen. Nennen kann man auch Yvon Lambert, der ebenfalls einer der Besten auf diesem Gebiet ist“, meint die Galeristin. Nachwuchsfotografen, die offen für die traditionelle Schwarz-Weiß-Fotografie sind, sollten sich nach ihrer Meinung unbedingt darum bemühen, von jenen zu lernen, die heute noch so arbeiten würden.

Dramatik und Gefühle

Die Meinung von zwei Amateurfotografen des Kollektivs „Street Photography Luxembourg“

Im Jahr 2013 haben sich ein paar Anhänger der Straßen-Fotografie zum Kollektiv „Street Photography Luxembourg“ zusammengetan. Véronique Fixmer und Catalin Burlacu konzentrieren sich hauptsächlich auf Schwarz-Weiß-Fotografie. Wir haben nach den Gründen gefragt.

Vom 2. bis 5. Mai organisiert das Kollektiv die dritte Auflage seines „Luxembourg Street Photography Festival“ in den Rotondes. Details zum Programm unter www.lspf.streetphoto.lu

Véronique Fixmer

„Mich spricht Schwarz-Weiß ganz klar mehr an Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch mehr Emotionen vermitteln kann als mit farbigen Fotos. In gewisser Weise ist man ja auch kulturell geschädigt, man kennt einfach so viele Klassiker, die in Schwarz-Weiß gemacht wurden. Ich finde mich jedenfalls eher im Schwarz-Weißen wieder, und auch wenn ich mich zwischendurch doch gelegentlich an die Farbe wage, falle ich schnell ins Monochrome zurück.  Die Herausforderung besteht darin, sich die Farbe beim Fotografieren wegzudenken und im Gegenzug mehr auf das Motiv und die Komposition zu achten. Ich sehe eher Licht, Schatten und Kontraste, wenn ich fotografiere, als dass ich der Farbe Wichtigkeit zugestehen würde. Dadurch rückt eben das Thema deutlicher in den Fokus, da viele Informationen, die in den Farben enthalten sind, einfach wegfallen.“

Catalin Burlacu

„Ich liebe es, durch natürliches oder künstliches Licht mit Schatten zu spielen, verschiedene Ebenen besonders hervorzuheben, Muster, Formen und letztlich (oftmals dramatische) Szenen zu erzeugen, die erstaunliche Geschichten erzählen können. Starke Kontraste liebe ich ebenfalls. Wenn man es allerdings mit dem Kontrast in einem Farb-Foto übertreibt, kann dies das Bild ruinieren, während man durch mehr Kontrast in der Schwarz-Weiß-Fotografie gleichzeitig mehr Dramatik beifügt. Genau das will ich in meinen Bildern, weil es für mich der beste Weg ist, Gefühle zu vermitteln. In der Straßen-Fotografie ist die Reaktionszeit, um eine bestimmte Szene mit der Kamera einzufangen, sehr kurz. Wenn wir also Fotos in überfüllten Städten zu unterschiedlichen Tageszeiten schießen, führt dies zu überladenen und vielfarbigen Kulissen im Bild. Dies alles kann den Betrachter von der Geschichte ablenken, die viel klarer und intensiver in einer Schwarz-Weiß-Fotografie zum Vorschein kommt. Um es mit den Worten des Fotografen Tom Grant zu sagen: ‚When you photograph people in color, you photograph their clothes. But when you photograph people in black and white, you photograph their souls!‘.“