CLAUDE KARGER

Morgen, am „Nationalen Dag vun der Resistenz“, der seit 1997 begangen wird, gedenken wir den Widerstandskämpfern gegen das Nazi-Regime und insbesondere den 23 luxemburgischen Resistenzlern, die am 25. Februar 1944 in Hinzert ermordet wurden.

In diesen Tagen gedenken wir auch besonders den Geschwistern Scholl und ihren ebenso jungen Mitstreitern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, die vor 75 Jahren unter dem Fallbeil sterben mussten, weil sie es gewagt hatten, mit Flugblättern gegen Hitlers Unrechtsregime anzukämpfen und appellierten: „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt! Entscheidet Euch, ehe es zu spät ist!“. Es war damals längst zu spät...

Diese Momente der Erinnerung sind die Gelegenheit in unserer hypermediatisierten Zeit mit seinen Freiheiten mal innezuhalten und darüber nachzudenken, ob das was wir heute haben, eigentlich so selbstverständlich ist und wie das war in dieser dunklen Zeit damals, die erst knapp zwei Generationen zurückliegt und von der noch viele Zeitgenossen aus erster Hand erzählen können.

Wer das tut, dem fällt unweigerlich auf, dass es sehr starke Parallelen gibt zwischen den Mechanismen der menschenverachtenden Diktatur und dem Gebaren aktueller Machthaber.

Es muss auffallen, dass sich die rechten Populisten, die leider verstärkt in die Parlamente gewählt werden, die sie insgeheim verachten oder selbst in höhere Ämter, die gleichen Tricks benutzen, die damals die Nazis an die Macht brachten: Hass, Ausgrenzung, Schuldzuweisungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen, Angst und reichlich „Fake News“ sowie Medien-„Bashing“, um die negativen Emotionen der Massen anzustacheln und den politischen Gegner zu diskreditieren. Ein Musterbeispiel dafür liefert etwa die AfD in Deutschland, die leider für ihre rassistischen und fremdenfeindlichen, mit unverhohlenen Naziparolen gespickten Dauerentgleisungen leider viel Applaus und Stimmen erntet.

Nicht zuletzt die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ zeigte sich diese Woche in ihrem Bericht über die Menschenrechte in der Welt wiederum höchst besorgt darüber, dass „prominente Führungsfiguren eine albtraumhafte Vision einer von Hass und Angst verblendeten Gesellschaft“ zeichnen und nicht nur das: Während sie die Bürger blenden, schränken sie deren Freiheiten ein und höhlen deren Rechte aus.

„Während wir das Jahr des 70. Jubiläums der universellen Menschenrechtserklärung beginnen, ist so klar wie nie, dass niemand ein einziges dieser Rechte als gesicherte Errungenschaft betrachten kann“, sagte Amnesty-International Generalsekretär Salil Shetty. Der Präsident der luxemburgischen AI-Sektion, David Pereira, sprach sogar vom „Anbruch einer neuen, dunklen Ära“.

Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen und zum Glück gibt es Millionen, die ihre Stimme erheben gegen die Angriffe auf Menschenrechte und Demokratie. Die Angreifer werden am Ende unterliegen.

Was passieren kann, wenn sie gewinnen, kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen. Besser noch besucht man die Orte, an denen Diktaturen Millionen meuchelten, an die immer und immer wieder erinnert werden muss.