LUXEMBURG
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Wie man mit dem Lebenswerk des „King of Pop“ trotz der Missbrauchsvorwürfe umgehen kann

Seine Musik ist nicht tot zu kriegen. Es ist ein Werktag, unter der Erde Manhattans, die U-Bahn-Station „Grand Central“. Die Massen strömen durch die Gänge, und an einer Seite steht eine Frau mit Mikro und Verstärker und singt Michael Jackson. Eine Frau ist stehen geblieben und nickt mit dem Kopf zum Takt. Daneben tanzt ein Kind an der Hand seines Vaters.

Hier in der New Yorker Subway scheinen die Diskussionen um den größten Popstar aller Zeiten weit weg, fast so, als hätte es sie nie gegeben. Dabei ist Michael Jackson, dessen Tod sich zum zehnten Mal jährt, seit einigen Monaten so umstritten wie wohl noch nie. Das wirkt sich auch auf sein künstlerisches Erbe aus.

Boykotte und anhaltende Beliebtheit

Den Glauben an Jacksons Unschuld verloren in letzter Zeit viele, nachdem sie „Leaving Neverland“ gesehen hatten, die mittlerweile weltweit bekannte Dokumentation von Regisseur Dan Reed. In ihr erzählen James Safechuck (41) und Wade Robson (36) schockierend und in schwer zu ertragender Detailtiefe, wie der Sänger sie sexuell missbraucht haben soll, als sie noch Kinder waren. Angefangen habe der Missbrauch, als er sieben war, sagt Robson in der Dokumentation. Es wird beschrieben, wie Jackson sich systematisch an die Kinder annäherte, schließlich mit ihnen in einem Zimmer schlief und nach einer Zeit wieder abstieß. Robsons Mutter spricht von einem „Muster“: „Alle zwölf Monate hatte er einen neuen Jungen an seiner Seite.“

Doch während einige eingefleischte Fans in den Foren noch immer darüber brüten, wie sie die Welt von der Unschuld ihres Idols überzeugen können - schließlich wurde „Jacko“ nie von einem Gericht verurteilt - geht auch eine andere Debatte weiter. Darüber, ob man Jacksons Oeuvre angesichts der Vorwürfe noch genießen darf. Sind Kunst und Künstler trennbar?

Im Fall von Jackson gab es diejenigen, die mit Boykottaufrufen reagierten. Doch Radios spielen Songs wie „Billie Jean“, „Smooth Criminal“ oder „Heal the World“ weiterhin, bei Streaminganbietern bleiben sie im Programm. Für die Tour des Musicals „Beat it“, von den Veranstaltern als „zweistündige Hommage“ an das Pop-Genie beschrieben, werden nach wie vor Karten verkauft.

Der hofierte Künstler

Das ist eine Entwicklung, die kaum überrascht, wenn man sich neben dem Werk auch die Wirkung des „King of Pop“ anschaut. Viele beschreiben ihn als Star von solcher Größe, wie sie vielleicht niemals wieder erreicht werden kann. Die einflussreichsten Frauen und Männer der Welt - Präsidenten, Könige und Diktatoren - hofierten Jackson, auch deswegen, weil er auf seine Weise noch mächtiger war als sie. Er spielte Touren vor Millionen und seine Konzerte waren so groß, wie das Fassungsvermögen der Stadien es zuließ.

Eine der Fragen, in der vieles kulminiert, lautet: Können schreckliche Menschen großartige Kunst machen? Liebhaber des genialen Komponisten, Antisemiten und Nazi-Lieblings Richard Wagner würden sie wohl genauso mit „Ja“ beantworten wie diejenigen, die Pablo Picassos Malerei großartig finden, obwohl er immer wieder als Mann beschrieben wurde, der Frauen in seinem Leben herabwürdigte.