LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Taxi“, der Gewinnerfilm des Goldenen Bären 2015 im Programm des LuxFilmFest

Der iranische Regisseur Jafar Panahi ist vielleicht der wichtigste Filmemacher im Iran. Nur wurde er 2010 zu einer Haftstrafe verurteilt, ebenso wie zu einem 20-jährigen Berufsverbot. In seinen Filmen, die mit internationalen Preisen überschüttet wurden, klagte er stets das Regime im Iran an, das Meinungsfreiheit und die Gleichstellung der Frau nicht toleriert. Doch Panahi gelingt es immer wieder die Machthaber auszutricksen und Filme zu drehen. Das geschah ebenfalls als er „Taxi“ drehte, der vor wenigen Wochen in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde.

Menschliche Vielfalt

Panahi selbst steuert ein Taxi durch Teheran. Am Armaturenbrett sind zwei kleine Kameras fixiert, die auf den Beifahrer und der Fahrer gerichtet sind. Zuerst steigt ein großmäuliger Kerl ein, welcher die Meinung vertritt, dass die Regierung ein Exempel statuieren und wieder ein paar Diebe erhängen soll, als Abschreckung. Eine hinten sitzende Dame ist gar nicht seiner Meinung, und es kommt zu einem Streitgespräch.

Der mit verbotenen Videofilmen handelnde Omid erkennt den verbannten Regisseur. Weil ein Käufer auf Panahis Rat mehr Filme als normal kauft, bietet Omid ihm an, in sein Geschäft einzusteigen. Wie die Sache mit dem verletzten Mann ausgeht, der sein filmisches Testament im Taxi abgibt, und warum zwei Frauen ein Aquarium transportieren, sollte man selbst herausfinden, denn „Taxi“ ist in erster Linie ein sehr humorvoller Film, der von A bis Z inszeniert wurde und voller Ideen steckt, hinter denen auch herbe Kritik an der Regierung durchdringt.

Alle Darsteller sind Amateure, deren Namen nicht im Abspann kreditiert sind, um sie nicht in Bedrängnis zu bringen. Speziell die iranischen Reinheitsgebote, die Filme respektieren müssen, um in den Verleih zu kommen, haben es Panahi angetan. Ihre Unsinnigkeit demonstriert er durch die Aussagen seiner Nichte Hanna, welche mit ihrer Kamera einen Film drehen will, den sie später allen in der Schule zeigen darf. In Berlin nahm sie übrigens den Preis für ihren Onkel entgegen.

Dass in Berlin Panahis Verurteilung durch das Regime ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury war, ist glasklar. Doch im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen, die sehr persönlich oder politisch angehaucht waren, kann jeder Zuschauer etwas mit „Taxi“ anfangen. Der sehenswerte Film läuft noch einmal am Mittwoch um 19.00 Uhr im „Utopia“ im Rahmen des Luxembourg City Film Festival.