LUXEMBURG

Maler Georg Baselitz feiert am morgigen Mittwoch seinen 75. Geburtstag

Unsichtbare Bilder sollen laut rezenten Aussagen von Georg Baselitz’ des Künstlers neue Schaffensperiode markieren. Baselitz, der demnächst Werke unter einer schwarzen Farbschicht kaschiert, feiert am morgigen Mittwoch seinen 75. Geburtstag und gehört, neben Gerhard Richter, zu einem der größten Künstler der Bundesrepublik. Für die Werke Richters und Baselitz‘ muss der Sammler heutzutage übrigens tief ins Portemonnaie greifen und in der Regel Millionenbeträge hinblättern.

Gleichzeitig handelt es sich bei Baselitz zweifelsohne um eine kontrovers diskutierte Persönlichkeit der Kunstwelt . Geboren am 23. Januar 1938 in Deutschbaselitz in der Oberlausitz als Hans Georg Kern, tauschte er 1961 seinen Nachnamen gegen den Künstlernamen „Baselitz“ ein. Den internationalen Durchbruch gelang dem gebürtigen Sachsen mit seinen großformatigen Werken, auf denen er die Motive auf dem Kopf stellte; das erste dieser kopfstehenden Motive“ schuf Baselitz End der 60er Jahre.

Unerwünscht im Osten der Republik

1956 hatte er ein Studium der Malerei an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Ost-Berlin. Ein Jahr später wurde er wegen „gesellschaftspolitischer Reife“ der Schule verwiesen. Im selben Jahr wechselte er in den Westteil der heutigen deutschen Hauptstadt und nahm sein Studium an der Hochschule der Bildenden Künste wieder auf, wo er sich intensiv mit abstraktem Expressionismus und Konzeptkunst auseinander setzte. 1963 schockte er die Öffentlichkeit erstmals nachhaltig: Seine Gemälde „Nackter Mann“ und „Die große Nacht im Eimer“, das eine masturbierende Figur zeigt, wurden aus einer Ausstellung in einer Berliner Galerie beschlagnahmt - zu unzüchtig.

Baselitz galt fortan als „Enfant Terrible“ der deutschen Kunstszene. Frühe Arbeiten aus den 60er Jahren, darunter viele Zeichnungen, zeigten eine dunkle Welt des Leids und der Entfremdung. Auch protestierte er mit seinen Bildern gegen das spießige Nachkriegsdeutschland. Mitte der 1960er begann er mit den „Fraktur“-Bildern, für die er Motive in Streifen gliederte und neu zusammenfügte. Darauf basierend entstanden wenig später die kopfstehenden Motive, mit denen er die Aufmerksamkeit auf den Malprozess an sich lenken wollte. Aggressive Pinselstriche und kräftig-intensive Farben sind Markenzeichen seiner Bilder, Disharmonie und Polarität stellen die berühmten roten Fäden dar, die sich durch sein gesamtes Werk ziehen .

Erste Gehversuche als Bildhauer in den 80ern

Sein Schaffen ist extrem vielseitig, umfasst auch Bilder mit christlichen Motiven, archaisch wirkende Holzskulpturen, die er teils mit Kettensäge und Axt bearbeitete. Seit den 80er ist er auch als Bildhauer tätig, 1993 fertigte er zudem das Bühnenbild für die Aufführung von Sir Harrison Birtwistles „Punch und Judy“ an der Niederländischen Oper in Amsterdam. Zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit gestaltete er 2010 eine ganze Ausgabe der deutschen Tageszeitung „Die Welt“

Neben der eigenen künstlerischen Arbeit unterrichtete er auch, erst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, später an der Hochschule der Künste in Berlin.

Werke von Baselitz, der heute in Deutschland und Italien lebt, hängen in unzähligen Museen, drei Mal war er bei der internationalen Kunstausstellung Documenta in Kassel vertreten, zeigte seine Werke auch bei der Biennale in Venedig. Der 2004 mit dem Kunstpreis „Praemium Imperiale“ Geehrte gehört zu den hochpreisigen Schwergewichten der Branche. 2007 widmete die Royal Academy in London ihm als erstem lebenden deutschen Künstler eine umfassende Retrospektive.

Im April dieses Jahres feiert das Film-Portrait „ Baselitz“ der Filmemacherin Regisseurin Evelyn Schels Premiere.pav mit dapd