LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Verhandlungen gescheitert: Keine Einigung zwischen Minister und Lehrergewerkschaften

Mehr als vier Stunden Marathonsitzung haben nichts gebracht. Am Ende konnten sich die Gewerkschaften der Sekundarschullehrer sowie die Vertreter der Lehrerkomitees doch nicht mit Unterrichtsminister Claude Meisch einigen. Hauptstreitpunkt bleibt die Einführung eines „coefficient réducteur“ für die Lehrer der Abschlussklassen, der eine Erhöhung des Arbeitspensums mit sich bringen würde. Da nur noch die tatsächlich geleisteten Unterrichtsstunden bezahlt werden sollen, wurde gleichzeitig über mögliche Kompensationsmaßnahmen diskutiert, demnach über den Stundenlohn für das Korrigieren der Abiturprüfungen. „Die Verhandlungen sind auf ganzer Linie gescheitert“, bestätigte uns Daniel Reding, Präsident der Apess, am Telefon. Die drei Gewerkschaften Apess, Féduse und SEW, die sich in einer „Intersyndicale“ zusammengeschlossen haben, werden nun ein Schlichtungsverfahren in die Wege leiten.

Rücktrittsgesuche nicht akzeptiert

Unterrichtsminister Claude Meisch hat indes nach dem Treffen wissen lassen, dass er die 1.500 Rücktrittsgesuche aus der Prüfungskommission nicht akzeptieren werde. Im Interesse der Schüler seien die Lehrer dazu angehalten, den guten Ablauf der Abschlussexamen zu gewährleisten, lautete die klare Ansage.

„Wir haben dem Minister eine ganze Reihe an Alternativvorschlägen unterbreitet. Keinen davon hat er angenommen oder auch nur in Erwägung gezogen“, bedauerte Reding. Meisch sei stur geblieben und habe quasi gebetsmühlenartig auf die Einführung des ,coefficient réducteur‘ oder alternativ die Reduzierung der altersbedingten Freistunden gepocht, berichtete der Apess-Präsident. Man sei regelrecht auf taube Ohren gestoßen.

Mit Alternativvorschlägen auf taube Ohren gestoßen

„Es wurde lange und sehr kontrovers diskutiert. Neue Vorschläge vom Minister kamen aber nicht. Wir haben hingegen viele Ideen ausformuliert, keine davon war jedoch gut genug. Beispielsweise haben wir vorgeschlagen, die dreifache Korrektur der Examensprüfungen durch eine zweifache zu ersetzen. Der Zeitaufwand wäre folglich geringer, und die Abschlussexamen könnten bis zu zwei Wochen später beginnen. Das würde mit sich bringen, dass die Schüler länger von uns betreut werden, was demnach auch die Qualität des Unterrichts verbessern würde. Die Wochen, die dann noch an tatsächlichem Unterricht ausfallen würden, könnten auf ein Minimum reduziert werden“, erklärte Reding. Außerdem haben wir vorgeschlagen, einzelne Studien und Projekte, die teils enorme Summen verschlingen, zu streichen. Der Minister reagierte extrem ausweichend und verharrte auf seinem Standpunkt. Von Alternativmaßnahmen, die nicht zulasten der Beamten gehen würden, wollte er nichts wissen“, fasste der Vorsitzende der Apess zusammen.

Keine Sonderbehandlung für die Lehrerschaft

Jedes Ministerium müsse seinen Beitrag zum „Zukunftspak“ leisten, um die öffentlichen Ausgaben in den Griff zu bekommen, wurde nach der Diskussionsrunde aus dem Unterrichtsministerium mitgeteilt. Der Minister sei weiterhin bereit, über alle vorstellbaren Sparmaßnahmen zu diskutieren, verschließe sich jedoch dagegen, dass das Arbeitspensum und das Basisgehalt der Lehrer von vorneherein ausgeschlossen seien, hieß es in der Stellungnahme. Erneut wurde betont, dass sich die Syndikate Apess und Féduse während des Treffens am vergangenen 26. November mit der Einführung eines „coefficient réducteur“ einverstanden erklärt hatten, dies in Anbetracht der nicht geleisteten Unterrichtsstunden in den Abschlussklassen ab Mai.

Auch die diskutierten Kompensationsmaßnahmen - „augmentation des forfaits de correction des copies d’examen, intégration du temps consacré à la préparation des examens oraux dans la tâche et la révision des modalités d’évaluation dans les classes terminales (suppression de la double correction pendant l’année et de la triple correction pendant l’examen) - seien von den beiden genannten Gesprächspartnern befürwortet worden.

Zuerst Einigung, dann wieder Ablehnung

Während der Unterredung am gestrigen 18. Dezember hätten sich die beiden Syndikate dann plötzlich kategorisch gegen diese Prinzipien gesträubt. „Sie lehnen jede Sparmaßnahme ab und verschließen sich damit auch der Aufnahme eines offenen Dialogs“, so der Vorwurf aus dem Unterrichtsministerium.

Die Gewerkschaftler hätten sich erneut auf ihre früheren Positionen berufen, die sie den Lehrern in den Lyzeen jedoch nicht einmal auf transparente Art und Weise vermittelt hätten. Vor diesem Hintergrund hätte keine neue Einigung gefunden werden können, ließ Minister Meisch durch seine Sprecher wissen. Die Fronten bleiben demnach verhärtet.