SCHÜTTRINGENPATRICK WELTER

Nach dem Shutdown ist die Gelegenheit für einen Neustart der ganzen Landwirtschaft günstig

Ein Neustart für die Landwirtschaft? Bisher sah es doch so aus, als ob die Bauern gut durch den Corona-Shutdown gekommen sind. Insbesondere die Gemüsegärtner haben erleben dürfen, dass die luxemburgischen Verbraucher schlagartig das einheimische Gemüse entdeckt haben. Aber was für die meisten galt, gilt nicht für alle. Egal ob Lernbauernhof, Reiterhof oder Probierstuben der Winzer - nichts ging mehr. Keine Schulkinder, keine Reiter oder Reitschüler und keine Kunden mehr… Die Winzer haben zwar keinen Wein wegschütten müssen, aber tausende Flaschen, die sonst an die Gastronomie verkauft worden wären, ruhen noch unverkauft in den Kellern.

Die Krise war ein Einschnitt, den das Landwirtschaftsministerium als „Reset“-Knopf für den gesamten Sektor nutzen will, wie Landwirtschaftsminister Romain Schneider gestern Morgen auf dem pädagogischen Bauernhof „A Schmatten“ in Schüttringen gegenüber der Presse erläuterte. Dafür nimmt sein Ministerium zunächst zusätzlich fünf Millionen Euro in die Hand, die zum Teil in Direkthilfen an einzelne Betriebe fließen, eine neue Öffentlichkeitsarbeit finanzieren und ansonsten dem ganzen Sektor zugutekommen sollen.

Den guten Stand der lokalen Produkte weiter halten

Vor allem ginge es darum, durch die Corana-Zeit aufgetretene finanzielle Probleme aufzufangen. Ziel der verstärkten Öffentlichkeitsarbeit ist es, Produkte aus heimischer - lokaler und regionaler - Produktion zu stärken. Auch wenn die Lebensmitteproduktion in der Zeit des Shutdowns weitergegangen und die Lieferkette bis zum Endverbraucher nicht zusammengebrochen sei, so hätten doch viele Landwirte Einbußen durch die vorübergehende Schließung des Horesca-Bereichs und der Schulrestaurants erlitten.

Andererseits sei die Arbeit der Landwirte, ob Bauer, Winzer oder Gemüsegärtner in der Krisenzeit von den Bürgern besser als sonst wahrgenommen und entsprechend gewürdigt worden, meinte Schneider.

Als dritten Pfeiler des Neustarts sieht der Minister Innovationen an, mit denen sich die nationale Landwirtschaft den Herausforderungen für Umwelt- und Wasserschutz stellen kann. Der Einsatz von Chemie auf den Feldern und Äckern könne durch eine mechanische Unkrautbeseitigung ersetzt werden, aufgrund der hohen Kosten werde das Ministerium auch dafür Investitionsbeihilfen leisten.

Übergangs-Agrargesetz, um GAP-Lücke zu schließen

Da vor dem 1. Januar 2023 (dieses Datum nannte Minister Schneider während der Pressekonferenz, in der schriftlichen Presseerklärung wird allerdings der 1.1.2021 genannt) nicht mit neuen Regeln der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ (GAP) der EU zu rechnen sei, setzt man in Luxemburg auf eine eigene Anpassung des Agrargesetzes, um die zeitliche Lücke zu überbrücken.

Schneider hatte seine Absichten für das Übergangs-Agrargesetz schon dem Landwirtschaftsausschuss der Abgeordnetenkammer vorgestellt. Es sei sein Ziel, durch die Anpassung des „Agrargesetzes“ die Investitionen auf hohem Niveau zu halten. Die Zuschüsse an die Landwirte sollen so zum 1. Januar 2021 angepasst werden. Ziel sei eine Qualitätsoffensive. Die Logik der Subventionen verlege sich so weg vom Produktionsaufkommen und der Betriebsgröße, erklärte der Minister, Wasser- oder Umweltschutz ständen jetzt im Vordergrund. Dafür sind laut Schneider weitere Mittel in Höhe von 4,3 Millionen Euro vorgesehen. Die Deckelung von Subventionen soll um zwölf Prozent angehoben werden.

Förderung für die Mikro-Landwirtschaft

In Zukunft sollen auch die ganz kleinen Betriebe aktiver unterstützt werden: Darunter Kleinstunternehmen in der solidarischen Landwirtschaft (SoLawi) oder Menschen, die ihren Beruf wechseln, um in den Landwirtschafts- oder Nahrungsmittelsektor einzusteigen. Schneider meinte dazu: „Diese neuen Formen der Landwirtschaft ermöglichen den atypischen „Quereinsteiger“-Profilen, den Schritt in die landwirtschaftliche Produktion zu wagen. Die Förderung der kurzen Wege ist ein zusätzlicher Schritt in Richtung der Diversifizierung der luxemburgischen Landwirtschaft.“

Die Gesamtprobleme der Landwirtschaft sollen im Herbst 2020 in „assises agricoles“ gemeinsam mit dem Premierminister angesprochen werden. Darunter auch der Hilferuf der Gemüsegärtner und -bauern nach einem bezahlbaren Zugang zu Wasser.