LUXEMBURG
MARCO MENG

China ist nicht nur ein riesiger Markt, sondern auch innovativer als man denkt

China, kein Geheimnis, ist ein immer wichtiger werdender Wirtschaftsstandort und auch Faktor für die Weltwirtschaft. Nicht zuletzt darum wird auch am 15. September wieder eine luxemburgische Wirtschaftsdelegation in China sein. Wie geht es aber Unternehmen aus den Benelux-Staaten in China? Das Beratungsunternehmen Moore Stephens in Shanghai untersucht das in der aktuellen „Sino-Benelux Business Study“, die in Zusammenarbeit mit der „Benelux Chamber of Commerce“ und dem Luxemburger Konsulat in Shanghai erstellt wurde. Der Luxemburger Raoul P.E. Schweicher, Manager für Corporate Finance und Financial Controlling bei Moore Stephens in Shanghai, besuchte jüngst sein Heimatland. Mit dabei im Gepäck die druckfrische Studie, die er dem „Journal“ vorstellte. Sechs Prozent der befragten Unternehmen kommen aus Luxemburg; keine große Zahl, allerdings ist Luxemburg auch kein großes Land im Vergleich zu Belgien, den Niederlanden oder vor allem China. „Dieses Mal haben wir auch zusätzlich zur Studie Interviews mit den Entscheidungsträgern der befragten Unternehmen geführt“, erläutert Schweicher. Dabei kam heraus, dass auch mehr und mehr ausländische Unternehmen, wie beispielsweise die Mitglieder der Benelux-Handelskammer, ihren Fokus auf chinesische Kunden legen. „Die Mittelschicht Chinas wächst deutlich“, erklärt Schweicher. Man merke, dass sich das Land weg von einer rein produzierenden Wirtschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft bewege. Das ist Teil des aktuellen 5-Jahres-Planes der Regierung, und Schweicher, der bereits fünfeinhalb Jahre in China lebt und in Peking ein Jahr Chinesisch studiert hat, betont, dass damit durchaus langfristige Pläne konsequent verfolgt werden. Vor allem dürfe man nicht unterschätzen, dass Entscheidungen mitunter auch überraschend schnell umgesetzt würden wie beispielsweise ein Fahrverbot für die lauten und stinkenden Benzinscooter in Städten. Jüngst stellte China auch seine Alternative zu Boeing und Airbus vor, und Schweicher ist sich sicher, dass es eine werden wird. Wenn Peking das wolle, werde es durchgezogen.

Der Billigproduzent wird zum Absatzmarkt

China sei für Luxemburg ein wichtiger Partner, so Schweicher, und diese Partnerschaft werde auch immer intensiver. „China wandelt sich zur Konsumgesellschaft“, sagt Schweicher; gehe es nur um Billigproduktion, lockten heute eher Malaysia oder Vietnam. „Wer aber ein Produkt hat, für das vielleicht in Europa der Markt gesättigt ist, der findet in China einen Wachstumsmarkt.“ Die chinesische Mittelklasse hat an Kaufkraft gewonnen, weil China, zumindest die Wirtschaftszonen im Osten des Landes, kein Billiglohnland mehr ist. „Und das sieht und spürt man - sogar hier in Luxemburg dank der chinesischen Touristen“.

Umgekehrt spüren Unternehmen vor Ort auch immer deutlicher den regulatorischen Druck und dass in China zunehmend auf die Einhaltung von Vorschriften gepocht werde. „Viele ausländische Unternehmen haben eigenen Aussagen nach den Eindruck, dass man mit ihnen bei dieser Anwendung der Vorschriften anfängt.“ Auch in anderen Bereichen gibt es laut Schweicher durchaus eine Ungleichbehandlung, die es insbesondere für kleinere ausländische Firmen schwer macht, in China Fuß zu fassen, denn der regulatorische Aufwand zehrt dann deutlich an den Einnahmen.

„Dauernd am Ball bleiben“

Was befragte Unternehmen laut Studie deutlich bemerken und auch Schweicher betont, ist eine technologische Dynamik in China, die in Teilen schon Europa überholt. Unternehmen müssten darum stets am Ball bleiben. Schweicher nennt als Beispiel das chinesische Unternehmen WeChat. Es vereinigt gewissermaßen Skype, Uber, Amazon, Paypal in einer App. „Ich selbst war schon seit sechs Monaten nicht mehr im Supermarkt“, sagt Schweicher, „obwohl ich jeden Tag selbst koche.“ Die Nahrungsmittel bestellt er in seinem virtuellen Supermarkt auf dem Smartphone. Das zu wissen sei auch für luxemburgische und generell ausländische Firmen wichtig: „Bietet man dem Kunden nicht an, zum Beispiel via WeChat zahlen zu können, hat man verloren.“ Es gebe enorme Chancen in China; man müsse sich aber vorher genau informieren, sagt Schweicher.

Ein weiterer Trend, der maßgeblich auf dem politischen Willen der Pekinger Regierung beruht, sei grüne Energie, Forschung und Entwicklung: Auch ausländische Unternehmen könnten in diesen Bereichen von Subventionen profitieren, von Steuererleichterungen oder anderen Hilfen. „Sie wollen ein grünes Land werden. Da ist China sehr offen und das genaue Gegenteil des Trump-Amerika“, sagt Schweicher. Die in der Studie befragten Unternehmen sind mehrheitlich mit ihren wirtschaftlichen Ergebnissen im Land zufrieden und verzeichnen wachsende Gewinne.

Die Studie gibt es als PDF hier