LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Brasserie Nationale will mit Qualitätspolitik gegen sinkenden Bierkonsum ankämpfen

Seit einigen Jahren schon geht der Bierkonsum zurück. Nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Weltregionen wie Australien und Japan. Die Brauerzunft kann dieses Phänomen nicht ignorieren und hat verschiedene Strategien entwickelt, um die Auswirkungen auf die eigene Geschäftsgrundlage zu mildern oder zu kompensieren. So auch bei der luxemburgischen Brasserie Nationale mit Sitz in Bascharage. Sie verteidigt mit ihren beiden Marken Bofferding und Battin einen Spitzenplatz in Luxemburg und hat auch in der belgischen und französischen Grenzregion bereits Fuß gefasst. Das half, den rückläufigen Konsum zu kompensieren, andererseits aber auch die neuen Produktionsanlagen mit zum Teil stark erweiterten Kapazitäten besser auszulasten, die seit Ende der 90er Jahre mit konstant hohem Investitionsaufwand geschaffen wurden.

Tradition und Marktführung

Im Beisein der vollständigen Führungsmannschaft stellte Administrateur délégué Georges M. Lentz gestern Vormittag die Geschäftsergebnisse des vergangenen Jahres vor, die zwar nicht unwesentlich vom einheimischen Konsumrückgang geprägt waren, die aber auch offenbarten, dass die Traditionsbrauerei, die 1975 aus der Fusion von Bofferding und Funck-Bricher hervorgegangen war und 2004 auch die Brauerei Battin übernommen hatte, weiterhin Marktführer bleiben konnte. Während die Marke Bofferding ihren Marktanteil in Luxemburg um 2% auf 44% steigern konnte, erreicht die Marke Battin heute, nach einer Steigerung um 5% gegenüber 2011, einen Anteil von 12%. Der Bierverkauf aus eigener Herstellung blieb mit 159.800 hl nur ganz knapp unter dem Volumen von 2011, der Umsatz für die Brasserie Nationale erreichte 11,568 Millionen Euro. Die zur Bofferding-Gruppe gehörende Vermarktungsgesellschaft Munhhowen kam auf einen Umsatz von 66,329 Millionen Euro. Und dies bei einem allgemeinen Rückgang des Bierkonsums in Luxemburg um rund 12%. Das gemeinsame EBITDA (Bruttoergebnis) lag bei 10,514 Millionen Euro.
Konsequente Investitions- und Qualitätspolitik
Die Investitionspolitik der letzten Jahre wurde auch 2012 fortgesetzt und äußerte sich in der Einführung von 45.000 neuen Bierkästen mit einem Aufwand von 560.000 Euro sowie in der Realisierung eines neuen Tanklagers mit einer Kapazität von 300.000 hl, wofür mehr als 5 Millionen Euro aufgewendet wurden.

Besonders stolz ist man auf die im vergangenen Jahr zugestandene Goldmedaille der DLG (Deutsche Landwirtschafts Gemeinschaft), die als Zeichen der Anerkennung für die konsequenten Qualitätsbemühungen gewertet wird auf der Basis des rigoros befolgten und
sogar übertroffenen Reinheitsgebotes, was auch von
einer steigenden Zahl von Geschäftskunden geschätzt wird. Im vergangenen Jahr schenkten 2.711 Kunden,
130 mehr als im Vorjahr, das Fassbier der Brasserie
Nationale aus.

Mittlerweile werden die Bofferding-Biere sogar weit über Luxemburg und Europa hinaus geschätzt. Nach einer ersten Partnerschaft mit einer großen Restaurant-Kette in Schanghai aus dem Jahre 2007 konnte ein weiterer Geschäftskontakt in China, wo Bofferding auch wegen des Preises als Luxusbier gehandelt wird, hergestellt werden, der die Vermarktung in 40 Städten und 23 Provinzen ermöglicht. Dass die Brasserie Nationale dennoch nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft blickt, hängt mit verschiedenen Ungewissheiten zusammen, wie etwa das geplante Rauchverbot für Cafés auch in Luxemburg, der massive Anstieg der Kanalisationstaxen und der Rohstoffpreise, sowie nicht zuletzt der hohen Akzisen in Frankreich, die ebenfalls den Bierkonsum weiter schwer belasten. Einen gesunden Zukunftsoptimismus legt das Unternehmen dennoch an den Tag durch die Einstellung von zwei jungen Fachkräften, die zu Braumeistern ausgebildet werden.