LUXEMBURG
SIMON LAROSCHE

DJ Jean Maron und DJ Qash organisieren jeden Monatden„I Miss Hip Hop“-Abend im Soul Kitchen - ganz ohne Gangsterattitüde

In den letzten Jahren wurden sehr wohl ab und zu reine Hip Hop-Partys in Esch, Feulen oder Stadt-Luxemburg organisiert, allerdings war die Stimmung dort leider allzu oft von Angeberei und harten Posen gezeichnet, ein falscher Blick oder eine unkluge Einladung auf einen Drink genügten, um dem Abend ein böses Ende zu geben. Was mit Gästen passiert wäre, die damals einen Harlem Shake auf der Tanzfläche versucht hätten, will man sich gar nicht ausdenken. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Vor drei Jahren fingen zwei befreundete DJs aus dem französischen Grenzgebiet (Jean Maron) und Luxemburg (Qash) damit an einen monatlichen Abend im Soul Kitchen zu organisieren, bei dem lediglich Songs aus der Goldenen Ära des Hip-Hops (1988-1998) zu hören sind. Balsam für die Seele der großherzoglichen Hip Hopper.

Oft wird zwischen Hip Hop und Old-School Hip Hop differenziert. Wo liegt der Unterschied?

DJ JEAN MARON Es handelt sich hierbei lediglich um eine Entwicklung der musikalischen Strömung. Ich höre mir heutzutage genauso viel zeitgenössischen wie alten Hip Hop an. Auch wenn der gegenwärtige Hip Hop sich unter anderem von der Popmusik inspiriert, so wird in den Songs immer noch gerappt, also ist auch dies noch Hip Hop. Werde ich allerdings gefragt, um auf einer Party aufzulegen, werde ich ausschließlich Songs aus der sogenannten Goldenen Ära spielen.

DJ QASH Dem kann ich nur zustimmen. Wir spielen Songs, die uns am Herz liegen.

Sollte man jedoch nicht ein neues Genre erfinden, um die moderne Mischung zwischen Electro-Musik und Hip Hop-Gesang adäquat zu beschreiben?

DJ JEAN MARON Natürlich ist das kein klassischer Hip Hop mehr, doch bereits 1986 vermischten Run DMC und Aerosmith auf ihrem gemeinsamen Song „Walk This Way“ Hip Hop und Rock. Damals wusste auch niemand so recht, wie man diese Musik nennen sollte: Rock oder doch Hip Hop?

Eure „I Miss Hip Hop“-Abende im Soul Kitchen ziehen nicht nur Hip Hop Fans an. Wie würdet ihr eure Kundschaft beschreiben?

DJ JEAN MARON Es gibt Leute, die kommen, um jene Songs aus der Goldenen Ära wiederzuhören und darauf abzugehen und dann gibt es Leute, die kommen, um Songs aus dieser Epoche zu entdecken. Drittens besteht unsere Kundschaft aus Leuten, die rein zufällig in der Bar sind, die unseren Sound aber scheinbar genießen.

Dabei seid ihr keineswegs die einzigen Hip Hop-DJs in Luxemburg, die noch reichlich Platten und CDs aus der Goldenen Ära besitzen. Warum glaubt ihr, dass gerade ihr so viele Leute auf eure Abende anzieht? Ist es eure konstante gute Laune?

DJ QASH Kann sein. Würden wir nicht so viel Spaß damit haben, würden wir die Abende nicht mehr organisieren.

DJ JEAN MARON Erstens gibt es hierzulande nicht viele DJs, die schon in der Goldenen Ära auflegten, als die Songs also tatsächlich veröffentlicht wurden. Zweitens haben einige von denen inzwischen mit dem Auflegen aufgehört. Drittens sind wir die einzigen, die Video-Mixing anbieten.

Genau. Wie funktioniert dieses Video-Mixing?

DJ JEAN MARON Ich benutze dafür das digitale Vinyl-System Serato mit einem zusätzlichen Video Plug-In. Theoretisch kann jeder, der dieses Material besitzt, auch Videos mixen, dann allerdings mit Videos, die von Youtube heruntergeladen wurden und auf denen das Logo von MTV oder von sonstigen Musiksendern zu sehen sind. Ich bemühe mich seit vier Jahren hingegen, die Labels in den USA direkt anzuschreiben, um das Originalmaterial von denen zugeschickt zu bekommen. Heute kann ich behaupten, dass außer mir und renommierten DJs aus den USA niemand anderes eine solch große Sammlung von Musikvideos besitzt.

Warum organisiert denn niemand sonst in Luxemburg einen monatlichen Hip Hop-Abend? Ihr habt ja schon den Beweis geliefert, dass das Konzept funktioniert?

DJ JEAN MARON Weil wir denen dann die Beine brechen würden (lacht). Ausschlaggebend ist vielleicht die Tatsache, dass wir nicht bloß auflegen, sondern den ganzen Abend organisieren, das heißt allen voran viel dafür werben. Gute DJs kenne ich viele, gute DJs, die auch geglückte Abende veranstalten können, durchaus weniger.

Von den absoluten Klassikern aus der Goldenen Ära, wie „Insane in the Brain“, „Jump Around“ oder „Slam“ mal abgesehen, welche Songs aus dieser Zeit würdet ihr euren Fans anraten?

DJ JEAN MARON „Ring Ring Ring“ von De La Soul, das auch 20 Jahre nach seinem Erscheinungsdatum immer noch sehr tanzbar ist, jeden Song von Rakim und Guru und „It’s my world“ von O.C.

DJ QASH „Today was a good day“ von Ice Cube, „Nas is like“ von Nas und irgendwelchen Song von Wu-Tang Clan.