LUXEMBURG
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Ehemaliger DP-Politiker und Minister Marcel Mart im Alter von 92 Jahren verstorben

Im Alter von 92 Jahren ist gestern der ehemalige Wirtschaftsminister, DP-Politiker, Präsident des Europäischen Rechnungshofs, Hofmarschall und Verwaltungsratsvorsitzende der „Banque Générale“ und der Messegesellschaft, Marcel Mart, verstorben.

Außergewöhnliche Karriere

Der am 10. Mai 1927 in Esch-Alzette geborene Marcel Mart studierte nach dem Zweiten Weltkrieg und nach seinem Abitur Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Montpellier. Der ausgebildete Anwalt fühlte sich allerdings zum Journalismus hingezogen und so arbeitete er mehrere Jahre lang für die erste europäische Nachrichtenagentur, was ihm Einblicke in die europäischen Institutionen verschaffte, in deren Diensten er später stehen sollte.

So war Mart von 1960 bis 1966 stellvertretender Sprecher der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Ceca), bevor er von 1966 bis 1969 als Direktor des Ceca-Informationsbüros in New York arbeitete. 1969 wurde er Leiter der Ceca-Abteilung für die Beziehungen zu Drittländern.

Marcel Mart engagierte sich auch in der Demokratischen Partei; 1969 wurde er als Minister für Wirtschaft, Mittelstand, Tourismus, Energie und Transport in die CSV/DP-Regierung Werner-Schaus II berufen. In der DP/LSAP-Regierung Thorn-Vouel bekleidete er zwischen 1974 und 1977 in den schwierigen Zeiten der Stahlkrise das Amt des Energieministers.

1977 schied er aus der aktiven Politik aus, um Mitglied des europäischen Rechnungshofs zu werden, dessen Präsident er von 1984 bis 1989 war. 1990 wurde Marcel Mart zum Hofmarschall berufen, ein Amt, das er bis 1993 ausübte.

Auch leitete Mart zwischen 1993 und 2005 den Verwaltungsrat der „Banque Générale“ und zwischen 1994 und 2000 jenen der Messegesellschaft. 2005 dann zog er sich in den Ruhestand zurück.

Großer Liberaler

Die DP würdigt Marcel Mart in einer Pressemitteilung als großen Liberalen, der vor allem als dynamischer, charismatischer und fortschrittlicher Minister der Regierung Thorn/Vouel in Erinnerung bleibe, die das Land durch eine schwere Zeit geleitet habe.

Während der Stahlkrise habe der Escher in der ersten Reihe gestanden, um Luxemburg mit einer Reihe von mutigen Maßnahmen aus der Krise herauszuführen. Erwähnt werden auch die gesellschaftlichen Reformen, die Blau-Rot von Mitte bis Ende der 70er beschlossen hatte, wie zum Beispiel die Abschaffung der Todesstrafe, die Entkriminalisierung der Abtreibung oder die Reform des Scheidungsgesetzes.

Wie die DP weiter schreibt, sei Marcel Mart bis zum Ende seines Lebens ein offener und vor allem ein interessierter Mensch geblieben, der sich viel für die jungen Leute begeistert habe. Mit seinem Charisma und seinem politischen Talent habe Mart die DP während langer Zeit geprägt und dynamisiert.

„De Marcel Mart ze begéinen, huet mäin Dag allkéiers beräichert. Als Kand schonn hunn ech hie bewonnert. Als Politikerin huet de Marcel mech inspiréiert“, so DP-Präsidentin Corinne Cahen. „Ech erënnere mech dorunner, wéi de Marcel nach mat 90 Joer op en DP-Kongress komm ass an do mat enger Standing ovation begréisst ginn ass. Dat weist den Estime, deen d’Partei fir hien hat. Ech denken an dëse schwéieren Amenter besonnesch un dem Marcel seng Fra Liette, u seng Kanner a Kandskanner an un déi ganz Famill.“

Staatsminister Xavier Bettel reagierte seinerseits auf Twitter und Facebook: „Mam Marcel Mart verléisst eis e grousse Staatsmann, dee säi Liewen an den Déngscht vun eisem Land a vun Europa gestallt huet. Hien huet eis Gesellschaft vun haut staark mat gepräägt. Mir sinn a Gedanke bei senger Famill an deene ville Mënschen, déi him no stoungen.“

Eine Reaktion gab es auch vom tief erschütterten Verwaltungsratspräsidenten unseres Verlagshauses, Kik Schneider: „Er war mir wie ein zweiter Vater, ich habe alles bei ihm gelernt. Er hat mich über die Hälfte meines Lebens lang inspiriert. Wir haben Hand in Hand gearbeitet“, erinnert sich Schneider an einen besonderen Menschen. Die beiden Männer sind sich sowohl in der DP als auch in der „Banque Générale“ ständig begegnet, wo Schneider jahrelang arbeitete und Mart Verwaltungsratsvorsitzender war.

Das „Lëtzebuerger Journal“ entbietet der Familie von Marcel Mart, der Vater der Fernsehjournalistin Caroline Mart und des Arztes Daniel Mart und Onkel der Journalistin und Hauptstadtschöffin Colette Mart war, sein aufrichtiges Beileid.