SCHOOS
CLAUDE KARGER

ADR-Nationalkongress: Jean Schoos als Präsident bestätigt

Der neue Präsident ist der alte: Bereits zum dritten Mal wurde gestern der ADR-Vorsitzende Jean Schoos von der Parteibasis in seinem Amt bestätigt. Rund hundert Parteimitglieder hatten sich im Vereinshaus in Schoos zum Nationalkongress der Partei eingefunden, die drei Abgeordnete in der „Chamber“ stellt und in letzter Zeit vor allem durch das Ausschlussverfahren gegen den Petinger Gemeinderat Joé Thein in den Schlagzeilen war. Thein hatte einen Facebook-Kommentar geliked, in dem ein Mann schrieb, Außenminister Jean Asselborn müsse auch mal im Cabrio durch Dallas fahren - eine Anspielung auf den Mord am US-Präsidenten John F. Kennedy im November 1963. Der Parteiausschluss wurde beim Kongress nicht weiter kommentiert, lediglich Generalsekretär Alex Penning erwähnte ihn kurz beim Vortrag des Tätigkeitsberichts der Partei und er wurde auch knapp bei einer Wortmeldung am Ende des Kongress behandelt.

„Die Welt und Luxemburg sind endlich“

Von 25 Mitgliedern des Nationalkomitees habe „eine große Mehrheit“ die Trennung von Thein beschlossen, sagte Penning. Der Vorsitzende der ADR - die im Mai 1987 als „Aktiounskomitee 5/6 Pensioun fir jiddfereen“ gegründet wurde - blickte vor allem nach vorne: Stichwort 1,1 Millionen Einwohnerstaat bis 2060. Um dieser Herausforderung zu begegnen, müsse sich ordentlich etwas ändern im Land, das derzeit einen „prekären Wohlstand“ genieße. Die Reserven seien aufgebraucht, Luxemburg habe riesige Verpflichtungen gegenüber europäischen Rettungsfonds, die hohen Wachstumsraten, die nur möglich sind „weil wir jährlich 10.000 Arbeitskräfte importieren“, seien vor allem auch den derzeit niedrigen Energiepreisen anzurechnen. Zugleich sieht Schoos keine Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der Armutsgefährdung im Land, zu der nicht zuletzt die hohen Wohnungspreise beitragen würden.

„Die Welt und Luxemburg sind endlich“, sagte Schoos, deshalb müsse es „überall zu einem Umdenken“ kommen. Der Vorsitzende brach in diesem Sinne eine Lanze für eine „Intensivierung ökologischer Bodennutzung“. Luxemburg habe das Zeug dafür, ein „Biolab“ in Europa zu werden und könne „Europa und der Welt zeigen, wozu eine halbe Million Menschen fähig sind“. Schoos rieb sich wenig an den anderen Parteien - er verglich Bettel mit Trump, warf den Grünen vor, für die Tram „ihre Seele verkauft zu haben“ und der CSV, „billigen Populismus über Kuhdörfer“ zu betreiben - das überließ er seinen Nachfolgern am Rednerpult. Wobei Alex Penning die Reform des Nationalitätsgesetzes erneut kritisierte, die „den Wert unserer Sprache mindert“. Kritik gab es auch an der Haushaltspolitik der Regierung und ihrem angeblichen „Zentralisierungswahn“, sprich die „Wegrationalisierung“ von öffentlichen Diensten in Landgemeinden. Die ADR, die laut eigenen Angaben an die 2.100 Mitglieder zählt, will sich bei den kommenden Wahlen als „echte Alternative“ und „einzige Partei für den Wechsel“ in Position bringen, sich auch für eine Regierungsbeteiligung anbieten.

Unter die Dreierkoalition müsse jedenfalls 2018 ein „demokratischer Schlussstrich“ gezogen werden, wie der parlamentarische Gruppenführer Gast Gibéryen unterstrich.