LUXEMBURG
INGO ZWANK

Nichts für Weicheier - 8. „Military Challenge“ am und im Obersauer-Stausee rund um Lultzhausen und Insenborn

Am Straßenrand in Richtung Lultzhausen parken einige Lkw und Container der Luxemburger Armee, Absperrgitter stehen auf dem Parkplatz am Ortseingang. Soldaten in Warnwesten regeln den spärlichen Verkehr am Donnerstagmorgen - es regnet am Obersauer-Stausee, das Thermometer zeigt 13 Grad. Auf der Brücke einige Soldaten zwischen einem Geschirr und Gewirr aus Seilen. Plötzlich taucht am Brückengeländer ein junger Mann im Tarnanzug auf, hangelt sich über das Geländer und läuft über die Brücke. In rund 200 Metern warten bereits einige Kameraden auf ihn, ziehen ihm eine Bergsteigerausrüstung an und haken einen Karabiner im Geschirr ein. Wieder schwingt sich der Soldat über das Geländer - und seilt sich vorsichtig von der Brücke ab. Bis zu einem Korb, der einige Meter über dem Stausee hängt. Da klinkt er sich aus und lässt sich ins Wasser fallen, um dann einige Meter weiter in Richtung Ufer zu schwimmen…

20 Kilometer mit 20 Hindernissen

Das war nur eine von insgesamt 20 Stationen, die gestern 156 Hartgesottene angingen, um bei der „8. Military Challenge“ der Luxemburger Armee ihren Mann oder auch die Frau zu stehen. Für so manchen eine wahre Grenzerfahrung …

„Auf einem Rundkurs von 20 Kilometern mit 20 Hindernissen im und außerhalb des Wassers mussten die Teilnehmer in Vierergruppen antreten“, erklärt Tanja Raveane von der Pressestelle der Armee. Neben den Teams der Luxemburger Armee stellten sich auch Mannschaften der Polizei, des Zoll, der Feuerwehr- und Rettungsdienste sowie ausländischer Militäreinheiten der Herausforderung. „So haben wir zwei Mannschaften aus Belgien und zwei Mannschaften aus Deutschland heute mit am Start“, sagt Raveane. Diese kommen aus Kompanien und von Standorten, mit denen die Luxemburger Armee enge Kontakte auch über gemeinsame Missionen pflegt. Auch zwei reine Frauenmannschaften sind am Start, sagt Raveane.

Unter anderem müssen die Teilnehmer steile Wände erklimmen, sich von der Stauseebrücke abseilen, durch das kalte Wasser schwimmen beziehungsweise auch tauchen, einen Baumstamm transportieren und so überwiegend in der nassen Uniform über Stock und Stein laufen, musste die Distanz zwischen den Hindernissen doch zu Fuß zurückgelegt werden.

Lëtzebuerger Journal

Gut vier Stunden unterwegs

Für die einen bietet die von der Luxemburger Armee organisierte „Military Challenge“ eine willkommene Bühne, um die persönliche Fitness und Waghalsigkeit unter Beweis zu stellen, für andere ist es eine Übung, die sie kräftemäßig doch ziemlich ans Limit bringt und sehr oft eine Menge an Überwindung abverlangt. „Es zählt auf jeden Fall, dass die Mannschaft im Ziel ankommen muss“, erklärt Raveane.
Gut vier Stunden müssen die Teilnehmer einrechnen, um den Parcours zu bewältigen. Ziel ist es somit, Sport und Fitness unter Beweis zu stellen, denn der Ehrgeiz bei einer solchen Challenge sei schon groß, sagt Raveane mit einem Schmunzeln. Doch auch die Teambildung wird großgeschrieben. Bei den Teams der Armee soll unter den vieren daher immer auch ein Berufssoldat dabei sein. David ist Soldat und nimmt das erste Mal an einer solchen Challenge teil. Was den jungen Mann erwartet, das weiß er nicht. „Aber wir haben in unserem Team jemanden, der schon einen solchen Parcours bewältigt hat“, erzählt er.

Foto: Pljakic Aldin - Lëtzebuerger Journal
Foto: Pljakic Aldin

Startqualifikation am Mittwoch ermittelt

Am Mittwoch bereits ging es für die Teams los, da wurden quasi die Startnummern ermittelt. „Durch eine Art Orientierungslauf, wo wir verschiedene Punkte finden mussten“, sagt David. Das ausgegebene Ziel für seine Mannschaft bei der heutigen Challenge: „Wir sind motiviert und wollen den ganzen Parcours mit allen Hindernissen und Aufgaben schaffen!“

Eine etwas andere Zielvorgabe haben sich da die Froschmänner des CGDIS gesetzt. Die Taucher sind bereits zum fünften Mal mit von der Partie. „Viermal waren wir auch zufrieden mit unserer Leistung“, so der Tenor. Zweimal schafften sie es unter die Top 10, zweimal unter die Top 15, über die fünfte Platzierung schweigen sich die Männer aus. „Heute wollen wir auf jeden Fall wieder unter die Top 10 kommen“, lautet die Zielvorgabe mit Blick auf den für sich fast heimischen Parcours. „Das Gelände und vor allem den See kennen wir, hier trainieren wir“, erzählen die Taucher. Wo es für sie den einen und anderen Minuspunkt gibt, „sind die ‚rein militärischen Stationen‘ wie das Schießen.“ In diesem Jahr heißt das: Gewehr und auch Pistole, unter anderem mit einer Pumpgun oder auch einer P90 Leistung bringen. Wobei die Taucher einstimmig mit einem breiten Grinsen im Gesicht klarstellen: „Ganz normal ist man nicht, wenn man hier an einer solchen Challenge teilnimmt...“

Foto: Daniel Balthasar - Lëtzebuerger Journal
Foto: Daniel Balthasar

80 Helfer an der Strecke

Doch nicht nur die Teilnehmer sind an diesem Tag rund um dem Stausee im Einsatz. Natürlich müssen auch die Stationen mit Helfern und Jury besetzt sein, Streckenposten sind auf den 20 Kilometern verteilt, die den Weg absichern. Für den Notfall steht auch das Sanitätsteam bereit„So kommt man hier einmal auf rund 80 Helfer auf dem 20 Kilometern“, sagt Raveane abschließend.

Am Abend stand für alle Teilnehmer der 8. Military Challenge die obligatorische Siegerehrung und ein gemeinsames Essen auf dem Programm, wo man den Tag und die Erfahrungen noch einmal Revue passieren ließ.