Als sich vor einigen Wochen eine Reihe von unzufriedenen Genossen wegen der angeblich immer wirtschaftsliberaler werdenden Ausrichtung der aktuellen Parteilinie aus lauter Verdrießlichkeit mit einem Schreiben an die Parteileitung der LSAP gerichtet hatten, da dürfte die Schadenfreude bei der größten Oppositionspartei riesig gewesen sein, war den Sozialisten, die in der Vergangenheit wegen ihrer internen Fehden ja bekanntlich immer mal wieder für heftige Schlagzeilen gesorgt hatten, doch seit ihrem Mitwirken als gleichberechtigter Partner von Blau-Rot-Grün das ehemals so heimtückische Selbstzerfleischungsgen abhanden gekommen.
Da sich im Leben aber bekanntlich alles irgendwann einmal rächt, und sei es nur die Schadenfreude, hat es nun auch die CSV erwischt, in der es nach der Flucht ihres ehemals starken Mannes Jean-Claude Juncker ins Brüsseler Exil inzwischen wieder so glitschig wie in einem Krabbenkorb zugeht. Verantwortlich für die jüngste parteiinterne Kritik ist indes wieder einmal der mittlerweile nicht mehr ganz so junge Parteirebell Serge Wilmes, der in dieser Woche, passend zum Sommerloch, eine regelrechte Serie auf Facebook gestartet hat, in der er den Parteioberen vormacht, wie man das mit dem Dialog und der Transparenz in Zukunft besser machen könnte. Dabei hatte der streitbare CSV-Abgeordnete bereits im vergangenen Jahr eine ähnliche Serie auf seinem inzwischen auf Eis gelegten Blog gestartet, in der er seiner Partei unter anderem nahegelegt hatte, ihre Entscheidungen über die nächsten Partei- und Wahlprogramme sowie über die Spitzenjobs in der Partei, in die Hände ihrer Mitglieder zu legen - und als zweimal unterlegener Kandidat für den Posten des CSV-Generalsekretärs dürfte der frühere Nationalpräsident der christsozialen Jugend wissen, wovon er spricht.
In seinem jüngsten Versuch, die CSV zu mehr Basisdemokratie zu bewegen, tritt Wilmes jetzt erneut dafür ein, dass die Parteibasis mehr Mitspracherecht bekommt, so zum Beispiel bei der Aufstellung des Spitzenkandidaten für die Legislativwahlen (wo neben CSV-Fraktionschef Claude Wiseler ja unterdessen auch noch Viviane Reding und Luc Frieden in den Startlöchern stehen sollen): „De Prinzip ass: ee Member, eng Stëmm. Am Moment kéinten iwwer 10.000 Memberen matmaachen.“
Parteipräsident Marc Spautz dürfte sich ob all der tollen Ratschläge seines jungen Fraktionskollegen jedenfalls so richtig freuen, kann momentan allerdings nicht reagieren, besucht er in seinem Sommerurlaub doch gerade das Haus der Gebrüder Grimm in Osthessen. Wahrscheinlich, um seine Fähigkeit zum Märchenerzählen zu perfektionieren. Wie es heißt, sollen es Spautz dann auch vor allem die Geschichte „Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst“ sowie das „Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ angetan haben. Der interne Reform- und Erneuerungsprozess bei der CSV soll derweil Ende des Jahres abgeschlossen sein; am 5. Dezember findet ein spezieller Statutenkongress statt. Die Ideen der Parteirebellen um Serge Wilmes dürften danach wohl endgültig begraben werden...


